«Das Volk will keine Stelen»

AMRISWIL. Die Diskussion um die Kunst in den beiden Zentrums-Kreiseln sei zu einem Flächenbrand geworden, sagt Ruedi Elsener. Er plant mit Jean-Louis Müller und Marcel Monod, eine Initiative zu lancieren. Die Stadt sucht das offene Gespräch.

Rita Kohn
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Diskutieren über Kreiselgestaltung: Künstlerwitwe Pia Spoerlé, Petent Jean-Louis Müller, Ruedi Elsener vom künftigen Initiativkomitee, Petentin Madeleine Monod, Stadträtin Madeleine Rickenbach und der Amriswiler Kulturbeauftragte Andreas Müller. (Bild: Rita Kohn)

Diskutieren über Kreiselgestaltung: Künstlerwitwe Pia Spoerlé, Petent Jean-Louis Müller, Ruedi Elsener vom künftigen Initiativkomitee, Petentin Madeleine Monod, Stadträtin Madeleine Rickenbach und der Amriswiler Kulturbeauftragte Andreas Müller. (Bild: Rita Kohn)

Er wolle keine Verhältnisse wie in umliegenden Gemeinden, sagt Ruedi Elsener. Der Amriswiler ist zum Kreise jener gestossen, die sich gegen die von der Stadt geplante Kreiselgestaltung Alleestrasse und Pentorama auflehnen. Die Diskussion sei zu einem Flächenbrand geworden. «Ich habe gemerkt, dass in Amriswil die schlechte Stimmung zunimmt. Es ist gewaltig, was die Kreiselgestaltung lokalpolitisch ausgelöst hat.»

So sieht es auch Jean-Louis Müller, der zusammen mit Marcel Monod jene Petition lanciert hatte, bei der in kurzer Zeit 188 Unterschriften zusammengekommen sind und die fordert, die Spoerlé-Skulptur «Die Reisenden» statt der geplanten Stelen in den künftigen Pentorama-Kreisel zu plazieren. Für die Petition werden inzwischen keine Unterschriften mehr gesammelt, da eine Initiative in Vorbereitung ist. Die geplante Initiative befasst sich mit beiden Zentrums-Kreiseln, während es bei der Petition nur um den Pentorama-Kreisel gegangen ist.

Gespräch mit der Stadt

Inzwischen hat die Stadt das Gespräch mit der Gruppe gesucht. «Für mich ist es wichtig, offen miteinander zu reden», sagt Madeleine Rickenbach, die als neue Stadträtin seit Jahresbeginn für das Kulturressort zuständig ist. Sie weiss, dass ein steiniger Weg vor ihr liegt: «Wir haben noch keine Lösung bereit.» Vielleicht habe der Künstler Hanswalter Graf eine Idee, wie der Konflikt gütlich beigelegt werden könne. Am Freitag wird die Initiativ-Gruppe mit dem Künstler eine Aussprache haben.

Auf Bevölkerung hören

Ruedi Elsener hält der Stadt vor, nicht auf die Stimmung in der Bevölkerung zu hören. «Die Politiker und die Kommissionsmitglieder haben zu wenig mitbekommen, was hier läuft.» Das mag der Kulturbeauftragte der Stadt, Andreas Müller, so nicht im Raum stehen lassen: «Als der Entscheid für die Stelen gefällt wurde, konnte man gar nichts mitbekommen, weil die Sache damals noch nicht diskutiert wurde.»

Tatsächlich wurde die Bevölkerung Ende Oktober über den Entscheid von Stadtrat und Kulturkommission zugunsten der Stelen informiert. Es dauerte seine Zeit, bis die Petition lanciert wurde. Am 19. Dezember überreichten die Petitionäre der Kulturkommission die ersten 142 Unterschriften, kurze Zeit später wurden weitere 46 Unterschriften nachgereicht.

«Kämpfe gegen die Stelen»

Während sich Jean-Louis Müller und Ruedi Elsener sehr moderat, wenn auch in der Sache konsequent, geben, zeigt Madeleine Monod Emotionen. «Ich kämpfe gegen die Stelen und für die Stiere», gibt sie unumwunden zu.

Dass die Stiere im Kreisel Alleestrasse eine grosse Fangemeinde haben, wurde in den letzten Wochen spürbar. Ruedi Elsener sagt: «Wir wollen die Auseinandersetzung mit der Stadt nicht, wir wollen die Stiere.» Er schätze den Stadtrat sehr und wolle nicht, dass sich die anbahnende Unzufriedenheit negativ auswirke.

Grosses Echo ausgelöst

Die Ankündigung der Petitionäre, ihr Anliegen auf beide Kreisel auszuweiten und dazu eventuell eine Initiative zu lancieren, hat in Amriswil ein grosses Echo ausgelöst. Sie hätten viele Anrufe bekommen und seien auch auf der Strasse angesprochen worden, sagen die Beteiligten. «Wir alle sind in Vereinen verankert und erleben, wie die Leute da unser Anliegen unterstützen», bekräftigt Madeleine Monod.

Bevor die Initiative lanciert wird, werden die Initianten aber das Gespräch mit dem Künstler Hanswalter Graf führen. Er ist der geistige Vater der geplanten Stelen. «Es kann ja sein, dass der Künstler einen Vorschlag macht, der anstelle der Stelen etwas vorsieht, das zu den Amriswilern passt», sagt Ruedi Elsener. Dann wäre auch die Initiative hinfällig.

Hand für Kultur bieten

Madeleine Rickenbach erinnerte daran, dass Amriswil sich das Motto «Leben mit Kultur» auf die Fahne geschrieben hätte. Da sei es notwendig, auch eine Plattform für Kultur zu bieten. Die beiden Stelen würden alternierend alle zwei Jahre von einem Amriswiler Künstler neu gestaltet. Das käme auf rund 10 000 Franken pro Jahr zu stehen.