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Den Teufelskreis durchbrechen

Romanshorn ist erstarrt in der Erinnerung an die guten alten Zeiten und der Erwartung einer goldenen Zukunft. Vor einem Jahr sagten die Stimmbürger Nein zu einem neuen Gemeindesaal am Wasser, im November sagten sie Nein zu einer Wohnüberbauung ein paar Meter daneben.
Markus Schoch

Romanshorn ist erstarrt in der Erinnerung an die guten alten Zeiten und der Erwartung einer goldenen Zukunft. Vor einem Jahr sagten die Stimmbürger Nein zu einem neuen Gemeindesaal am Wasser, im November sagten sie Nein zu einer Wohnüberbauung ein paar Meter daneben. Und die Gefahr ist gross, dass sie am Sonntag auch Nein zu Mietwohnungen, Gewerberäumlichkeiten und einem unterirdischen Parkhaus auf dem gemeindeeigenen Bodanareal auf der anderen Seite der Gleise sagen. Damit wären alle drei grossen Bauprojekte der letzten Jahre im Hafenareal vom Tisch.

In diesem Fall müsste die Planung ganz bei Null beginnen. Genau einen solchen Neuanfang wünschen sich die Gegner der Vorlage vom 17. Juni. Ihrer Meinung nach ist eigentlich alles falsch gelaufen, was falsch laufen kann. Der Gemeinderat habe zuerst über die Köpfe der Bevölkerung hinweg einen Investorenwettbewerb fürs Bodanareal ausgeschrieben auf der Grundlage eines veralteten Gestaltungsplans. Dann sei ihm die an sich gute Idee gekommen, einen Stadtentwickler anzustellen, wozu die Stimmbürger im letzten Winter denn auch grünes Licht gaben. Doch statt den Investorenwettbewerb zu stoppen und den Stadtentwickler von Grund auf im Dialog mit den Stimmbürgern eine ganzheitliche bauliche Vision von Romanshorn entwerfen zu lassen, habe die Behörde an ihrer ursprünglichen Strategie fürs Bodanareal festgehalten: Land und Liegenschaft der Firma Allreal verkaufen. Für die Kritiker ist es eine Dummheit sondergleichen, das Schlüsselgrundstück am Hafen aus der Hand zu geben, bevor der Stadtentwickler seine Arbeit aufgenommen hat. Sie sind jedoch nicht nur wegen des Vorgehens so aufgebracht, sondern auch wegen des zur Diskussion stehenden Projektes des Generalunternehmers: Es sei langweilig, belebe das Zentrum nicht, schaffe keine Verbindung zum Hafen und bringe Romanshorn nicht den kleinsten Schritt weiter, kritisieren sie. Sie fordern den Bau eines multifunktionellen Gebäudes, das in jeder Beziehung überragend sein soll. Am liebsten wäre ihnen ein Hochhaus, das sie als neuen Leuchtturm von Romanshorn sehen.

Die Vorwürfe sind teilweise schwer nachvollziehbar. Dem Gemeinderat vorzuhalten, er sei mit dem Investorenwettbewerb eigenmächtig vorgegangen, mutet seltsam an. Die Regierung von Romanshorn hat genau das gemacht, was die Stimmbürger von ihr erwarten dürfen. Ihre Aufgabe ist es, Romanshorn zu führen, Ideen zu entwickeln und Vorlagen vorzubereiten. Wer fordert, die Bevölkerung müsse von Anfang an mitreden können, stellt die Abläufe in der Politik auf den Kopf. Die Bevölkerung hat das letzte Wort, und nicht das erste. Wenn die Bevölkerung findet, der Gemeinderat mache seine Arbeit schlecht, muss sie einen neuen wählen. Das Problem in Romanshorn ist: Die Bevölkerung hat zuletzt wiederholt ihre Unzufriedenheit mit dem Gemeinderat ausgedrückt, hat ihn aber im letzten Jahr mit Ausnahme des Gemeindeammanns im Amt bestätigt. Dafür kann der Gemeinderat nichts, macht aber vieles kompliziert.

