Das Leben der Flüchtlinge

ARBON. Wie läuft ein Asylverfahren ab? Wie sieht der Alltag im Durchgangsheim aus? Die SP Frauengruppe Arbon will mehr zum Thema wissen und hat zwei Expertinnen eingeladen.

Sabine Schifferdecker
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«Das Thema Asylsuchende in der Schweiz ist wieder hochaktuell und erhält weiter Brisanz auf dem Boden unserer humanitären Tradition», begrüsst Margrith Giger, von der SP Frauengruppe Arbon, die Anwesenden. Brisanz habe das Thema vor allem mit Blick auf die politische Situation in Nordafrika.

Wie vielschichtig die Problematik der heutigen Migration ist, zeigte die Bereichsleiterin Migration bei der Caritas Thurgau, Susanne Ammann, auf.

Einreise in die Schweiz

Nach der Einreise in die Schweiz sei die erste Station eines der vier Empfangszentren. Dort werde das Asylgesuch eingereicht. Mit einem Fingerabdruck werde die so genannte Dublin-Abklärung vorgenommen: Hat diejenige Person schon in einem anderen Land ein Gesuch eingereicht?

Nach weiteren Abklärungen werde bei der direkten Bundesanhörung der erste Entscheid gefällt. Hier seien auch Vertreter der Hilfswerke dabei. Bei einem positiven Entscheid erhalte die Person eine B-Bewilligung sowie Anspruch auf Sozialhilfe.

Das wichtigste Kriterium zur Anerkennung sei, dass die Person vom Heimatstaat verfolgt werde, zum Beispiel aufgrund seiner Ethnie. Bei individueller Verfolgung müssten Beweise erbracht werden.

Welches Land ist zuständig?

Die Abklärung der Zuständigkeit sei eines der Hauptprobleme des Asylverfahrens. Somit wachsen auch die Pendenzen der Verfahren. Die Schweiz profitiere aber insofern vom Dublin-Verfahren, dass Flüchtlinge an die Erstasylländer überstellt werden könnten.

Die grössten Flüchtlingsströme kommen über das Meer. Erstasylländer seien somit Italien, Malta und Griechenland. «Diese sind vollkommen überfordert», sagt Susanne Ammann.

In Griechenland sei die Menschenrechtslage derart prekär, dass aus der Schweiz keine Flüchtlinge mehr dorthin überstellt werden dürften. Eine Konsequenz dieser Situation sei eine verlängerte Aufenthaltsdauer in den Empfangszentren von 90 Tagen – was die Situation dort wiederum massiv verschärfe, da diese darauf gar nicht eingerichtet seien.

«Meine Forderung zur gerechten Verteilung ist ein europäisches, vereinheitlichtes Asylverfahren», schliesst Susanne Ammann ihre Ausführungen.

Alltag im Durchgangsheim

Aus dem Alltag der Durchgangsheime berichtete die Gesamtleiterin der Peregrina-Stiftung, Susanne Höllwart.

Die Bewohnerinnen und Bewohner eines Durchgangsheims kochen und reinigen selber. Um ihnen eine regelmässige Tagesstruktur zu geben, wird vormittags Deutschunterricht angeboten. Am Nachmittag gebe es die Möglichkeit, an gelegentlichen Freizeitaktivitäten sowie an Beschäftigungsprogrammen in Naturschutz und Waldpflege teilzunehmen.

Selbständige Menschen

Pro Tag haben die Bewohner drei Franken Taschengeld, dazu kommt Essensgeld von neun Franken und eine Motivationszulage von drei Franken pro Stunde Arbeit dazu. «Die Angebote sind freiwillig. Das sind Menschen, die ein selbständiges Leben geführt haben. Wir können sie nicht abends um sieben Uhr ins Bett schicken», sagt Susanne Höllwart.

Neben Frauenfeld gebe es im Thurgau vier weitere Durchgangsheime in Romanshorn, Amriswil, Weinfelden und neu auch in Arbon. In letzterem leben derzeit elf Personen, vor allem aus Eritrea und Tibet. Weitere Personen würden erwartet. Als Stellenleiterin vor Ort wird Melanie Fritsche vorgestellt.

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