Der Architekt, ein Seiltänzer

ROMANSHORN. Bischof Partner Architektur AG feiert das 20-Jahr-Jubiläum. Für den Gründer und Geschäftsleiter Cyrill Bischof ist Bauen ein Kulturelement und nicht selten auch ein menschlich herausfordernder Prozess für alle Beteiligten.

Christa Kamm-Sager
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«Das Team ist wichtig»: Cyrill Bischof, Andreas Goldinger und Franziska Bischof (2., 3. und 4. von links) mit dem Büroteam. (Bild: Reto Martin)

«Das Team ist wichtig»: Cyrill Bischof, Andreas Goldinger und Franziska Bischof (2., 3. und 4. von links) mit dem Büroteam. (Bild: Reto Martin)

«Bauen ist nicht einfach vier Wände hinstellen. Bauen ist Raum, Teil unserer Gesellschaft, Bauen ist ein Kulturelement»: Wenn Cyrill Bischof seinen Beruf erklärt, redet er sich ins Feuer. «Es hat mich schon immer fasziniert, wie beim Bauen aus nichts etwas entsteht.» Es brauche für so einen Beruf grosse Leidenschaft. «Als Architekt ist man bis zu einem gewissen Grad auch Bau-Künstler», so Bischof.

Als Architekt ist man aber auch Seiltänzer zwischen dem Wünsch- und dem Machbaren. «Man muss Kompromisse eingehen, das ist so. Aber es gibt eine Linie, die ich nicht überschreiten möchte», drückt er sich aus. Er sei dankbar für seine Ausbildung an der ETH, wo er eine Grundethik vermittelt bekommen habe. «Wir versuchen in unseren Objekten der Moderne treu zu bleiben und sind dabei offen für alle Materialien wie Beton, Holz, Stahl und Glas.» In der Ausbildung habe er sich speziell für Solarbauten oder Häuser aus Lehm interessiert.

«Doch viele Ideen scheitern dann leider an den Realitäten.»

Gesellenstück in Dozwil

In die Wiege gelegt wurde Cyrill Bischof auch wirtschaftlicher Spürsinn. Da sein Vater als Gründer der Biro AG selbständiger Geschäftsmann war, sei es für ihn immer schon klar gewesen, ein eigenes Geschäft zu gründen. Nach dem Architekturstudium in Zürich, nach Hochzeit und längerer Studienreise in Amerika, auf den Spuren seines architektonischen Vorbildes, dem Amerikaner Frank Lloyd Wright, kam er zurück in die Ostschweiz.

In Uttwil gründete er 1990 zusammen mit seiner Frau Franziska Bischof – die heute noch für Finanzen und Innenarchitektur zuständig ist und generell eine wichtige Funktion hat im Team – die Architektur Cyrill Bischof in einem alten Bauernhaus. Bald folgte der erste grosse Auftrag, das «Gesellenstück»: das neue Oberstufenzentrum Dozwil.

Der Sieg dieses Architekturwettbewerbs hatte zur Folge, dass die Räume für das jetzt personell vergrösserte Architekturbüro zu klein wurden. Man zügelte an die Bahnhofstrasse 40, die ehemalige Schiesser-Scherrer-Fabrik.

«Das Schulhaus Dozwil ist unser ältestes Kind. Wir haben hier wohl auch am meisten gelitten und gelernt.» Aber auch das eigene Wohnhaus, zehn Jahre später, das Heilpädagogische Zentrum in Romanshorn, der SBW-Aufbau, das Minergie-Bürohaus der Schmidhauser

AG, der Totalumbau der Hubzelg mit den Strichcode- und Börsenkurs-Fassaden oder die Überbauung Sonnenring sind für das Bischof-Team Meilensteine. Am eigenen Wohnort für Menschen zu bauen, die man kennt, sei eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. «Aber es ist schön, für jemanden etwas zu schaffen, wo auch eine emotionale Bindung besteht.»

«Abgehoben»

Dass es nicht einfach ist für Architekten mit fortschrittlichen Ideen, versteht sich von selbst. «Wir galten bei manchen als abgehoben.» Gerade das Thema Flachdach verständlich zu machen in der Ostschweiz, sei unheimlich schwierig gewesen. Aber heute könne man feststellen, dass die Offenheit für moderne Architektur grösser geworden sei. Dank seiner Familie schaffe er es heute, vieles zu relativieren. Das sei nicht immer so gewesen und war für Cyrill Bischof ein wichtiger Weg.

«Ich bin als Person extrem zielstrebig, ehrgeizig, aber eben auch sehr harmoniebedürftig. Diese Gegensätze können mich manchmal schon etwas zerreissen.»

Er habe in diesen letzten 20 Jahren grosse Lernprozesse durchgemacht, nicht zuletzt auch dank seines Büroteams, zu dem seit 1998 Partner Andreas Goldinger gehört, der hauptsächlich für die Projektrealisation verantwortlich ist. Seit 2005 heisst das Architekturbüro denn auch Bischof und Partner Architektur AG.

Andreas Goldinger wurde im Rahmen der AG-Gründung Teilhaber und hat in seinem Verantwortungsbereich, der Baurealisation und Bauplanung, mit Kosten- und Terminverantwortung eine zentrale Aufgabe im Architekturbüro.

Fest mit 130 Gästen

Am 7. Mai feiert nun das derzeit elfköpfige Büroteam, darunter zwei Hochbauzeichner-Lehrlinge und fünf Architekten, das 20jährige Bestehen an einem grossen Fest mit 130 geladenen Gästen unter dem Motto «Form und Farbe».

In diesen 20 Jahren haben insgesamt rund 60 Mitarbeitende an 350 Objekten gearbeitet, von denen rund ein Drittel realisiert worden ist. In Zukunft will sich das Romanshorner Architekturbüro noch stärker im Bereich Gebäudesanierung engagieren.