Recht haben die Gegner der Vorlage mit ihrer Kritik an der Allreal-Überbauung: Das Leben in Romanshorn wird ihretwegen nicht plötzlich pulsieren, sie bringt das Zentrum nicht näher ans Wasser und sie ist architektonisch nicht extravagant, sondern passt sich in die Umgebung ein.

Das alles ist aber kein Grund, das Projekt abzulehnen. Denn es gibt keine Alternative. Auf der Basis des heutigen Gestaltungsplans lassen sich die hochfliegenden Träume der Gegner nicht verwirklichen. Das Allreal-Projekt ist das Beste, was unter den gegebenen Voraussetzungen heute gebaut werden kann. Zu diesem Schluss ist jedenfalls die Fachjury des Investorenwettbewerbs gekommen, und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln.

Selbstverständlich könnte der Gestaltungsplan geändert werden, so dass möglich wird, was heute baurechtlich aus dem Rahmen fällt. Doch das braucht Zeit, die Romanshorn nicht hat. Möglicherweise müsste sogar der Zonenplan angepasst werden. Genau sagen lässt sich das im Moment nicht. Denn das kantonale Planungs- und Baugesetz (PBG), das entsprechende Vorschriften macht, ist revidiert worden. Ob die neuen Bestimmungen tatsächlich in Kraft treten, wird sich am kommenden Wochenende weisen: Das PBG kommt dann zur Abstimmung.

Eines ist aber schon jetzt klar: In zwei oder drei Jahren werden die Romanshorner nie und nimmer über ein neues Projekt auf dem Bodanareal befinden können, selbst wenn das PBG angenommen werden sollte. Denn gerade im Bereich der Gestaltungspläne räumt es der Bevölkerung mehr Mitspracherechte ein. Zeit rauben würde aber vor allem die Diskussion, was auf dem Bodanareal passieren soll. Ein Hochhaus an dieser Stelle würde mit Bestimmtheit viel und vor allem lange zu reden geben. Doch zuerst einmal müsste der Stadtentwickler, dessen Stelle noch nicht einmal ausgeschrieben ist, ein Gesamtkonzept für Romanshorn ausarbeiten, so wie es die Gegner der Bodan-Vorlage verlangen.

Vielleicht liegt am Schluss des weiten und steinigen Weges ein viel besserer Vorschlag vor, vielleicht aber auch nicht. Sicher ist, dass Romanshorn in dieser Zeit wieder ein bisschen mehr den Anschluss an die Entwicklung in den umliegenden Städten verliert, was die Erwartungen an eine Überbauung auf dem Bodanareal noch grösser werden lässt. Sie zu erfüllen, würde immer schwieriger. Die Chancen eines nächsten Projektes an der Urne nach einem Nein am Sonntag sinken im gleichen Ausmass, wie die Hoffnungen auf den erlösenden Befreiungsschlag wachsen. Es ist ein Teufelskreis.

Romanshorn muss sich von der fixen Idee lösen, dass sich sein Schicksal auf dem Bodanareal entscheidet. Es ist ein zentrales Grundstück, aber nicht das einzig wichtige. Die Allreal-Überbauung könnte ein erster Schritt in die Zukunft sein, dem weitere folgen müssten. Der Stadtentwickler wird die nächsten Etappen planen. Zu tun gibt es noch viel.

Ganz neue Perspektiven würden sich dem Stadtentwickler und Romanshorn vor allem mit einem neuen dreigeschossigen Parkhaus auf dem Bodanareal eröffnen. Es ist zwar teuer, schafft aber am Hafen für neues Leben Platz, der heute von Autos besetzt ist. Die Tiefgarage könnte Romanshorn entscheidend vorwärts bringen. Die Pläne des Gemeinderates haben deshalb ein Ja verdient.

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