Der Kaffeemaschinen-Doktor

NEUKIRCH AN DER THUR. Seit bald 20 Jahren repariert Ruedi Burkhalter bei sich zu Hause in Neukirch an der Thur defekte Kaffeemaschinen. Ab nächstem Jahr reduziert er für sein Hobby sogar seinen Beruf als Lastwagenchauffeur um 20 Prozent.

Rudolf Steiner
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Ruedi Burkhalter in seiner Werkstatt mit einem älteren Modell einer Kaffeemaschine. (Bild: Rudolf Steiner)

Ruedi Burkhalter in seiner Werkstatt mit einem älteren Modell einer Kaffeemaschine. (Bild: Rudolf Steiner)

«Ich kann mich noch gut an meine erste defekte Kaffeemaschine erinnern. Es war eine <Solis Master 2000>, die in Gossau in einer Bauschuttmulde lag», erzählt der 46jährige Ruedi Burkhalter aus Neukirch an der Thur. Denn nach einer Lehre als Landwirt hat er während 15 Jahren als Baumaschinenfahrer auf dem Bau gearbeitet. Seit zwölf Jahren ist er als Lastwagenchauffeur für eine Weinfelder Mühle unterwegs.

Dutzende von Kaffeemaschinen

Eigentlich heisst er offiziell ja Hansruedi, «aber alle sagen Ruedi zu mir», so der Vater von drei Kindern, der seit bald vier Jahren Grossvater ist. Die Kaffeemaschine aus der Bauschuttmulde hat er wieder funktionstüchtig gemacht. Sie steht noch heute, etwas verstaubt zwar, in seiner Werkstatt neben mindestens vier Dutzend anderen Kaffeemaschinen. Bis auf einige wenige sind alle repariert und einsatzfähig.

«Die meisten brauche ich als Ersatzmaschinen für meine Kundinnen und Kunden, wenn sie mir ein defektes Gerät zur Reparatur bringen», sagt Burkhalter. Daneben vermietet er leistungsfähigere Kaffeemaschinen für Parties und grössere Veranstaltungen. Und wenn sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, verkauft er auch neue Maschinen. «Das ist aber selten. Die meisten konnte ich wieder reparieren, auch wenn es fast hoffnungslos schien», sagt der Kaffeemaschinendoktor.

Zur Reparatur eine Reinigung

Burkhalter repariert die Maschinen nicht nur, sondern unterzieht sie auch einer gründlichen Reinigung. So erkennen manchmal Kunden ihre Maschine nach einer Woche kaum noch, wenn sie wieder wie neu aussieht. Mit den Jahren hat sowohl sein Erfahrungsschatz als auch sein Kundenstamm beträchtlich zugenommen. «Ich habe sogar schon Maschinen für Kunden aus dem Ausland repariert, wenn sie ihre Kaffeemaschinen bei einem Heimaturlaub in die Schweiz mitgenommen haben», erzählt er. Burkhalter macht keinen Unterschied bei den vielen verschiedenen Geräten, er repariert alle Marken und Modelle. Dabei ist seine Arbeit nicht einfacher geworden, denn die Beschaffung von Originalersatzteilen wird immer schwieriger. Denn die Hersteller haben kein Interesse daran, dass defekte Geräte repariert werden, sie verkaufen lieber neue Maschinen. Diese sind zum Teil so günstig, dass sich eine Reparatur gar nicht mehr lohnt. Dazu kommen Probleme mit den Werkzeugen, denn die Hersteller benutzen teils spezielle Schrauben, die mit herkömmlichen Schraubenziehern nicht geöffnet werden können.

Aus Hobby wird Teilzeitjob

Am Anfang reparierte Ruedi Burkhalter die Kaffeemaschinen von Nachbarn, Verwandten und Bekannten in seiner ungeheizten Garage. In den letzten Jahren wurde sein Kundenkreis grösser, und er hat seine Werkstatt in den Schopf neben seinem Einfamilienhaus verlegt. Dort zerlegt er seine Maschinen an freien Samstagen in einem geheizten Raum. Draussen weist ein Schild mit der Aufschrift «Kaffeemaschine kaputt – Ruedi hilft» auf seine Reparaturwerkstätte hin. «Weil viele Kunden mit ihren Maschinen am Samstag zu mir kommen, bin ich manchmal kaum zum Arbeiten gekommen», sagt Burkhalter. Weil er gegen die Fünfzig zugeht, hat er sich Gedanken über seine Zukunft gemacht. So wird er ab nächstem Jahr seinen Job als Lastwagenfahrer um 20 Prozent zurückfahren und am Mittwoch nur noch Kaffeemaschinen reparieren. «Wie lange ich noch Lastwagenfahren kann, weiss ich nicht, Maschinen reparieren kann ich aber auch noch mit 60», sagt Burkhalter in die Zukunft blickend. Weil aus der Freizeitbeschäftigung nun ein Nebenjob wird, muss er auch seine Preispolitik überdenken und möglicherweise anpassen.

Maschine mit 42 000 Kaffees

Kleinstreparaturen haben bis jetzt mindestens 20 Franken gekostet, für aufwendigere Reparaturen verlangte er 50 (für eine Stunde) bis maximal 250 Franken für vier Stunden Arbeit. Darin inbegriffen sind Reparatur, Reinigung, Entkalkung und Ersatzteile wie Brüheinheit, Mahlwerk, Leitungen, Dichtungen und Zählwerk. Denn jede Kaffeemaschine hat ein Zählwerk, das wie bei einem Kilometerzähler im Auto die Anzahl Kaffees registriert. «Ich hatte einmal eine Saeco mit 42 000 Kaffees auf dem Zähler.»

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