«Das ist Trittbrettfahrerei»

Für Unstimmigkeiten sorgt, dass am Arboner Seenachtfest-Wochenende (20./21./ 22. Juni) in Steinach ein Blues Festival stattfindet.

Max Eichenberger
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Feuerwerk-Werbung für eigene Festival-Veranstaltung stösst VVA-Spitze sauer auf. (Archivbild: Chris Mansfield)

Feuerwerk-Werbung für eigene Festival-Veranstaltung stösst VVA-Spitze sauer auf. (Archivbild: Chris Mansfield)

Kaspar Hug, Präsident des Verkehrsvereins Arbon und Umgebung, macht seinem Ärger Luft: «Es darf doch nicht sein, dass ein grosser Musikanlass das Arboner Seenachtfest konkurrenziert.»

Über den Sommer verteilen

Kaum 500 Meter weg vom Seenachtfestgelände, «im Rohr» auf Steinacher Boden, steigt am 20./21./22. Juni das Lake Blues Festival. Es ist ambitiös aufgezogen und verspricht für Bluesfans einige Leckerbissen. «Solche Veranstaltungen sind super, aber man sollte Highlights terminlich über den Sommer hinweg staffeln, damit in der Region möglichst jedes Wochenende etwas Hochkarätiges los ist.» So hätte man sich im VVA, der regional strukturiert ist und in dessen Vorstand auch Gemeindevertreter aus Steinach und Roggwil sitzen, sicher sehr gefreut über die Initiative aus Steinach.

«Hätten Vorverkauf gemacht»

Das Infocenter hätte sich anerboten, den Vorverkauf durchzuführen. Jetzt bezichtigt Hug die Festivalorganisatoren, wenn sie es denn willentlich auf eine Terminkollision angelegt hätten, der Trittbrettfahrerei. «Wir sind eine regionale Organisation. Und wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir Anlässe koordinieren.» Doch da habe es offenbar gehapert – oder dann sei man vom Grundsatz abgerückt: «Ich habe vorher keine Meldung bekommen und war völlig überrascht, als ich von der Parallelveranstaltung zufällig erfahren habe.»

«Einmaliger Blick auf den See»

Hug stört auch, dass die Festivalmacher mit dem Seenachtfest sogar noch Werbung machen und das Feuerwerk als Teil des Programms verkaufen. Das Festivalgelände biete einen «einmaligen Blick» auf den See.

Vom Logenplatz verdrängt

Von der Wiese aus haben bis anhin Steinacher – und vor allem ältere Mitbürger – das Feuerwerk bewundern können. Mit dem früheren Steinacher Gemeindepräsidenten Guido Wüst habe ein stillschweigendes Agreement bestanden, dass der VVA jenseits des Aachbrüggli nicht einkassiere. Diese Leute, wenn sie kein Blues-Publikum sind, würden von ihrem gewohnten Logenplatz verdrängt.

«Befruchtung statt Konkurrenz»

Hug hätte von der Steinacher Behörde erwartet, dass sie den Organisatoren des Lake Blues Festivals ein anderes Datum beliebt machen würde. Gemeindepräsident Roland Brändli sieht das Hug zufolge anders: Für ihn seien das nicht konkurrierende Veranstaltungen. Vielmehr könnten sie sich gegenseitig befruchten. Musikalisch kommen sich beide Events zumindest am Freitag in die Quere, weil im Seenachtfest-Programm ein Mini-Open-Air mit fünf regionalen Bands eingebettet ist.

Die Veranstalter hätten bewusst das Seenachtfest-Wochenende gewählt, weil dann die Lärmimmissionen auf ein Wochenende konzentriert seien, verweist Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger, selber auch nicht glücklich über die Terminkonstellation, auf ein Schreiben. Zudem sei das Publikum ein anderes, so die Festivalorganisatoren Markus Stadelmann und Bruno Bischof: Die Veranstaltungen bissen sich somit nicht, folgerten sie.

VVA braucht 8500 Eintritte

Dass man sich im engen Rayon Publikum abspenstig macht, was Hug umgekehrt befürchtet und anprangert, sieht der Verkehrsvereinspräsident auch deshalb nicht gern, weil der VVA als Veranstalter des Seenachtfestes nicht mehr nur 5000 Eintritte braucht, um finanziell eine ausgeglichene Rechnung zu erzielen, sondern 8500: «Die Kosten sind gestiegen, vor allem für die Sicherheit.»

Auf dieser Wiese, die der Ortsgemeinde Steinach gehört, findet gleichzeitig das Lake Blues Festival statt: Logenplätze fürs Feuerwerk. (Bild: Max Eichenberger)

Auf dieser Wiese, die der Ortsgemeinde Steinach gehört, findet gleichzeitig das Lake Blues Festival statt: Logenplätze fürs Feuerwerk. (Bild: Max Eichenberger)

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