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Der Bodensee als Zentralheizung

In Romanshorn sollen 165 neue Wohnungen der Überbauung Witenzelg mit Seewasser geheizt und mit Warmwasser versorgt werden. Dieses Beispiel kann Schule machen, weil vor knapp einem Jahr die internationalen Richtlinien für die Wärmenutzung des Bodensees geändert wurden.
Cathrin Caprez
Das Areal Witenzelg im Bau: Im Hintergrund seine zukünftige «Zentralheizung», der Bodensee. (Bild: pd)

Das Areal Witenzelg im Bau: Im Hintergrund seine zukünftige «Zentralheizung», der Bodensee. (Bild: pd)

ROMANSHORN. Es war eine kleine Änderung im Kapitel 5 der Bodensee-Richtlinien: «Unter dem Aspekt einer nachhaltigen Energienutzung soll es möglich sein, das energetische Potenzial des Bodensees zur Wärme- als auch zur Kältegewinnung zu nutzen.» Damit vollzog die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) einen Bruch. Die jahrzehntelang stark eingeschränkte thermische Nutzung des Bodensees wurde deutlich aufgelockert.

Effiziente Wärmetauscher

Um mit Seewasser tatsächlich heizen zu können, wird es über effiziente Wärmetauscher geleitet und dabei um einige Grad abgekühlt. Der Wärmetauscher wiederum ist an Heizungskreisläufe gekoppelt. Mit Hilfe entsprechend grosser Wassermengen können so ganze Gebäudekomplexe beheizt werden.

Auch der gesamte Bedarf an Warmwasser und Heizwärme für die Überbauung Witenzelg in Romanshorn soll mit Seewasser gedeckt werden. Ende Jahr werden die ersten von 165 Wohnungen für insgesamt 500 Personen bezugsbereit sein. Die Planung der insgesamt zehn Häuser liegt bei dem in Romanshorn geborenen Peter Felix.

Naheliegende Wärmequelle

Sein Unternehmen Felix Partner Architektur AG habe «von Anfang an das Ziel einer nachhaltigen Versorgung des Areals» vor Augen gehabt, sagt Peter Felix. «Die Nutzung des Seewassers ist buchstäblich so naheliegend, dass kurzfristige wirtschaftliche Überlegungen fehl am Platz sind. Gerade bei einer so grossen Überbauung lohnt sich die Abkopplung von den Preisen für fossile Energielieferanten auch wirtschaftlich.» Die Überbauung wird an das Seewasserkonsortium Romanshorn angeschlossen (siehe Box). Dieses pumpt in der Fischzucht Romanshorn das Wasser aus 20 Metern Tiefe herauf, je nach Jahreszeit bis zu 250 Kubikmeter pro Stunde. Um das Wasser aus der Tiefe zu holen und es anschliessend im etwa vier Kilometer langen Leitungsnetz zu verteilen, werden leistungsstarke Pumpen benötigt. Den Strom dafür liefert das Elektrizitätswerk Romanshorn.

Träger Speicher

Ingenieur Andreas Szalatnay hat das Seekonsortium von Anfang an mit begleitet. «Der Bodensee ist ein optimaler Energiespeicher», sagt er. «Er speichert die Sommerwärme bis Anfang Winter und liefert dann während der Heizperiode die maximale Wärmeleistung.» So lassen sich selbst aus dem kühlen Wasser anfangs Frühling noch 3 kW Heizleistung gewinnen, bei einem Stromverbrauch von nur etwa 1 kW Strom für die Wärme- und Wasserpumpen.

Das enorme Wärmepotenzial des Bodensees hat vor kurzem ein Forscher-Team von der Eawag mittels komplexer Computerprogramme simuliert. Gemäss ihrer Resultate werden erst wenige Prozente davon genutzt.

Resultate beruhigen

Die Ergebnisse konnten frühere Befürchtungen vor einer «thermischen Verschmutzung» teils beruhigen. Bei einer (hypothetischen) Wärmeentnahme in der Grössenordnung eines Kernkraftwerkes würde sich die Seeoberfläche um maximal 0,2 Grad abkühlen. Und damit gar die Folgen des Klimawandels abfedern.

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