Das Schloss gemeinsam erhalten

HAGENWIL. Mit dem Grossmutter-Stübli hat der Verein Freunde des Wasserschlosses Hagenwil bereits das zweite Renovationsprojekt umgesetzt. Nun fasst er eine Rekonstruktion der alten Schmiede im Schlosshof ins Auge.

Rita Kohn
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Schlossherr Alfons Angehrn im renovierten Grossmutter-Stübli. (Bilder: Reto Martin)

Schlossherr Alfons Angehrn im renovierten Grossmutter-Stübli. (Bilder: Reto Martin)

«Wir haben mit unserem Schlossherrn Glück.» Er mache das Wasserschloss der Öffentlichkeit zugänglich, sagt Urs Fischer. Der Amriswiler Unternehmer gehört zum Verein Freunde des Wasserschlosses Hagenwil, der es sich zum Ziel gesetzt hat, der Besitzerfamilie Angehrn bei der Renovation und Instandhaltung des Schlosses unter die Arme zu greifen. Nach dem Rittersaal wurde in dieser Kooperation nun das Grossmutter-Stübli renoviert.

Schon seit einiger Zeit wird das Grossmutter-Stübli als Trauzimmer genutzt und erfreut sich grosser Beliebtheit. «Aber der Boden war instabil und auch sonst gab es einiges, was renoviert werden musste.»

Gereinigt statt neu gemalt

Heute präsentiert sich der kleine Raum mit Butzenscheiben und altem Kachelofen in neuem Glanz. Besonders die Wandmalereien stechen ins Auge. «Diese hat ein Fachmann in stundenlanger Kleinarbeit mit winzigen Schwämmchen gereinigt», sagt Urs Fischer und staunt darüber, was Klaus Engler aus Untereggen durch dieses Verfahren fertiggebracht hat. Die Vorgehensweise sei mit der Denkmalpflege abgesprochen gewesen, so Urs Fischer. Man habe das Bestehende erhalten und nicht einfach neu übermalen wollen.

Selbst die Bodenbretter – noch bis vor ein paar Monaten eine schwankende Angelegenheit – konnten erhalten werden. «Klaus Engler hat mit Arthur Camen einen Spezialisten beigezogen», freut sich Urs Fischer. Die beiden würden sich aus Untereggen kennen. Camen habe die alten Bodenbretter und die Nägel sorgfältig gelöst, den Unterboden neu aufgebaut und stabilisiert und die alten Bretter wieder verlegt. «Jeder Nagel sitzt wieder dort, wo er zuvor schon eingeschlagen war.» Nur, dass der Boden nun wesentlich stabiler sei. Besonders gestaunt hat der Vereinsvorstand über die Rechnung. «Die Arbeiten hätten insgesamt über 13 300 Franken gekostet», sagt Urs Fischer. Verrechnet habe Arthur Camen aber nur knapp 6500 Franken. Der Rest ging als Natural-Spende in den Renovationstopf.

Langwieriger Prozess

Bis die Renovation des Grossmutter-Stüblis an die Hand genommen werden konnte, waren einige Hürden zu bewältigen. Unter anderem bindet die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege einige Ressourcen. Für Urs Fischer ist aber klar, dass es ohne Denkmalpflege nicht geht, selbst wenn dadurch die Flexibilität etwas leidet. «Wir haben letztlich alle dasselbe Anliegen: Wir wollen dieses wunderschöne Wasserschloss erhalten.» In die Renovation des Grossmutter-Stüblis sind rund 47 400 Franken geflossen.

Auch für das neue Projekt rechnet Fischer mit einem längeren Prozess. Er würde sich aber wünschen, dass die ins Auge gefasste Sanierung des Innenhofes im nächsten Jahr beginnen kann. Die ersten Gespräche sind bereits geführt.

Verein ist aktiv

Der Verein Freunde des Wasserschlosses Hagenwil – in dessen Vorstand auch Schlossherr Alfons Angehrn sitzt – hat heute rund 130 Mitglieder. «Es ist heute schwierig, Vereinsmitglieder zu gewinnen», weiss Urs Fischer, Vizepräsident des Vereins. Etwas einfacher sei es aber, für einzelne Projekte Unterstützung zu finden. «Die Leute wollen sich nicht mehr fest binden sondern projektbezogen etwas beitragen.»

Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat der Verein bereits zwei Projekte umgesetzt. Zudem wurde eine umfangreiche Zustandsanalyse erstellt, in der der Renovationsbedarf nach Dringlichkeit ausgewiesen ist. Vereinspräsident André Schlatter, wie Urs Fischer auch Stadtrat von Amriswil, habe man einen interessierten Mann an der Spitze. Nähere Informationen über den Verein unter www.hagenwil.ch/cms/.

Wiederverwendete Nägel. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Wiederverwendete Nägel. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Neuisolierte Fensterfront. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Neuisolierte Fensterfront. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Gereinigte Wandmalereien. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Gereinigte Wandmalereien. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))