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Denkmalpflege wehrt sich

ROMANSHORN. Ein Umbau des Massivlagerhauses sei schwierig, weil es integral geschützt sei, kritisierten Immobilienfachleute gestern in der Thurgauer Zeitung. Sie hätten immer Hand zu Lösungen geboten, sagt Denkmalpflegerin Bettina Hedinger.
«Das Massivlagerhaus ist einzigartig im Thurgau», sagt Denkmalpflegerin Bettina Hedinger. (Archivbild: Nana do Carmo)

«Das Massivlagerhaus ist einzigartig im Thurgau», sagt Denkmalpflegerin Bettina Hedinger. (Archivbild: Nana do Carmo)

Frau Hedinger, wie ist der Schutzstatus des Massivlagerhauses?

Bettina Hedinger: Das Massivlagerhaus in Romanshorn ist seit 2001 eigentümerverbindlich geschützt. Der Schutz erstreckt sich gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz des Kantons Thurgau auf die äussere Hülle, die kulturgeschichtlich relevante Innenstruktur und Ausstattung sowie auf die Umgebung. Die Liegenschaft befindet sich im Kerngebiet von Romanshorn, dessen Ortsbild vor allem wegen der Bebauung des Hafengebiets von nationaler Bedeutung ist. Das Gebäude ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz namentlich und mit dem höchsten Erhaltungsziel aufgeführt.

Und was heisst das?

Hedinger: Dies bedeutet, dass bei baulichen Veränderungen hohe Sorgfalt und Rücksichtnahme auf das Denkmal geboten ist.

Welche Bedeutung hat das Massivlagerhaus aus denkmalpflegerischer Sicht?

Hedinger: Das Massivlagerhaus gehört zu den wichtigsten Bauten von Romanshorn und ist im Kanton Thurgau einzigartig. Seine Erscheinung und seine Plazierung sind für das Bild des Hafens prägend. Schweizweit gibt es nur wenige ähnliche Bauten. Vergleichbare Bauten finden sich in den grossen nationalen und internationalen Häfen wie Basel, Hamburg oder Rotterdam.

Wie ist der Zustand des Massivlagerhauses?

Hedinger: Die letzte Begehung des Gebäudes unsererseits liegt wenige Jahre zurück. Damals konnten keine Schäden an der Bausubstanz festgestellt werden. Unseres Erachtens ist der bauliche Zustand gut.

Was ist an baulichen Eingriffen zulässig? Offenbar soll es beispielsweise nicht möglich sein, das Dach zu verglasen, um mehr Licht ins Innere zu bringen.

Hedinger: Die grosse kompakte Kubatur stellt für jeden Architekten im Hinblick auf eine Umnutzung des Volumens eine grosse Herausforderung dar. Die Liegenschaft hat eine zum Hafen orientierte Hauptansichtsseite. Hier sind Eingriffe heikler als auf der vom Hafen abgewandten Südseite. Verschiedene Möglichkeiten der Lichtzufuhr in die Gebäudemitte, dazu gehören auch partielle Verglasungen der Dachflächen, wurden von Bauherren und Planern mit dem Amt für Denkmalpflege diskutiert. Dabei konnten denkmalverträgliche Lösungen aufgezeigt werden.

Es gab in den letzten Jahren verschiedene Projekte, von denen keines realisiert wurde. Trägt die Denkmalpflege eine Mitschuld, weil sie hohe Auflagen machte?

Hedinger: Im Jahr 2003 wurde ein in Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege entwickeltes Projekt einer Umnutzung des Massivlagerhauses von der Gemeinde Romanshorn bewilligt. Dieses wurde aber nicht realisiert. Seither wurden wir von verschiedenen Interessenten kontaktiert. Die unterbreiteten Projektideen wurden gemeinsam lösungsorientiert besprochen. Weshalb es anschliessend nicht zu einer Baueingabe kam, entzieht sich unserer Kenntnis.

Es lag nicht an der Denkmalpflege?

Hedinger: Das Amt für Denkmalpflege ist bei Umnutzungsvorhaben gerne gesprächsbereit. Es ist uns wichtig, dass ein leerstehendes Denkmal in angemessener Weise wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden kann.

Wie gross ist der Handlungsspielraum der Denkmalpflege?

Hedinger: Das Amt für Denkmalpflege arbeitet eng mit der Bauverwaltung Romanshorn zusammen. Bei solch wichtigen Bauten ist eine frühzeitige Kontaktnahme der Bauherrschaft oder des Architekten mit unserem Amt und der Bauverwaltung empfehlenswert. Im Gespräch zu dritt können frühzeitig, das heisst in der Projektierungsphase, alle Fragen bereinigt werden. Das anschliessende Baubewilligungsverfahren kann danach punkto Denkmalpflege reibungslos verlaufen.

Funktioniert die Theorie in der Praxis?

Hedinger: Es konnten in jüngster Vergangenheit in Romanshorn grosse Umnutzungsprojekte von Denkmälern ohne Schwierigkeiten realisiert werden.

Welche?

Hedinger: Zwei Beispiele sind die Umnutzung der ehemaligen Alkoholverwaltung zum autobau und der Umbau der ehemaligen Transitpost durch die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich eine Bauherrschaft der Verantwortung gegenüber des Denkmals bewusst ist und für sein Projekt einen erfahrenen Architekten beizieht.

Interview: Markus Schoch

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