Der 31. Juli kommt nicht in Frage

In Bischofszell ist der Verkehrsverein für die Organisation und Durchführung der offiziellen Bundesfeier verantwortlich. Vereinspräsident Hans-Martin Baumann ist überzeugt, dass dieser Anlass nach wie vor eine Existenzberechtigung hat.

Georg Stelzner
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Hans-Martin Baumann, Präsident des Verkehrsvereins Bischofszell, präsentiert vor der Bitzihalle das offizielle Veranstaltungsplakat für die Bischofszeller Bundesfeier. (Bild: Georg Stelzner)

Hans-Martin Baumann, Präsident des Verkehrsvereins Bischofszell, präsentiert vor der Bitzihalle das offizielle Veranstaltungsplakat für die Bischofszeller Bundesfeier. (Bild: Georg Stelzner)

Herr Baumann, erinnern Sie sich noch an die erste Bundesfeier, an der Sie teilgenommen haben?

Hans-Martin Baumann: Ja, sehr gut sogar. Ich war sechs oder sieben Jahre alt und besuchte in Effingen mit meinen Eltern die dortige Feier zum 1. August.

Was ist Ihnen vom Besuch dieser Bundesfeier in Erinnerung geblieben?

Baumann: Das Feuerwerk. Das war jener Programmpunkt, der mir am meisten Eindruck gemacht hat. Wie gesagt, ich war damals noch ein Kind.

Hand aufs Herz: Wie oft hat man Sie an Bundesfeiern angetroffen, bevor Sie Präsident des Verkehrsvereins Bischofszell waren?

Baumann: Eher selten, muss ich gestehen. Ich war kein regelmässiger Teilnehmer. Allerdings habe ich den Geburtstag der Eidgenossenschaft dafür oft im privaten Kreis gefeiert.

Ist es denn wichtig, den Geburtstag des Heimatlandes zu feiern?

Baumann: Ich halte mich für keinen ausgesprochen patriotischen Menschen, bin aber doch der Meinung, dass man sich einmal im Jahr Zeit nehmen sollte, sich der eigenen Wurzeln zu besinnen. So betrachtet hat für mich der 1. August als nationaler Feiertag auch heute noch eine Daseinsberechtigung.

An Bundesfeiern sieht man vor allem Senioren und Eltern mit Kindern, während die mittlere Generation weniger zahlreich vertreten ist.

Baumann: Ich kann diesen Eindruck teilweise bestätigen. Dieses Phänomen ist auch ein Grund, weshalb wir in Bischofszell am Nationalfeiertag den Brunch eingeführt haben. Dieser Anlass ist geeignet, mehr Leute anzusprechen, und ich darf sagen, dass dieses Angebot in der Bevölkerung Anklang findet.

Wer hat das Programm für die diesjährige Bischofszeller Bundesfeier zusammengestellt?

Baumann: Das haben Stadtrat Erich Schildknecht und ich gemacht. Für den Brunch vor der offiziellen Feier ist Franz Jegerlehner vom Verkehrsverein Bischofszell zuständig. Die Vorbereitungen beginnen jeweils drei Monate vorher. Das reicht, denn seit einigen Jahren gibt es für die Bundesfeier ein Konzept, an dem wir uns orientieren können. Der Aufwand ist deshalb nicht mehr so gross.

Worauf wird speziell Wert gelegt? Was sind unverzichtbare Elemente einer Bundesfeier?

Baumann: Wir achten darauf, dass es immer einen gemütlichen und einen offiziellen Teil gibt. Fixer Bestandteil ist auch die musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

Wann betrachten Sie eine Bundesfeier als gelungen?

Baumann: Wenn ich merke, dass die Leute friedlich und gemütlich zusammensitzen. Natürlich spielen auch die Teilnehmerzahl und das Wetter eine Rolle. Wir rechnen diesmal mit rund 150 Besuchern. Sollte das Wetter am 1. August schlecht sein, haben wir die Möglichkeit, in die Bitzihalle auszuweichen.

Die Bischofszeller Bundesfeier findet schon seit einigen Jahren nicht mehr abends, sondern um die Mittagszeit statt. Weshalb ist das so?

Baumann: Wir haben festgestellt, dass Abendveranstaltungen heute nicht mehr so gefragt sind. Zudem ist es um einiges schwieriger, für einen Abendeinsatz genügend Helfer zu finden.

Der neue Zeitpunkt hat aber zur Folge, dass es keinen Funken gibt. Eine grosse Attraktion, besonders für die Kinder, geht so verloren.

Baumann: Das ist richtig, aber man darf dabei auch nicht unerwähnt lassen, dass es immer schwieriger geworden ist, geeignetes Holz für den Funken aufzutreiben. Wer auf den Funken nicht verzichten will, kann sich am Abend nach Schweizersholz begeben. Der dortige Dorfverein pflegt diesen Brauch weiterhin.

Apropos Vorverlegung: Was halten Sie davon, den Geburtstag der Eidgenossenschaft schon am 31. Juli zu feiern, wie es in einigen Gemeinden inzwischen geschieht?

Baumann: Davon halte ich nichts. Der 1. August ist einer der wenigen Feiertage, bei dem praktisch alle wissen, weshalb er begangen wird. Bei uns war eine Vorverlegung der Bundesfeier auf den 31. Juli nie ein Thema.

Früher fand die Bundesfeier alternierend in Bischofszell, Halden und Schweizersholz statt. Weshalb ist das nicht mehr so?

Baumann: Dieser Turnus war ein Beschluss des Stadtrates, doch inzwischen wollen die beiden Dörfer aus verschiedenen Gründen nicht mehr mitmachen. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass wir bei der Organisation der Bundesfeier in Zukunft mit Bischofszeller Quartiervereinen zusammenarbeiten.

Ein zentraler Punkt jeder Bundesfeier ist die Festansprache. Weshalb hält diese heuer der neue Stadtpräsident Thomas Weingart?

Baumann: Das ist keine willkürliche Entscheidung. In einem Wahljahr wird diese Ehre immer dem wiedergewählten respektive dem neugewählten Stadtoberhaupt zuteil. Es wird eine der ersten öffentlichen Reden sein, die Thomas Weingart in Bischofszell hält. Als Organisatoren der Bundesfeier bieten wir ihm diese Plattform gerne.

Was erwarten Sie persönlich von einer Rede zum 1. August?

Baumann: Ich wünsche mir eine geistreiche, erfrischende Ansprache, welche die Zuhörer auch aufrütteln darf. Ich bin kein Freund von Reden, in denen moralische Belehrungen dominieren und der mahnende Zeigefinger allzu oft in Aktion tritt.

Bundesfeiern sind sehr traditionsverhaftet und gleiten bisweilen in ein Pathos ab, das nicht mehr so recht in unsere Zeit passen will. Würde es Sie nicht reizen, in Bischofszell einmal etwas ganz anderes auf die Beine zu stellen?

Baumann: Das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Gerade in Bezug auf die musikalische Umrahmung gäbe es Alternativen, wobei die Musik natürlich schon zum Anlass passen sollte. Wir wagen heuer den Versuch mit der Blaskapelle Fihuspa. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten. Die Besucher sollen sich überraschen lassen. Auch bei der Auswahl der Redner wäre eine Abwechslung sinnvoll. Es müssen nicht immer Politiker sein, die am Nationalfeiertag das Wort ergreifen.