Der Baugott fürs Stadthaus

Neben den Emmishofer Narren – und manchmal auch der TZ – gibt es eigentlich niemanden in der Stadt, der unsere Lokalpolitiker satirisch und öffentlich aufs Korn nimmt. Ausser den Protagonisten des Z88. Nach 2012 wagte sich der Kulturverein heuer wieder an eine solche Eigenproduktion.

Urs Brüschweiler
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Am Stadtratstisch: Kurt Peter (als Heinz Theus), Björn Seydel (Ernst Zülle), Lukas Huber (Andreas Netzle), Marion Gräf (Beraterin Inka Bögle-Bölle) und Antoinette von Massenbach (Dorena Raggenbass). (Bild: Urs Brüschweiler)

Am Stadtratstisch: Kurt Peter (als Heinz Theus), Björn Seydel (Ernst Zülle), Lukas Huber (Andreas Netzle), Marion Gräf (Beraterin Inka Bögle-Bölle) und Antoinette von Massenbach (Dorena Raggenbass). (Bild: Urs Brüschweiler)

Neben den Emmishofer Narren – und manchmal auch der TZ – gibt es eigentlich niemanden in der Stadt, der unsere Lokalpolitiker satirisch und öffentlich aufs Korn nimmt. Ausser den Protagonisten des Z88. Nach 2012 wagte sich der Kulturverein heuer wieder an eine solche Eigenproduktion. Das Theaterstück «Die Stadthausoffenbarung» aus der Feder von Kurt Peter feierte am Freitag Premiere und am Samstag bereits schon wieder seine Dernière. Es war ein Stück Kleinkunst, im besten Sinne des Wortes.

Das fünfköpfige Ensemble performte in unnachahmlicher Art. Sie zeigten, wie das abläuft, wenn Stadtpräsident Netzle, Städträtin Raggenbass, Bauminister Zülle und Bauverwalter Theus ein neues Stadthaus planen. Um das Grossprojekt beim Volk durchzubringen, muss eine ausländische, externe Fachkraft her. Mit der dominanten Inka Bögle-Bölle holen sie sich aber eine unangenehm kritische Beraterin ins Boot, die als erstes eine «Analyse des Scheiterns» zu Gesicht bekommen will. Die erste Abreibung erhält Bauverwalter Heinz Theus, der ein «grösseres, höheres, schöneres» Stadthaus bauen möchte. «Wer hat Sie denn hier zum Baugott ernannt», fährt ihm Frau Bögle-Bölle übers Maul. Stadtpräsident Netzle ist froh, dass er nicht mehr alles alleine machen muss. Der neue Bau-Stadtrat Zülle klagt über stapelweise Akten und Pläne nicht realisierter Projekte, die seinen Estrich verstopfen. Und während Stadträtin Raggenbass mit ihrem Kulturzentrum nicht in die Gänge kommt, glaubt sie vor allem an die wundersame Kraft der Harmonie.

Die parodierten Politiker sassen im Publikum und erkannten sich in der Gestik und Sprache der Schauspieler wieder. Dank einfacher, aber wirksamer Mittel funktionierte deren Persiflage meistens und war schmerzhaft treffend und auch mal bös. Die Zuschauer freuten sich und lachten. Zwei schräge, aber goldige Gesangseinlagen krönten den viel zu seltenen satirischen Abend im «Z».

Ach ja, Frau Bögle-Bölle empfiehlt gar kein Stadthaus zu bauen. Denn: keine Abstimmung, keine Niederlage.