Den Betrieb in Ruhe aufbauen

BISCHOFSZELL. Wenn die Bauarbeiten planmässig vorangehen, wird in gut einem Jahr das Haus am Städeli, ein Heim für demenzkranke Menschen, eröffnet. Inzwischen laufen erste Vorbereitungen, damit das Haus sich dann mit Leben füllt.

Claudia Gerrits
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Pflegerin Maya Yücel mit Frau Durrer: Desorientierte alte Menschen brauchen eine besondere Pflege und Betreuung. (Bild: Claudia Gerrits)

Pflegerin Maya Yücel mit Frau Durrer: Desorientierte alte Menschen brauchen eine besondere Pflege und Betreuung. (Bild: Claudia Gerrits)

Scheinbar teilnahmslos hat sich Olga Durrer (Name geändert) nach der Mittagsruhe von Pflegerin Maya Yücel aus dem Bett helfen lassen. Jetzt sitzt die 87jährige Frau auf der Bettkante, ihr Blick verliert sich im Irgendwo. Seit nunmehr zehn Jahren lebt Frau Durrer im Bischofszeller Alters- und Pflegeheim Sattelbogen. Sie hat Alzheimer. Maya Yücel hat sich vor sie hingesetzt, spricht sie freundlich an, fasst sie an den Händen, versucht in Augenkontakt zu kommen. Erst nach einer Weile wendet Olga Durrer ihren Blick der Pflegerin zu – fragend, aufmerksam.

«Frau Durrer, erinnern Sie sich, wie sie mit Ihren Freundinnen gerne lange Spaziergänge unternahmen.» Über das Gesicht der alten Frau huscht ein Lächeln, dann seufzt sie tief. «Ja, es ist schwer, dass Sie keine Spaziergänge mehr machen können», nimmt Maya Yücel den Faden auf.

Spezielle Ausbildung

Mitte März hat Maya Yücel gerade den ersten Teil einer berufsbegleitenden Ausbildung in Validation nach Naomi Feil abgeschlossen, einer ganzheitlichen Methode

der Kommunikation mit alten desorientierten Menschen, die verbale und nonverbale Techniken umfasst. Der Umgang mit demenzkranken, alten Menschen habe sie schon immer fasziniert, sagt die gelernte Fachfrau Gesundheit. Sie redet jedoch lieber von desorientiert als von dement. Dement – «de mente» – bedeute ja «ohne Seele, ohne Geist» und das stimme für die Betroffenen auf keinen Fall, macht Maya Yücel deutlich. Wenn das Haus am Städeli im Frühjahr 2011 den Betrieb aufnimmt, wird Maya Yücel dort arbeiten.

«Ich freue mich sehr auf mein neues Tätigkeitsfeld.»

Zwei Dutzend demenzkranke Menschen werden im Haus am Städeli in zwei Wohneinheiten ein Zuhause haben. Die Idee sei, mit einer Einheit zu beginnen, erklärt Eva Oberwiler, Leiterin Pflege und Betreuung im Alters- und Pflegeheim Sattelbogen. «Wir möchten den Betrieb in Ruhe aufbauen, es ist ein Prozess.»

Nicht für alle geeignet

Am Anfang werden etwa zehn an Demenz erkrankte Personen aus dem Alters- und Pflegeheim ins neue Haus umziehen. Bereits sind jedoch auch neue Anmeldungen vorhanden. Das «Städeli» mit seinem besonderen Wohn- und Betreuungsangebot sei jedoch nicht für alle betagten Personen mit Demenz der passende Platz, präzisiert Oberwiler. Für die erste Wohneinheit wird Pflegepersonal aus dem Alters- und Pflegeheim eingesetzt.

Dies sei möglich, weil nach jetzigem Stand geplant sei, im APH Sattelbogen die Bewohnerplätze in der Pflegeabteilung von bisher 48 auf 44 zu reduzieren, damit dort mehr Einzelzimmer zur Verfügung stünden, erläutert Oberwiler.

Einzig die Teamleitung im Haus am Städeli wird neu besetzt. Die neue Leiterin bzw. der neue Leiter soll zudem die vakante Stellvertretung der Leitung Pflege und Betreuung im «Sattelbogen» übernehmen.

Betreuung und Pflege in einem Rahmen wie im Haus am Städeli sei etwas personalintensiver als im Alters- und Pflegeheim, sagt Eva Oberwiler. Auf Stellenprozente will sie sich noch nicht festlegen. «Wir beginnen erst mit der Feinplanung.» Neues Pflegepersonal wird voraussichtlich erst für die zweite Wohneinheit nötig sein.

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