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Das Teigwaren-Haus

Ende August eröffnete die Familie Pasquale die Tore zum neuen, vergrösserten Clubrestaurant Campania an der Neustrasse 20. Nicht viele erinnern sich noch daran, dass sich vor vielen Jahren dort bereits schon einmal alles um Teigwaren gedreht hatte.
Monika Simmler
Früher und heute: Das Gebäude der ehemaligen Teigwarenfabrik Bertsch an der Neustrasse. (Bild: Christa Kamm-Sager)

Früher und heute: Das Gebäude der ehemaligen Teigwarenfabrik Bertsch an der Neustrasse. (Bild: Christa Kamm-Sager)

Kürzlich feierte der Club Campania die Erweiterung des Restaurants. «Es schliesst sich der Kreis. Im italienischen Restaurant gibt es nun wieder Pasta», meint Mirjam Bertsch dazu. Das Gebäude war vor Jahren einmal eine Teigwarenfabrik unter der Leitung von Karl Bertsch, Mirjam Bertschs Vater. Es ist immer noch im Besitz der Familie. Sie unterstützte das Vorhaben der Familie Pasquale, das Lagerhaus in ein Restaurant umzubauen.

«Es gibt Häuser, die immer Pech haben, es gibt Häuser, die normal sind, und es gibt Häuser, bei denen immer alles gut gelingt», meint Mirjam Bertsch. Das Familienhaus und Fabrikgebäude Hirschhalde, wie sie das Haus an der Neustrasse 20 nennen, gehört zur letzten Kategorie.

«Einst eine Bäckerei»

Mirjam Bertschs Grossvater hatte einst eine Bäckerei in Romanshorn. Da das Geschäft die Familie nicht genügend ernährte, hatte er eine Idee. «Er wollte am Morgen Brot backen und am Nachmittag Teigwaren herstellen», erzählt seine Enkelin heute. 1929 übernahmen dann seine beiden Söhne Albert und Karl Bertsch das Unternehmen. Zwischen 1935 und 1936 wurde die Fabrik abgerissen, um einer grösseren Anlage Platz zu machen. Da der Export italienischer Teigwaren damals vom Staat finanziell unterstützt wurde, waren sie laut Mirjam Bertsch einfach billiger.

«Es lastete ein grosser Preisdruck auf den inländischen Teigwarenherstellern.» So habe man, zusammen mit der Toggenburger Firma Morga, die Idee der Reformteigwaren entwickelt. «Karl Bertsch war der erste, der Soja- und Vollkornteigwaren produzierte. Damals wurden sie nur in Reformhäusern verkauft. Heute sind sie überall zu haben», erzählt Tochter Mirjam Bertsch. Damals sei das eine Möglichkeit gewesen, sich von den anderen Fabrikanten abheben zu können.

«Das war bitter für ihn»

1974 entschloss sich Karl Bertsch aus Altersgründen und wegen ungesicherter Nachfolge, seine Fabrik zu schliessen. «Mein Vater musste das seinen rund 20 Angestellten sagen. Das war bitter für ihn», erinnert sich Mirjam Bertsch.

Immerhin konnten die Angestellten direkt zu der Firma Hydrel wechseln und wurden so nicht arbeitslos. Da es damals 72 Teigwarenfabriken gegeben habe, hätte er ein Vorhaben von drei Fabrikanten unterstützt, welche ihre Fabriken zusammenschliessen wollten. Er gab ihnen das Rezept für die Reformteigwaren.

«Immer erfolgreicher»

Das Haus sei nach dem Ende der Produktion leer gestanden, bis die ersten Mieter, die Jungunternehmer Arthur und Markus Eugster, einzogen. Sie hätten mit der Herstellung von Eierkochern und kleinen Kaffeemaschinen begonnen und seien von Jahr zu Jahr erfolgreicher geworden, bis sie sich entschlossen hätten, als Eugster/Frismag AG eine eigene Fabrikanlage zu bauen. Nach dem erfolgreichen Unternehmerduo kamen weitere Mieter, unter anderem für kurze Zeit der Zivilschutz, an die Neustrasse, bevor dann ein Umbau anstand. «Lofts sind damals gerade Mode geworden. Deswegen haben wir mit einem Architekten die Idee von vier Lofts umsetzten wollen», erzählt Mirjam Bertsch. Noch bevor der Umbau abgeschlossen werden konnte, kam aber der Begründer der Schule für Beruf und Weiterbildung (SBW) vorbei und hat sich noch am gleichen Tag entschieden, das ganze Haus zu mieten, um mit dem Gymnasium dort einziehen zu können. Die immer erfolgreicher werdende Schule wurde im Februar ins neue Zollhaus verlegt, und so sei die Familie schon wieder vor der Frage gestanden, wer als nächstes das Gebäude an der «Hirschhalde» besetzen würde. Die ursprünglichen Lofts wurden umgebaut und werden nun alle bewohnt.

Im ehemaligen Teigwarenlager hat nun die Familie Pasquale ihr Restaurant erweitert. Das Thema Pasta bleibt der «Hirschhalde» also treu.

Mirjam Bertsch

Mirjam Bertsch

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