Den Mühlebach in Schranken weisen

Mit einem Entlastungskorridor und einem Retentionsbecken soll die Überschwemmungsgefahr im Raum Vorland eingedämmt werden. Die Abklärungen sind erfolgt, ein Projekt soll voraussichtlich im September öffentlich aufgelegt werden.

Rita Kohn
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Der an sich harmlose Mühlebach tritt bei starkem Regen immer wieder über die Ufer und überschwemmt die angrenzenden Liegenschaften. (Bild: Rita Kohn)

Der an sich harmlose Mühlebach tritt bei starkem Regen immer wieder über die Ufer und überschwemmt die angrenzenden Liegenschaften. (Bild: Rita Kohn)

Immer mal wieder verlässt der Mühlebach bei starkem Regen im Gebiet Vorland sein Bett. Mehrere Liegenschaften in diesem Gebiet sind regelmässig mit Überschwemmungen konfrontiert, die immer mal wieder ein grösseres Ausmass annehmen. «Auf Dauer ist das den Betroffenen nicht zumutbar», stellt Bauverwalter Manfred Wagner fest. Deshalb habe man sich intensiv mit dem Thema Hochwasserschutz für dieses Gebiet auseinandergesetzt. Entstanden ist ein Konzept, das nachhaltige Entspannung bringen soll.

Entlastungskorridor bauen

Zunächst einmal soll der Mühlebach selber im betroffenen Gebiet in seine Schranken gewiesen werden. Dies soll mit einer gegen Norden leicht erhöhten Uferzone erreicht werden. Südlich des Mühlebachs soll auf einem Teilstück ein Entlastungskorridor gebaut werden, der bei zunehmenden Wassermassen einen Teil der Flut aufnehmen und nach der heiklen Zone wieder in den Bach zurückleiten soll. Zu sehen sein wird dieser Entlastungskorridor kaum.

«Man wird von blossem Auge höchstens eine leichte Erhebung im Gelände ausmachen können», versichert Manfred Wagner. Der Bewirtschaftung der entsprechenden Landfläche stehe damit nichts im Wege.

Wanderweg verlegen

Im Zusammenhang mit diesem Entlastungskorridor soll der bestehende Wanderweg, der nun südlich des Mühlebachs über die Wiese verläuft, direkt ans Bachufer verlegt werden.

Dies hätte den Vorteil, dass die Bewirtschaftung des Landes nicht durch den Weg gestört würde und die Unterhaltsarbeiten beim Mühlebach durch den Weg erleichtert würden. «Damit könnten wir Synergien nutzen», ist Manfred Wagner überzeugt. Zudem ist der Weg entlang des Baches reizvoller als jener, der quer über das Gelände führt. Allerdings müssten die entsprechenden Verhandlungen noch geführt werden, schränkt Manfred Wagner ein.

Die betroffenen Grundeigentümer seien zwar vorinformiert worden, doch detaillierte Verhandlungen wurden noch keine geführt. Manfred Wagner geht davon aus, dass das Vorhaben bei den Betroffenen auf offene Ohren stösst, können doch von der neuen Situation alle Beteiligten profitieren.

Bereits im Herbst

Nachdem das Hochwasserschutzkonzept nun vorliegt und im Stadtrat behandelt werden kann, wird die öffentliche Auflage des Vorhabens voraussichtlich im September stattfinden.

Gibt es keine Einwände, so sollen die ersten Arbeiten bereits in diesem Herbst und Winter erfolgen. «Um möglichst ökologisch vorzugehen, müssen die Arbeiten am Bachufer in der Vegetationspause erfolgen», so Wagner. Können die Arbeiten nicht diesen Winter ausgeführt werden, wird sich deshalb die Umsetzung um mehrere Monate verzögern. Man sei jedoch auf gutem Weg, um die wünschbaren Fristen einhalten zu können.

Retentionsfläche schaffen

Doch nicht nur am Mühlebach selber soll es Veränderungen geben, sondern auch beim kleinen Weiher oberhalb der Obermühle. Dieser ist nämlich als natürliche Retentionsfläche für den Mühlebach gedacht. «Man kann nicht einfach einen Bach anders gestalten und ansonsten keine Massnahmen treffen», macht Manfred Wagner deutlich. Dies würde nur zu einer Verlagerung des Problems führen. Deshalb habe man nach Möglichkeiten gesucht, den Mühlebach in Spitzenzeiten zu entlasten.

Durch den Weiher in der Obermühle könne dies in einer sinnvollen Art geschehen. Das Gebiet um den Weiher steht unter Naturschutz. Deshalb soll es zu möglichst wenigen Eingriffen kommen. «Man kann die natürliche Topographie nutzen», sagt Manfred Wagner. So muss der natürliche Damm verstärkt werden, der das Wasser in einer Aue neben dem eigentlichen Weiher zurückhält und nur dosiert an den Mühlebach abgibt.

Damit ist der Bach selbst bei grösseren Ereignissen entlastet und verursacht in den tiefer gelegenen Gebieten keine Überschwemmung mehr.

Mit Eigentümer absprechen

Ob das Gebiet beim Weiher als Retentionsfläche genutzt werden kann, ist allerdings eine Frage der Zustimmung der betroffenen Grundeigentümer. «Der Weiher gehört einer Erbengemeinschaft und diese muss ihre Einwilligung geben.

» Als Ausgleich zur Nutzung des Weihers bietet die Stadt an, die Pflege des Naturschutzgebietes zu übernehmen und damit nicht nur die Retentionsfläche in gutem Zustand zu halten, sondern das Weihergebiet an sich.

Zwei Jahre gearbeitet

Da es sich beim Hochwasserschutz um ein äusserst komplexes Thema handelt, in das nebst der Stadt auch verschiedene kantonale Ämter involviert sind, war es eine grössere Aufgabe, das Konzept zu erstellen.

Sie hätten ein spezialisiertes Planungsbüro damit beauftragt, das mit den zuständigen Stellen beim Kanton zusammengearbeitet habe, erklärt der Bauverwalter. So hätten sie auch Gewissheit, dass eine nachhaltige und ökologisch vertretbare Lösung gefunden werden konnte. Rund zwei Jahre dauerte es insgesamt, bis der Stadtrat das Konzept auf dem Tisch liegen hatte.

Gemeinsam finanzieren

Die Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes dürfte um die 800 000 Franken kosten, wobei knapp die Hälfte davon subventioniert ist. «In die Kosten eingeschlossen sind aber auch Unterhaltsarbeiten, die anstehen, ob die Schutzmassnahmen nun umgesetzt werden oder nicht», relativiert Manfred Wagner.

Demnächst informieren

Nebst den Massnahmen südlich der Weinfelderstrasse sind auch solche nördlich davon vorgesehen. Da handle es sich allerdings vorwiegend um kleinere Korrekturen, so Wagner.

Sie seien von Anstössern auf unbefriedigende Situationen aufmerksam gemacht worden und hätten sich die Situation angesehen. Auch wenn es durch die Retention oberhalb der Obermühle, die auf ein Jahrhundert-Ereignis ausgelegt ist, zu einer Entlastung kommt, werden die Probleme nördlich der Weinfelderstrasse nicht einfach unter den Tisch gekehrt.

Wo nötig werde in absehbarer Zeit mit den betroffenen Eigentümern Kontakt aufgenommen, gewisse Arbeiten sind bereits geplant.