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DEBATTE UM SCHWIMMUNTERRICHT: Kreuzlinger Imam: "Dieser Fall ist absurd und erschreckend"

Rehan Neziri ist Imam der albanisch-islamischen Gemeinschaft in Kreuzlingen. Er wird von der Schulgemeinde als Berater hinzugezogen, wenn es um Fragen zum Islam geht. Für die Verweigerung des Schwimmunterrichts hat er kein Verständnis.
Imam Rehan Neziri hat für die Verweigerung des Schwimmunterrichts kein Verständnis. (Bild: Nana da Carmo)

Imam Rehan Neziri hat für die Verweigerung des Schwimmunterrichts kein Verständnis. (Bild: Nana da Carmo)

Herr Neziri, gibt es oft Unstimmigkeiten zwischen den Schulregeln und den Regeln des Korans?

Eigentlich nicht. Das Kopftuch ist ein Thema, aber das ist in der Schule in Kreuzlingen erlaubt, für den Schwimmunterricht gibt es den Burkini, und bei Lagern wird der Speiseplan überprüft.

Mussten Sie schon öfters als Berater oder Vermittler agieren?

Nicht so oft. In meinen 14 Jahren gab es insgesamt zwei bis drei Vorfälle.

Worum ging es dabei?

Einmal war es wegen des Schwimmunterrichts und einmal wegen der Fasnacht. Die Eltern wollten nicht, dass ihr Kind an der Fasnacht mitmacht, weil es ein heidnischer Brauch sei. Ich habe aber gesagt, dass die Fasnacht kein religiöses, sondern heutzutage ein kulturelles Fest sei. Danach durfte das Kind an der Fasnacht mitmachen.

Wie stehen Sie zum Schwimmunterricht?

Schwimmunterricht ist ein Bestandteil des gesamten Unterrichts. Prophet Mohammed hat sogar selbst klar und deutlich gesagt, dass die Eltern ihren Kindern Lesen und Schreiben, das Schwimmen, das Reiten von Tieren und das Speer- und Bogenschiessen beibringen sollen.

Warum gibt es trotzdem Probleme mit dem Schwimmunterricht?

Die Kleidervorschriften stehen im Gegensatz zur Schwimm­bekleidung. Aber Kinder sind erst ab der Pubertät verpflichtet, sich an die islamischen Kleidervorschriften zu halten.

Ist der Schwimmunterricht Thema in Ihrer Gemeinde?

Eigentlich nicht. Ich wurde erst einmal direkt von einem Vater darauf angesprochen. Wir betrachten den Schwimmunterricht als normal – er gehört dazu.

Was sagen Sie zur Haltung der Schule? Schränkt sie die Religionsfreiheit ein?

Nein. Im Gegenteil, die Schule ist sehr bemüht. Die Lehrer und die Behörden möchten die Sachen immer vor Ort lösen. Ich schätze auch sehr, dass sie mir das Vertrauen als Vermittler schenken.

Was sagen Sie zu dem aktuellen Fall aus Kreuzlingen, wo es um eine väterliche Verweigerung des Schwimmunterrichts geht?

Die Eltern sind nicht Mitglieder unserer Gemeinde, und ich persönlich finde, dass dieser Fall sehr traurig ist. Es ist absurd und erschreckend, dass diese Menschen auf der einen Seite Sozialhilfe beziehen und auf der anderen Seite behaupten: «Wenn ich die Gesetze der Schule oder der Schweiz befolge, dann komme ich in die Hölle; wenn ich diesen Gesetzen aber widerspreche, dann komme ich ins Paradies.» Diese Aussage widerspricht dem Islam und dem gesunden Menschenverstand. Es ist sehr schade, dass keine Lösung gefunden werden konnte. (sba)

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