Den Königstitel zum Siebzigsten

UTTWIL. Er war schon Fünfzig, als er zufällig zum Schiesssport kam. Jetzt ist der Uttwiler Jürg Koller am Eidgenössischen Schützenfest im Wallis Schützenkönig geworden. Der 70-Jährige zeigte mehreren tausend Schützen den Meister.

Rudolf Steiner
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Jürg Koller erwies sich am Eidgenössischen Schützenfest als Treffsicherster mit der Ordonnanzwaffe. (Bild: Rudolf Steiner)

Jürg Koller erwies sich am Eidgenössischen Schützenfest als Treffsicherster mit der Ordonnanzwaffe. (Bild: Rudolf Steiner)

So ganz aus heiterem Himmel kam der grossartige Erfolg nicht. Denn obwohl Jürg Koller erst mit über 50 mit dem Schiesssport begann, hat er es bei seinen bisherigen drei Teilnahmen an Eidgenössischen Schützenfesten jedesmal in den Ausstich der besten hundert Schützen geschafft.

Karriere aus Langeweile

Dieses Jahr hat er beim Eidgenössischen Schützenfest in Raron/Visp seine noch junge Karriere sogar mit dem Titel des Schützenkönigs mit dem Ordonanzgewehr über 300 Meter gekrönt. Zum Schiesssport kam Jürg Koller über seinen Sohn Serge, der bei der Schiessgesellschaft Uttwil bei den Jungschützen mitmachte. «Weil er noch nicht alt genug war, um selber Auto zu fahren, habe ich ihn jeweils zu den Schiessanlässen gefahren», erzählt der rüstige Rentner, der vor sieben Wochen zum erstenmal Grossvater geworden ist. «Um mich während den Wartezeiten nicht zu langweilen, habe ich mich selber als Schütze versucht.» Dabei habe er erstaunlicherweise von Anfang an sehr gute Resultate erzielt. Vorbelastet vom Militär sei er nicht gewesen, denn wegen eines körperlichen Schadens habe er seinen Militärdienst nur bei den Hilfstruppen geleistet und gar keine Waffe getragen.

Bergsport als Leidenschaft

Kollers grosse Leidenschaft galt sowieso dem Bergsport, der seine ganze Freizeit in Anspruch nahm. So hat Jürg Koller, der seit Jahrzehnten Mitglied und Tourenleiter des SAC St. Gallen ist, nicht nur fast alle Viertausender der Schweiz, sondern mehrmals auch den Montblanc, mit 4810 Meter der höchste Berg Europas, und den Acongagua, mit 6962 Meter der höchste Berg Südamerikas, bestiegen. Das alpinistische Highlight sei jedoch die zweimonatige Himalaja-Expedition mit einem österreichischen Team Mitte der Achtzigerjahre gewesen. Den Gipfel des 8188 Meter hohen Cho Oyu, des sechsthöchsten Bergs der Welt, habe er jedoch nicht erreicht.

Beim Ausstich der Beste

Stattdessen hat er kurz nach seinem 70. Geburtstag am 3. Mai den Olymp der Schützen erfolgreich bestiegen. Mit seinem neuen Sturmgewehr 90 schoss er bei den Vorausscheidungen am Eidgenössischen Schützenfest so gut, dass er als einer der hundert Besten am 4. Juli zum Ausstich um den Königstitel kämpfen konnte. Als Fünftbester – mit 60 Schüssen erreichte er 568 Punkte – durfte er mit sieben Mitkonkurrenten zum Königsausstich antreten. In einem spannenden Wettkampf – nach jedem Durchgang schied der Schütze mit der schlechtesten Punktzahl aus – konnte er sich mit vier Punkten Vorsprung als Schützenkönig feiern lassen. Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: Bei den Schützen geht es nicht wie beim Tennis und Schwingen um grosse Geldbeträge oder wertvolle Lebendpreise. Zur Goldmedaille, dem Lorbeerkranz und der Wappenscheibe hat der neue Schützenkönig noch einen fünf Kilo schweren Walliser Raclettekäse bekommen. «Den werden wir dann an einer kleinen Feier in der Schiessgesellschaft Uttwil verbraten», sagt Jürg Koller.

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