Das Warten hat sich gelohnt

Die Initiative für einen autofreien Boulevard und der stadträtliche Vorschlag für ein neues Verkehrsregime auf der Hauptstrasse sind hinfällig. Die Vertreter der Interessengruppen haben sich am runden Tisch auf zwei Einbahnregelungen und ein Fahrverbot geeinigt.

Martina Eggenberger Lenz
Merken
Drucken
Teilen
Haben sich geeinigt: Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, Patrick Wiget, Gewerbe Kreuzlingen, Patrick Allemann, Quartierverein Bodan, Jost Rüegg vom Initiativkomitee und Stadtammann Andreas Netzle. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Haben sich geeinigt: Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, Patrick Wiget, Gewerbe Kreuzlingen, Patrick Allemann, Quartierverein Bodan, Jost Rüegg vom Initiativkomitee und Stadtammann Andreas Netzle. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

KREUZLINGEN. Nun können nur noch Einsprachen oder der Praxistest der Konsens-Lösung für das Verkehrsproblem am Boulevard ein Bein stellen. Der Vorschlag, den die Vertreter des Initiativkomitees für einen autofreien Boulevard, des Gewerbes, des Quartiervereins Bodan und der Stadt zusammen ausgearbeitet haben, liegt auf dem Tisch. Gewerbevertreter Patrick Wiget spricht dabei von einer «fast perfekten Lösung». Und Patrick Allemann, dessen Quartierverein bei der Ausarbeitung federführend war, sagt: «Der Vorschlag deckt viele Bedürfnisse ab.»

Keine Verlagerung ins Quartier

Das vorgesehene Verkehrsregime kommt mit sechs neuen Verkehrsschildern aus. Der kurze Abschnitt Helvetiaplatz bis Blue ist von Norden her nicht mehr befahrbar. Das Stück Schützenstrasse zwischen Karussell und Hauptstrasse wird Fahrverbot, und ebenfalls einen Einbahn-Riegel gibt es an der Schützenstrasse Höhe Coop-Tankstelle Richtung Boulevard. Diese wenigen Massnahmen werden laut Modellrechnungen zur Folge haben, dass sich der Verkehr auf dem Boulevard im untersten Teil halbiert, im oberen Teil zwischen 30 und 40 Prozent abnimmt. Dies ginge nicht zu Lasten der umliegenden Quartierstrassen, sondern der Verkehr würde primär auf die Chance Nord verlagert.

Der Verkehr, der aus Richtung Konstanz ins Kreuzlinger Zentrum will, läuft gemäss Modell über die Gutenberg-, Schützen- und Nationalstrasse. Mehrverkehr ist auf der Löwenstrasse zu erwarten, aber auch auf der Konstanzerstrasse.

Boulevard beidseitig befahrbar

«Vom Strassenausbau sind diese Verlagerungen möglich», sagt Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau der Stadt Kreuzlingen. Der Quartierverein Emmishofen sei konsultiert worden und grundsätzlich mit dem Vorschlag einverstanden, erklärt Stadtammann Andreas Netzle. Auf dem Boulevard selbst ändert sich also mit der neuen Lösung nicht viel – ausser, dass weniger Autos passieren sollen. Die Hauptstrasse wird nach wie vor bei Tempo 20 mit Gegenverkehr geführt, die Kunden haben Zufahrt zu allen Geschäften. Doch obwohl der Boulevard alles andere als autofrei sein wird, stimmen auch die Initianten dem Vorschlag zu. Jost Rüegg vom Initiativkomitee betont, dass immerhin eine kleine Fussgängerzone vor dem Karussell entstünde. «Uns ging es um den Konsens.» Dass das Initiativkomitee den ebenso weit reichenden stadträtlichen Vorschlag abgelehnt hatte, mit der vorliegenden Lösung nun aber zufrieden ist, begründet Rüegg so: «Der stadträtliche Vorschlag war schlecht. Er hat niemandem gepasst.»

Bekämpft hatte diesen insbesondere der Quartierverein. «Wir sahen uns also im Zugzwang, bei einer neuen Lösung mitzuarbeiten», sagt Patrick Allemann. Von Anfang an habe ihn zuversichtlich gestimmt, dass die Meinungen und Ansichten aller Beteiligten «gar nicht so weit auseinander lagen».

Erst Kundenfrequenzen steigern

Dies bestätigt Patrick Wiget. Er betont, dass die Entwicklung im Zentrum mit diesem Verkehrsregime noch nicht beendet sei. Er sieht den Vorschlag als Übergangsphase. «Das Fernziel ist auch für uns ein autofreier Boulevard.» Nur müssten eben vorher die Kundenfrequenzen stark gesteigert werden können, um diesen Weg zu ebnen. Der Arbeitsprozess des runden Tisches ist deshalb auch noch nicht abgeschlossen. In einem nächsten Schritt überlegen sich die Beteiligten, wie die Attraktivität des Boulevards weiter gesteigert werden kann. Nächste Sitzungen werden demnächst terminiert.

Für den Lösungsvorschlag haben alle Beteiligten ihre Unterschrift gegeben. Die öffentliche Auflage für einen einjährigen Versuch wird nun vorbereitet. Das Initiativkomitee hat gemäss Jost Rüegg die Initiative noch nicht zurückgezogen, will einen entsprechenden Beschluss aber demnächst fassen. Wird das vorgeschlagene Verkehrsregime wegen Einsprachen oder aus anderen, nicht vorhersehbaren Gründen am Ende doch noch gebodigt, steht das Initiativkomitee am Ende mit leeren Händen da. «Das wäre dann aber nicht nur für uns ein Frust, sondern für alle Beteiligten», betont Rüegg.