«Der Dialog mit den Ärzten wirkt erleichternd»

Das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee veranstaltet im Dreispitz mehrere Referate mit verschiedenen Schwerpunkten. Michael Woydt, Chefarzt der Neurochirurgie erklärt die Beweggründe der Klinik. Was ist das Ziel dieser Vortragsreihe?

Annina Flaig
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Michal Woydt Chefarzt Neurochirurgie (Bild: pd)

Michal Woydt Chefarzt Neurochirurgie (Bild: pd)

Das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee veranstaltet im Dreispitz mehrere Referate mit verschiedenen Schwerpunkten. Michael Woydt, Chefarzt der Neurochirurgie erklärt die Beweggründe der Klinik.

Was ist das Ziel dieser Vortragsreihe?

Mit unseren Publikumsvorträgen möchten wir einen Einblick in das Leistungsspektrum unseres Spitals geben. In leicht verständlicher Form berichten unsere Spezialisten über die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten rund um die Herzmedizin und Neurochirurgie sowie die Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin. Die Möglichkeit zum persönlichen Dialog mit unseren Ärzten erleichtert dabei den Zugang zu den spannenden medizinischen Themen.

Der erste Vortrag am kommenden Donnerstag steht unter dem Titel «Wenn die Gehstrecke immer kürzer wird...» Dabei geht es um die sogenannte lumbale Spinalkanalstenose. Was ist das?

Es handelt sich hierbei um eine meist altersbedingte Verengung des Nervenkanals in der Wirbelsäule. Dieser sogenannte Spinalkanal beherbergt die Nervenversorgung von und zu den Beinen. Bei einer Verengung kommt es zu Schmerzen in den Beinen mit einer Einschränkung der Gehstrecke und nachfolgender Einschränkung der Lebensqualität.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Die Mehrzahl der Patienten mit einer Spinalkanalstenose ist 60 Jahre oder älter.

Motivieren Sie die Betroffenen für eine Operation?

Nach sorgfältiger Befragung und Untersuchung erklären wir den Patienten die Krankheitsursache sowie die Möglichkeiten der Behandlung – konservativ und operativ. Die Erweiterung des Spinalkanals, die sogenannte Cross-over Dekompression, bietet sich als Möglichkeit an, Mobilität und damit ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.

Wie stehen Betroffene einem solchen Eingriff am Wirbelkanal gegenüber? Welche Gefühle erleben sie? Sind die Ängste berechtigt?

Es ist immer sinnvoll, mit den Betroffenen in Gesprächen und natürlich auch mit der notwendigen Zeit über die Möglichkeiten dieses Eingriffs zu sprechen. Hilfreich sind allenfalls auch Infiltrationen (Schmerzspritzen) in den Spinalkanal, um den Patienten zu zeigen, welchen Effekt sie von einer Operation erwarten können. Bei den meisten Patienten überwiegt dann die Perspektive auf eine Wiedererlangung der früheren Lebensqualität. Erfahrungsgemäss bestehen nach ausführlicher Aufklärung relativ wenig Ängste im Zusammenhang mit der OP. Ein gewisser Respekt ist allerdings auch vor einem Routineeingriff berechtigt. Wichtig ist dem Patienten deutlich zu machen, welcher Nutzen durch die Wiedererlangung der Mobilität dem kalkulierbaren Risiko einer Operation gegenübersteht.

Ist die Operation eine Art Spezialität des Herz-Neuro-Zentrums?

Von den rund 600 neurochirurgischen Eingriffen, die jährlich bei uns durchgeführt werden, sind knapp ein Viertel eine Erweiterung des Spinalkanals. Damit sind diese Eingriffe, die mikrochirurgisch durchgeführt werden, sicherlich einer von mehreren Schwerpunkten unserer Neurochirurgie. Das Ziel ist erreicht, wenn die Patienten dem Operateur nach drei Monaten berichten, dass sie wieder schmerzfrei wandern und zum Einkaufen gehen können.

Ein ganz anderes Thema: Wie geht es mit dem Neubau des Herzzentrums beim Kantonsspital in Münsterlingen voran?

Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau hat im Januar 2016 den Rekurs gegen die von der Gemeinde Münsterlingen erteilte Baugenehmigung abgewiesen. Gegen diesen Entscheid wurde jedoch Beschwerde beim Bundesgericht erhoben. Im bundesgerichtlichen Verfahren ist der Schriftenwechsel zwischenzeitlich abgeschlossen, so dass bald mit einem Entscheid gerechnet werden kann.

Programm Der Vortrag beginnt heute, um 18 Uhr im Dreispitz. Der Eintritt ist frei. Weitere Daten: 12. Januar: «Der Herzinfarkt», 2. März: Kardioanästhesie, 4. Mai: «Herz im Takt?»

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