Der Kompromiss könnte klappen

Die Schule Bernrain will die Schlosswiese kaufen und nur mit zwei Wohnblöcken bebauen. Der Stadtrat unterstützt diese Lösung. Jene, die für die Freihaltung kämpfen, machen ihre Zustimmung von einem fremden Urteil abhängig.

Urs Brüschweiler
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Eine Kommission wird beurteilen, ob die Wiese zwischen Schloss Girsberg (unten) und Schloss Brunnegg (Bildmitte) bebaut werden kann. (Bild: Mario Testa)

Eine Kommission wird beurteilen, ob die Wiese zwischen Schloss Girsberg (unten) und Schloss Brunnegg (Bildmitte) bebaut werden kann. (Bild: Mario Testa)

KREUZLINGEN. «Wir möchten zu diesem Vorschlag nicht Ja oder Nein sagen», sagt Jost Rüegg. Er kämpft seit Jahren für die Freihaltung der Schlosswiese, des Areals zwischen Girsberg und Brunnegg, das überbaut werden soll. Zuletzt vertrat er auch die Rekurrenten, also die Schlossbesitzer, gegen die derzeit sistierte Teiländerung des Gestaltungsplans Ribi-Brunnegg. Die zerfahrene Situation möchte die Kreuzlinger Schule Bernrain gerne auflösen, am Mittwoch präsentierte deren Bauchef Rainer Sigrist eine Entwicklungsvariante. Die Schule Bernrain würde das Land der heutigen Besitzerin, der Rüllen AG, abkaufen und dann einen grossen Teil davon auszonen lassen. Von den drei geplanten Wohnblöcken würden nur zwei realisiert.

«Wir würden uns beugen»

Rüegg sagt: «Wir massen uns heute kein Urteil darüber an. Ob diese Lösung aus Heimatschutzgründen akzeptabel wäre, sollen die Fachleute beurteilen.» Er meint damit die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission, welche am 4. Dezember einen Augenschein vor Ort nehmen wird. «Wir wollen nicht, dass gebaut wird. Aber diesem Urteil würden wir uns beugen.» Ausser die Kommission komme wider Erwarten zum Schluss, sogar der ursprüngliche Plan – die Vollversion – wäre zulässig. Dann würden sie den Rekurs wohl weiterziehen. «Aber daran glaube ich nicht.» Störend an der Angelegenheit ist für Rüegg, dass die Rekurrenten beim Augenschein nicht dabei sein dürfen.

Bauverwaltung hat mitgeholfen

«Die ENHK nimmt einen Augenschein vor Ort, um nachher ein Gutachten zur Bebauung oder Freihaltung des fraglichen Gebiets abgeben zu können. Es finden keine Verhandlungen statt», schreibt Stadtammann Andreas Netzle auf Anfrage. Dabei seien neben Stadt und Kanton die Vertreter der Schule Bernrain und der Rüllen AG. «Deren Projekt wird ja auch beurteilt.» Der Stadtammann erklärt, dass die Bauverwaltung bei der Ausarbeitung des Vorschlags fachliche Unterstützung geleistet hätte. «Der Stadtrat hat sich zu dieser Lösung bekannt.» Man habe sie auch den Rekurrenten vorgelegt und sie von Sinn und Nutzen einer nochmals reduzierten Bebauung der Schlosswiese zu überzeugen versucht, schreibt Netzle. «Sie verlangten jedoch als Bedingung ein Gutachten der ENHK.» Diese sei ja auch primär zuständig bei der Frage, ob das Land freigehalten werden müsse und ob in diesem Fall die Eigentümer entschädigt werden müssten.

Bernrain will schneller voran

Die Schule Bernrain versucht mit der Veröffentlichung ihrer Pläne aufs Gaspedal zu drücken. «Wir wollen vorwärtsgehen. Unser Problem liegt einzig auf der Zeitachse», sagt Rainer Sigrist. Das ging natürlich an die Adresse der Stadt, wo man die Vorwürfe aber nicht nachvollziehen kann. «Die Vertreter der Schule Bernrain und der Rüllen AG sind über das Vorgehen des Stadtrats und dessen Zeitbedarf seit längerem im Bild», schreibt Netzle. Auch Jost Rüegg war überrascht vom Vorpreschen der Schule Bernrain. «Wir dachten, sie warten bis nach dem Augenschein. Vermutlich wollen sie so Druck aufsetzen.»