Der Arboner Ritter der Ehrenlegion

ARBON. Den Weg in die Geschichtsbücher haben einige Arboner gefunden. Einer von ihnen ist Eugène Baron Stoffel, der für die Franzosen in Solferino kämpfte, Ritter der Ehrenlegion wurde und als Gesandter in Berlin für Verhandlungen warb – Paris hatte dafür kein Gehör.

Hans Geisser
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Von Arbon nach Paris: Eugène Baron Stoffel. (Bild: pd)

Von Arbon nach Paris: Eugène Baron Stoffel. (Bild: pd)

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren ist zurzeit fast tägliches Thema in den Medien. Buchautoren forschen nach Ursachen für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Und da fehlt auch nie der Hinweis auf die alte Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, auf die Revanchegelüste Frankreichs nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

Eine militärische Laufbahn

In Frankreich regiert damals Kaiser Napoleon III. (1808–1873), Neffe von Napoleon I, aufgewachsen auf Schloss Arenenberg und bis heute einziger Thurgauer Ehrenbürger. Der abenteuerliche Lebensweg des Arboner Bürgers Eugène Stoffel (1821–1907) ist eng mit Napoleon III. verbunden. Mit dem Eintritt in die Ecole Polytechnique Paris beginnt seine militärische Laufbahn. Er kämpft 1859 in der Schlacht bei Solferino. Tausende gefallene und verwundete Soldaten, Franzosen und Österreicher, werden für den auf dem Schlachtfeld anwesenden Henri Dunant zum Schlüsselerlebnis für die Gründung des Roten Kreuzes in Genf. Dunant verbringt den Lebensabend – einsam und verkannt – in Heiden, wo er 1910 82jährig stirbt. Baron Stoffel wird mit Orden ausgezeichnet und vom Kaiser zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen. Es folgen Dienstjahre als persönliche Ordonnanz des Kaisers im Majorsrang. Den Adelstitel erbt er von seinem Vater Augustin, Oberst und Kommandant eines Schweizer Regiments in den Kriegen Napoleon I. bis zur Niederlage in Waterloo.

Die «Rapports de Berlin»

1862 erhält Eugène vom Kaiser den Auftrag, die archäologischen Ausgrabungen auf den Schlachtfeldern Julius Cäsars in Alesia zu leiten. Er schreibt zwei Bücher – «<Jules César» und «Etudes sur Emplacement d'Alesia». Als Mitautor wirkt Napoleon III. persönlich mit. Schliesslich, nachdem ihn der Kaiser 1866 als Beobachter an die Brennpunkte des Krieges zwischen Preussen und Österreich schickt, erfolgt die Ernennung Stoffels – mittlerweile Oberstleutnant – zum Militärattaché in der französischen Gesandtschaft in Berlin. Von Berlin aus sendet er seine berühmten «Rapports de Berlin» nach Paris. Beharrlich warnt er vor der Überlegenheit der preussischen Armee. Ebenso hartnäckig ruft er zu Verhandlungen für eine dauerhafte französisch-deutsche Freundschaft auf. Nur so bleibe ein friedliches Europa gesichert. Stoffels Warnungen bleiben unbeachtet. Es folgt der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Und es folgen zwei Weltkriege im neuen Jahrhundert, bis sich die Prophezeiungen des einsamen Warners mit Arboner Heimatschein erfüllen.

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