Der Chogenbach soll Platz haben

Die Stadt Kreuzlingen will das prägende Gewässer von Kurzrickenbach renaturieren. Das historische Dorfzentrum erhält in diesem Zug eine Aufwertung. Auf dem Campingplatz Fischerhaus müssen einige Dauermieter umziehen.

Urs Brüschweiler
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Der Chogenbach fliesst unter der Baumreihe versteckt (rechts im Bild) durch den Campingplatz Fischerhaus in den Bodensee. (Bild: pd)

Der Chogenbach fliesst unter der Baumreihe versteckt (rechts im Bild) durch den Campingplatz Fischerhaus in den Bodensee. (Bild: pd)

KREUZLINGEN. In einigen Jahren wird der Chogenbach ganz anders aussehen als heute. Der Bachabschnitt zwischen dem Dorfzentrum von Kurzrickenbach und der Mündung beim Fischerhaus soll dann naturnäher, für die Menschen zugänglicher und auch deutlich sicherer sein, bezüglich der Gefahren von Hochwassern. Letzteres verlangt der Kanton aufgrund einer Gefahrenkarte, welche die Gemeinden zum Handeln verpflichtet. «Der Chogenbach ist kein harmloser Bach», betonte Stadtrat Ernst Zülle. Am Mittwochabend informierte er den Quartierverein Kurzrickenbach gleich über zwei Projekte, welche die Stadt Kreuzlingen in Angriff genommen hat.

Gesetz verlangt mehr Abstand

Konkrete Pläne existieren bereits über den Teil des Chogenbachs, welcher quer durch den Campingplatz Fischerhaus in den See fliesst. Das Mündungsdelta wird vergrössert. Anstatt der Betonbrücke auf dem Uferweg ist hier ein längerer Holzsteg geplant. Weiter oben entsteht ein breites Kiesbett, im Sinne eines Erlebnisspielplatzes im Bach. Deutlich schöner und vor allem breiter soll das Bachbett im gesamten Abschnitt beim Camping-Platz werden. Dies bedingt jedoch deutlich mehr Abstand der Camper zum Gewässer als heute. «Den verlangt das Gesetz sowieso», informierte Ruedi Wolfender. Der Abteilungsleiter des Departements Gesellschaft musste deshalb kürzlich den betroffenen Festplatz-Mietern die unverhoffte Nachricht überbringen, dass sie mit ihren Wohnwagen demnächst umziehen müssen. An eine Informationsveranstaltung im Dreispitz seien kürzlich über 100 Camper gekommen, wie Wolfender berichtete. Dass diese langjährigen Mieter, die teilweise seit Jahrzehnten hier die Sommer verbrächten, keine grosse Freude hätten, sei klar. Einen ersten Entwurf, wie man die über 100 festen Stellplätze und die Touristenplätze neu arrangieren könne, habe man aber aufgrund der Rückmeldungen bereits überarbeiten können. Um den grösseren Raumbedarf zu decken, wird ein Stück Land hinter der Halle des Ruderclubs umgezont und dem Campingplatz zugeschlagen.

Infrastruktur wird verbessert

«Die Anzahl Plätze bleibt gleich, aber die Infrastruktur wird beim Umbau verbessert», konnte Wolfender den Campern versprechen. Jeder Standplatz wird Anschlüsse für Frischwasser und Strom sowie einen Brauchwasserablauf erhalten. Auch ein Neubau des Sanitärbereichs ist geplant. Wolfender erklärte, dass diese Pläne etappenweise und mit einem Zeithorizont bis 2020 umgesetzt werden sollen.

Ein offener Bach im Ortskern

Weiter oben am Chogenbach im historischen Dorfkern von Kurzrickenbach stehen ebenfalls grössere Änderungen an. Weitgehend eingedolt und nicht erlebbar verläuft das Bächlein hier zwischen Romanshornerstrasse und Seetalstrasse. Die Stadt Kreuzlingen hat nun einen Planungswettbewerb ausgeschrieben zur Neugestaltung des Zentrums. Darin geht es jedoch nicht nur um verschiedene mögliche neue Bachlaufführungen, sondern generell um die Aufwertung des Ortskerns.

Tempo 30 auf Kantonsstrasse

Wie Zülle erklärte wird die Romanshornerstrasse in diesem Bereich zur Tempo-30-Zone. Was ein Novum sei, da der Kanton dies auf seinen Kantonsstrassen eigentlich nicht gestatte. Bis im nächsten April sollen die Ergebnisse des Studienauftrages vorliegen. Die Umsetzung sei bis 2018 vorgesehen.

Ernst Zülle Stadtrat Kreuzlingen (CVP) Departement Bau (Archivbild: Reto Martin)

Ernst Zülle Stadtrat Kreuzlingen (CVP) Departement Bau (Archivbild: Reto Martin)