Das Leiden der Aach hat kein Ende

SALMSACH. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Am Samstag lief wieder verdünnte Gülle in die Aach. Und wieder aus dem gleichen Rohr wie zweimal vorher in den letzten Wochen. Schuld ist diesmal ein undichter Zapfen.

Markus Schoch
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Trügerische Idylle: Es stinkt, und im Bachbett der Aach hat es im Bereich des Rohres einer Meteorleitung schwarzen Schlamm. (Bilder: Markus Schoch)

Trügerische Idylle: Es stinkt, und im Bachbett der Aach hat es im Bereich des Rohres einer Meteorleitung schwarzen Schlamm. (Bilder: Markus Schoch)

Es passierte bei einer Routinekontrolle. Gemeindemitarbeiter nahmen einen Verschlusszapfen aus einem Rohr in Hungerbühl, das eigentlich leer sein sollte. Doch tatsächlich war es gefüllt mit verdünnter Gülle, die dann in die Aach floss. Es dürften etwa zwei Kubikmeter gewesen sein, schätzt der Salmsacher Gemeindepräsident Martin Haas.

Die Feuerwehr war am Samstag während sechs Stunden im Einsatz. Sie spülte die Leitung und führte aus mehreren Hydranten Wasser in die Aach, um die Schmutzfracht weiter zu verdünnen.

Das Rohr, aus dem zuweilen Gülle in den Bach läuft.

Das Rohr, aus dem zuweilen Gülle in den Bach läuft.

Undichter Zapfen

Schuld am Unglück war der zweite Zapfen weiter oben in der Leitung. Er sass nicht dicht, was wahrscheinlich auf einen «technischen Defekt» zurückzuführen ist, wie Heinz Rutishauser vom Amt für Umwelt erklärt.

Die beiden Zapfen waren am letzten Donnerstag eingesetzt worden, nachdem bereits am Donnerstag einmal mehr Jauche in die Aach gelaufen war. Den unteren Zapfen steckte die Gemeinde auf Anweisung und mit Hilfe von Haas ins Rohr, den oberen der Verursacher der Gewässerverschmutzung.

Er dürfte auch für das grosse Fischsterben Ende August verantwortlich sein. Damals waren Tausende Fische qualvoll gestorben, weil Gülle in die Aach geflossen war, die kaum Wasser führte. Er habe in seinen 18 Jahren als Fischereiaufseher noch nie eine Vergiftung von solchem Ausmass an der Aach erlebt, sagte Fischereiaufseher Markus Zellweger damals. Auf einer Länge von zwei Kilometern waren alle Fische tot. Zwischen Hungerbühl und der Mündung in den Bodensee war praktisch der ganze Bestand vernichtet. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb jetzt keine toten Fische mehr gefunden wurden. Es gibt einfach fast keine mehr in der Aach.

Wie kommt Gülle in die Leitung?

Den Fischern war zwar im August klar, aus welcher Leitung die Jauche ins Gewässer gelangt war. Es fehlten ihnen jedoch Beweise, weshalb sie keine Anzeige erstatteten.

Im Zusammenhang mit den beiden letzten Vorfällen besteht kein Zweifel mehr daran, auf welchen Wegen die Gülle in die Aach floss. «Wir wissen, woher die Verschmutzung kommt», sagt Rutishauser vom Amt für Umwelt.

Die Frage ist jetzt nur: Wie kam die Gülle in die Leitung, in der eigentlich nur Regenwasser der Aach zugeführt werden sollte. «Wir sind daran, die entsprechenden Abklärungen zu treffen», sagt Rutishauser.

Fischer voller Hoffnung

Gemeindepräsident Haas hofft inständig, dass jetzt nichts mehr passiert. «Wir werden nun noch strenger kontrollieren.» Und die Fischer hoffen ihrerseits, dass den Worten endlich Taten folgen. Das Problem sei seit Jahrzehnten bekannt.