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Das textile Erbe lebt weiter

Die Brüder Andreas und Edy Greuter sorgen dafür, dass die Geschichte der lokalen Textilindustrie nicht in Vergessenheit gerät. Kürzlich gewährten sie 30 Besuchern einen Einblick diese Welt.
Hannelore Bruderer

Die vielen Nadeln bewegen sich gleichzeitig und schlaufen die feinen Fäden ineinander, die von oben in einem dichten Schleier Millimeter um Millimeter in die Maschine gezogen werden. Unten wächst ein zartes Gewebe, während die Wirkmaschine die Besucher mit ihrem rhythmischen Rattern fast hypnotisch anzieht. Andreas Greuter, Inhaber der Greuter Fashion AG, führt die Besucher durch sein «pro- duzierendes Museum», wie er es nennt. Der Maschinenpark im Gebäude am Bahnhofplatz 2 bietet einen einmaligen Einblick in ein Handwerk, das die Schweiz praktisch verlassen hat.

Die Textilien, die auf den Wirkmaschinen gefertigt wurden, sind vielfältig: von dekorativen Blusen- und Vorhangstoffen über speziell steife Einlagegewebe für Hüte bis hin zu besonders widerstandsfähigen Textilien für den Einsatz unter extremen Bedingungen. Die Maschinen der Greuter Fashion AG werden nicht nur ab und zu für Demonstrationszwecke angeworfen, An- dreas Greuter fertigt auch heute noch spezielle Textilien für seine Kunden an. So zum Beispiel ein netzartiges Gewebe, in das von Hand Wollfäden eingezogen werden und das so zu einem attraktiven Schal wird. Überrascht hätte ihn einmal auch ein Auftrag des Militärs, schmunzelt der 76-Jährige. «Verlangt wurden 30 000 Meter – dies zu einem Zeitpunkt, als ich eher an die Fertigung von einigen hundert Metern gewohnt war.» Die alten Wirk- und Spulmaschinen sind zuverlässig. Sie müssen bei längerem Gebrauch zwar gut geschmiert werden, Reparaturen gibt es jedoch selten.

Verlagerung ins Ausland und höhere Zölle

Die stattliche Liegenschaft beim Bahnhof wurde 1912 von der Stickerfamilie Burkhart erbaut. 1933 erwarb sie Edwin Greuter und gründete dort eine Wirkstofffabrik. «Meine Eltern brauchten viel Mut, um sich in den Jahren der Weltwirtschaftskrise selbstständig zu machen», betont Andreas Greuter. «Die Anfangs- und nachher die Kriegsjahre waren hart. In der Nachkriegszeit stieg der Bedarf an Textilien aber stark an und es ging bergauf.»

Nach dem Tod ihrer Eltern teilten die fünf Söhne das Erbe auf. Andreas Greuter übernahm die Wirkwarenfabrik, die er als Greuter Fashion AG führt, Edy Greuter gründete 1970 die Greuter Jersey AG. «Noch anfangs der 1990er Jahre waren wir voller Zuversicht, dass sich die Textil- branche in der Schweiz weiter entwickeln würde», erklärte Edy Greuter. «Das böse Erwachen kam aber bald. Die Konfektion verlagerte sich immer mehr ins Ausland. Dazu kamen die höheren Zölle nach dem EWR-Nein, die unsere Produkte nicht mehr rentabel machten.»

Hannelore Bruderer

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch

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