Der Bischof muss sich gedulden

ROMANSHORN. Mit dem geplanten grossen Pastoralraum im Oberthurgau geht es nicht vorwärts. Grund für die Verzögerung ist nicht zuletzt die Kirchgemeinde Horn, die sich neu orientieren will und sogar einen Bistumswechsel erwägt.

Markus Schoch
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Die katholische Kirche in Romanshorn thront auf dem Schlossberg. (Bild: Markus Schoch)

Die katholische Kirche in Romanshorn thront auf dem Schlossberg. (Bild: Markus Schoch)

Die erste Frist ist längst abgelaufen, im Oberthurgau sind aber auch nach zehnjähriger Diskussion noch immer keine Entscheide gefallen. Bis Ende 2014 sollten ursprünglich überall im Bistum Basel die Pastoralräume definiert sein. Aber wie es in Arbon, Amriswil und Romanshorn inklusive den umliegenden Gemeinden weitergeht, steht in den Sternen. Und ob sich daran bis Ende 2016 – dem neuen Termin des Bischofs – etwas ändert, ist ebenfalls ungewiss.

Pfarreien bieten Hand

Das Bistum würde gerne die drei Städte sowie Horn, Steinebrunn, Hagenwil und Sommeri organisatorisch unter einem Dach vereinen. Die drei grossen Pfarreien sollen aber einen Teil ihrer Autonomie behalten in Form einer eigenen Gemeindeleitung. Der Vorschlag liegt seit November 2014 auf dem Tisch. Die betroffenen Kirchgemeinden haben sich im letzten Sommer dazu geäussert. Sie wehren sich nicht grundsätzlich gegen die Pläne, weil sie einsehen, dass die heutigen Strukturen aufgrund der Engpässe bei den Seelsorgern aufgebrochen werden müssen. Sie verlangen aber einen offenen und fairen Dialog. Zudem wollen sie das Wahlrecht behalten, um in personellen Fragen ein gewichtiges Wort mitreden zu können.

Der Bischof hat den Pfarreien mittlerweile geantwortet. Er hält am grossen Pastoralraum im Oberthurgau fest, weil er ihn für die beste Variante hält. Er nimmt aber auch zur Kenntnis, dass sich die Seelsorger und Seelsorgerinnen im geplanten Pastoralraum derzeit nicht in der Lage fühlen, das Projekt anzugehen – auch wenn sie die Notwendigkeit der engeren Zusammenarbeit anerkennen.

Horn wendet sich ab

Dass es vorerst nicht vorwärts geht, hat aber auch mit einer unerwarteten Entwicklung zu tun. Die Katholische Kirchgemeinde Horn orientiert sich neu. «Wir würden uns gerne der Seelsorgeeinheit Steinerburg im Kanton St. Gallen anschliessen», sagt Kirchenpräsident Thierry Kurtzemann. Gerade Mörschwil mit der Oberen Waid liege ihnen näher als beispielsweise Arbon oder Romanshorn. «Historisch bedingt bestehen bereits Kontakte in die St. Galler Gemeinde», sagt Kurtzemann. Zudem sei die Seelsorgeeinheit Steinerburg kleiner als der geplante Pastoralraum im Oberthurgau, wo die Interessen von Horn an einem vergleichsweise kleinen Ort wären.

Ein kantons- und bistumsübergreifender Zusammenschluss wäre nichts Neues: Katholisch Rickenbach im Hinterthurgau ist ein Seelsorgebereich der Kirchgemeinde Wil. Die Thurgauer Landeskirche ist trotzdem wenig erbaut von den Plänen der Horner. «Sie hat keine Freude», sagt Kurtzemann. Die Horner prüfen jetzt deshalb alle Optionen. Inklusive eines Bistumswechsels. «Auch wenn das eine grosse Sache wäre», sagt Thierry Kurtzemann. Horn handle nicht aus der Not heraus, stellt er klar. «Wir sind mit der heutigen Situation in jeder Beziehung zufrieden.» Sie hätten einen Gemeindeleiter, und die Finanzen stimmten.

Vom Bistum Basel war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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