Das schönste Haus im Dorf

WEINFELDEN. Zum Glück haben die Weinfelder das Pestalozzi-Schulhaus nicht abgerissen – sonst könnten sie dessen 175jähriges Bestehen dieses Jahr nicht feiern. Schüler, Lehrer und Öffentlichkeit kommen in den Genuss zahlreicher Aktivitäten.

Esther Simon
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Ein frommer Wunsch: «Liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst», steht unter dem Dachfirst des 1840 eröffneten Pestalozzi-Schulhauses in Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Ein frommer Wunsch: «Liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst», steht unter dem Dachfirst des 1840 eröffneten Pestalozzi-Schulhauses in Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Der Weinfelder Bürgerarchivar Franz Xaver Isenring hat der Budgetberatung eindeutig die Show gestohlen. An der Versammlung der Sekundarschule Weinfelden vom Mittwochabend im Rathaus informierte Isenring ausführlich über die Geschichte des Pestalozzi-Schulhauses, das Baumeister Rudolf Hoffmann von Islikon 1840 fertigstellte und das somit heuer sein 175-Jahr-Jubiläum feiert. Im Zusammenhang mit diesem Jubiläum findet eine Reihe von Aktivitäten statt (siehe Kasten). Es wird auch eine Festschrift erscheinen.

«Wie eine Fabrik»

«Für mich ist das Pestalozzi-Schulhaus das schönste Haus in Weinfelden», sagte Isenring. «Mit seinen drei Stockwerken, den 13 Fensterachsen und dem Dreieckgiebel ist es formvollendet in seinen Proportionen.» Es sei deshalb kaum zu glauben, dass die Weinfelder das Schulhaus hätten abreissen wollen, weil es für sie eher wie eine Fabrik ausgesehen habe. Nach 15 Jahren Planung konnte am 1. Mai 1838 mit dem Bau begonnen werden. Hoffmann und seine Leute erstellten acht Schulzimmer für mindestens 30 und höchstens 100 Kinder.

Auch zwei Lehrerwohnungen wurden eingebaut, «eine mittägliche und eine mitternächtliche». Isenring: «Somit konnten die Lehrer zu jeder Zeit kontrollieren, ob es auf dem Schulhausplatz mit rechten Dingen zu- und herging.» Das Haus sei tatsächlich so gross gebaut worden, weil die Weinfelder hofften, darin dereinst die Kantonsschule aufnehmen zu können, sagte Isenring auf die Frage der ehemaligen Weinfelder Oberstufenpräsidentin Regula Hasler-Bommer. Die Kantonsschule kam dann allerdings nach Frauenfeld.

Diskussionslos und einstimmig

Zuvor hatte die Versammlung der Sekundarschule unter dem Vorsitz des Schulpräsidenten Beat Gähwiler einstimmig das Budget 2015 und den gleichbleibenden Steuerfuss von 35 Prozent genehmigt. Ebenfalls einstimmig und diskussionslos stimmte anschliessend die Versammlung der Primarschule Weinfelden ihrem Budget und dem gleichbleibenden Steuerfuss von 49 Prozent zu. Schulsekretär René Diethelm hatte die Voranschläge zuvor ausführlich erläutert.

Primarschulpräsident Thomas Wieland konnte sich auch über die einstimmige Bewilligung des Kredites von 380 000 Franken freuen. Dieser wird verwendet für die Umnutzung der ehemaligen Militärunterkunft im Paul-Reinhart-Schulhaus in neue Unterrichtsräume. Für die Belange der Sekundarschule Weinfelden interessierten sich 82 Schulbürgerinnen und Schulbürger (von etwa 10 000), an der Versammlung der Primarschule Weinfelden nahmen 68 Schulbürgerinnen und Schulbürger teil.