Der diskrete Fotograf

ARBON. Der fotografische Streifzug mit Herbert Maeder führte die Besucher des Kulturcinémas in die Schweizer Bergwelt, nach Afghanistan und in viele unberührte Landschaften der Erde.

Hedy Züger
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Herbert Maeder (links) im Kulturcinéma im Gespräch mit Jürg Niggli. (Bild: Hedy Züger)

Herbert Maeder (links) im Kulturcinéma im Gespräch mit Jürg Niggli. (Bild: Hedy Züger)

Der Fotojournalist Herbert Maeder war Erzähler im Kulturcinéma. Jürg Niggli befragte den Gast zu seinem Lebenslauf, später kamen die Besucher in den Genuss kunstvoller Aufnahmen des 80-Jährigen. Maeders Eltern betrieben in Wil eine Drogerie. Entscheidend war nicht das Angebot, diese später zu übernehmen, sondern die Zeiss-Klappkamera des Vaters. Kaum aus der Schule, war er damit im Alpstein unterwegs.

Zum Bestseller entwickelte sich ein Bild, das er am Fälensee bei einem Unwetter aufnahm und für Ansichtskarten zur Verfügung stellte.

Bescheidenes Auskommen

Maeder finanzierte seinen Unterhalt mit der Kamera. Die Familie lebte in einem Abbruchobjekt – Miete samt Heizung für 20 Franken. Später konnte er bei Untereggen ein 400jähriges Haus erwerben. Er sei mit der Fotografie trotz seiner Erfolge nie reich geworden, bekannte Maeder.

Als seine Enkelin als Lehrerin 6000 Franken verdiente, sagte er sich, dass er noch nie auf einen solchen Monatslohn gekommen sei. Dabei ging er mutig zur Sache. Kaum hatte er die ersten guten Aufnahmen in der – heute noch analogen – Kamera im trockenen, stellte er sich Arnold Kübler vom «Du» sowie der NZZ vor, deren Bildqualität er kannte. Man erkannte dort sein Talent und berücksichtigte ihn. 1967 wurde der erste Bildband mit Texten und Fotos von Maeder publiziert und auf Englisch übersetzt.

Das bedeutete eine Auflage von 100 000 Exemplaren. «Trotzdem», erinnert sich Herbert Maeder, «blieb es ein schwieriger Existenzkampf.»

Kamera diskret einsetzen

Bald erschienen die Bände «Alpstein» und «Land Appenzell», denen Erfolg vergönnt war. «Ich zeigte nicht nur die schöne Schweiz, sondern auch das gefährdete Land», sagt Maeder. Seine Bilder sind oft das Ergebnis seltener Stimmungen, Standorte und Lichtverhältnisse.

Die Silhouette von Soldaten im Gebirge, Aufnahmen im Abendlicht und in den Morgenstunden verdienen Bewunderung. «Erst auf die Menschen zugehen und ihnen helfen, dann die Kamera diskret einsetzen», erklärt Maeder seine Herangehensweise bei Fremden. In Afghanistan und im Hoggar-Massiv kam er so an Bilder, die verraten, dass der Fotograf akzeptiert war: Turkmeninnen beim Teppichknüpfen und ein Nomadenpaar.

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