«Das Milizsystem nicht aufgeben»

Der Herbsthöck der SVP Horn gilt dem von Privaten betriebenen Horner Wärmenetz und der Schweizer Politik. Ständerat Roland Eberle redete dabei als überzeugter Befürworter dem Milizsystem das Wort.

Fritz Bichsel
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Ständerat Roland Eberle preist bei seiner Rede die Vorzüge des Milizparlaments. (Bild: Fritz Bichsel)

Ständerat Roland Eberle preist bei seiner Rede die Vorzüge des Milizparlaments. (Bild: Fritz Bichsel)

HORN. Es erscheint als Widerspruch: Ein vielbeschäftigter Ständerat kommt in eine kleine Gemeinde zu 50 Leuten und erörtert mit ihnen, ob das Milizsystem am Ende sei. Ob Bundesparlamentarier wegen hoher Belastung vollamtlich tätig und bezahlt sein sollten.

Verankerung in der Gesellschaft

Für den Thurgauer Ständerat Roland Eberle ist aber gerade solche «Rückkopplung der Politiker im sozialen Gefüge» eine Säule der erfolgreichen Schweizer Gesellschaft. Er stellt sich vor, dass deutsche Profiparlamentarier kaum an einem Fondueabend im Dorf teilnehmen. Diese Schweizer Spezialität gab's dann übrigens zum Abschluss. So verpassten sie aber Anregung durch Meinungen und Anliegen der Bevölkerung.

«Das Milizsystem ist nicht am Ende und darf nicht zu Ende gehen», sagt Ständerat Eberle. Nebenamtliche Tätigkeit bis zum Bundesparlament garantiere, dass der Staat für die Bürger da sei, unterschiedlichste Meinungen einfliessen könnten und auch neue Entwicklungen aufgrund praktischer Erfahrung beurteilt würden. Und nur das Milizsystem ermögliche den schweizerischen Föderalismus mit Lösungen für unterschiedliche Bedürfnisse in Orten und Regionen. Damit seien auf allen Ebenen auch die Kosten im Griff.

Burn-out gibt es schon länger

Der Rücktritt von Unternehmer Peter Spuhler als Nationalrat oder die Auszeit von Nationalrätin Natalie Rickli wegen Burn-outs bewirken aktuell Fragezeichen zum Milizparlament. Roland Eberle sagt, die mediale Reaktion auf einen Rücktritt nach 13 Jahren sei übertrieben, Burn-out gebe es schon länger und nicht allein bei Politikern, an den Anschlag kämen auch Profiparlamentarier umliegender Länder. Die Schweiz müsse und solle «dieses Erfolgsmodell» nicht aufgeben. Es gebe auch anderes, das Politiker belaste, wie persönliche Angriffe. Wichtig sei deshalb, Auseinandersetzungen mit Respekt zu führen. In der Diskussion wird Eberles Standpunkt unterstützt und aufgerufen, in der Politik Respekt wie auch Toleranz zu bewahren.

Privater Wärmeverbund

Zum jährlichen Höck an einem besonderen Ort in Horn hatte SVP-Präsident Samuel Lehmann diesmal in der Zentrale des Wärmeverbunds von Sepp und Heidi Popp anstelle der früheren Mosterei begrüsst. Bei diesem Werk für Energie aus Frischholz und Grünabfall ist er selber engagiert als Projektleiter. Sepp Popp und Samuel Lehmann zeigten dem Ständerat und den Besuchern – unter ihnen Gemeindeammann Thomas Fehr und seine Vorgänger Hannes Bommer und Gerold Häberli –, wie hier seit gut einem Jahr Energie zum Heizen und für Warmwasser in 250 Horner Wohnungen gewonnen wird dank privater Investition.

Die Kapazität des ersten Ofens war bereits ab dem Start weitgehend genutzt, und die Anlage bestand im kalten Winter ihre Bewährungsprobe. Gebäude und Hauptleitungen sind schon auf die noch mögliche Verdoppelung der Leistung mit einem zweiten Ofen ausgelegt. Ob es dafür eine genügende Nachfrage im Umkreis gibt, hängt stark von der Entwicklung des Ölpreises ab.

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