Das Vermächtnis von Max Burkhardt

Arbon diskutiert derzeit über die Zukunft des Hauses zur Sonnenblume. Die Stadt will die ihr vermachte Jugendstilvilla veräussern. Eine Interessengruppe strebt eine kulturelle Nutzung an. Max Burkhardts vielseitiges Schaffen ist eng mit dem Haus verbunden.

Hans Geisser
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Max Burkhardt Fotograf (Aufnahme um 1904) (Bild: Historisches Museum im Schloss Arbon)

Max Burkhardt Fotograf (Aufnahme um 1904) (Bild: Historisches Museum im Schloss Arbon)

ARBON. Nach der Schule macht der 1976 in Aarau geborene Max Burkhardt eine Lehre als Dekorationsmaler in Rapperswil. Dann studiert er an den Kunstgewerbeschulen Zürich und München. Dazwischen liegen Lehr- und Wanderjahre in Deutschland und Paris. Im Tagebuch schreibt Max vom Nebenerwerb als Velo-Fahrlehrer. 1903 zieht er als Malermeister nach Arbon und kauft eine Werkstatt an der Gerbergasse. Der Dekorations- und Flachmaler hat Aufträge von Fabrikanten. Er macht Reklameschilder, Theaterkulissen. Die Malereien in der Friedhofskapelle sind sein Werk. Nach der Heirat 1905 mit Klara Schwab baut er das Haus mit dem Atelier.

Wohnen im Musterhaus

Die Baupläne macht er dank seinen Studien auch in Technischem Zeichnen in München selber, ebenso entwirft er den Innenausbau. Für vier Ausstellungszimmer entwirft er die passenden Möbel. Mit dem Haus zeigt er der Kundschaft einen Querschnitt durch sein Angebot: Es ist Musterhaus und Dauerausstellung, aussen und innen. In Zeitungsinseraten macht er auf Fassadengestaltung, künstlerische Fassadenmalerei und gemalte Tapeten aufmerksam. Schon früh entdeckt der Vater dreier Kinder sein Talent für die noch junge Fototechnik. Er macht Porträts, fotografiert Personengruppen, macht Landschaftsaufnahmen, Industrie-Werbefotos. Er entwickelt neue Fototechniken. Hoteliers bestellen Tourismusprospekte. Aus dem eigenen Verlag liefert er ihnen noch Postkarten. Postkarten-Schreiben ist damals grosse Mode. Die Fotografie wird bald Haupterwerb.

Ein spezielles Steckenpferd Burkhardts ist das Erforschen von Tropfsteinhöhlen. Burkhardt stirbt 1957. Ein Wermutstropfen: Tausende Foto-Glasplatten – das sind damals die Negative – landen im Kehricht. Einen Nachruf in den beiden Lokalzeitungen sucht man vergeblich. Dabei ist er schon früh international bekannt. Er wird mit Auszeichnungen überhäuft.

Späte Ehren

Erst 50 Jahre nach dem Tod werden auch bekannte Museen auf ihn aufmerksam. In einer Sonderausstellung im Schweizerischen Fotoarchiv Winterthur ist Burkhardt prominent vertreten. Auf dem Ausstellungsplakat ist eine seiner Landschaften. Die gleiche Ausstellung wird auch im Museo d'arte del Ticino und im Landesmuseum gezeigt. Burkhardts grossformatige, in Passepartout gerahmte Werke dieser Ausstellungen sind in Besitz des Historischen Museums.