Das Herz wird nicht dement

Seit vergangenem Herbst betreibt der Verein Oase eine Tagesstätte für demenzkranke Menschen in Romanshorn. Die Nachfrage ist gross. Die Verantwortlichen bauen ihr Angebot deshalb aus.

Michèle Vaterlaus
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Tagesleiterin Marianne Ebeling und Mitarbeiterin Christa Bienst singen mit zwei Gästen der Tagesstätte. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Tagesleiterin Marianne Ebeling und Mitarbeiterin Christa Bienst singen mit zwei Gästen der Tagesstätte. (Bild: Michèle Vaterlaus)

ROMANSHORN. Eigentlich wollten sie alles langsam angehen. Doch jetzt geht alles schneller. Die Nachfrage nach Plätzen in der «Oase» in Romanshorn ist gross. Die «Oase» ist eine Tagesstätte für Menschen mit Demenz und hat derzeit einmal in der Woche, am Dienstag, geöffnet. Mit drei Gästen ist das Team gestartet. Mittlerweile sind es vier Gäste, drei weitere stehen auf der Warteliste. Deshalb öffnet die Tagesstätte, die im Konsumhof 3 untergebracht ist, ab Mai auch am Donnerstag.

Dafür braucht es auch mehr Pflegepersonal. «Das ist aber kein Problem, wir haben viele Interessenten», sagt die Tagesleiterin Marianne Ebeling. «Das ist das Wunder, das wir erleben», sagt Vereinspräsident Richard Stäheli.

Eine hohe Lebensqualität

Ziel der «Oase» ist es vor allem, den Angehörigen der Demenzkranken eine Auszeit zu bieten. Denn Menschen, die demenzkranke Familienangehörige betreuen, werden aus Überlastung oft selber krank, wie Richard Stäheli sagt. «Für Angehörige ist es deshalb eine enorme Entlastung, wenn sie die kranke Person für nur einen Tag weggeben können.»

Während also die Angehörigen einen Tag für sich nutzen können, schätzen die Mitarbeiter der «Oase» den Umgang mit ihren Gästen. Die Arbeit mit den Demenzkranken sei sehr erfüllend, sagt Marianne Ebeling. «Ich habe gedacht, das ist mein Ausstieg aus der beruflichen Karriere, dass ich mich hier noch engagiere», sagt sie und lacht. Aber die Arbeit gebe ihr sehr viel. Das Besondere an demenzkranken Menschen sei, dass man jeden Tag von neuem beginne, nicht wisse, was einen erwarte und dass ihre Gäste ihre Gefühle leben. «Das Herz wird nicht dement», sagt Ebeling. Sie sagt auch, dass Menschen mit Demenz in der Regel eine hohe Lebensqualität haben, weil sie einfach vergessen.

Schwieriger sei es für die Angehörigen, die tagein, tagaus viel Geduld aufbringen müssen.

Neue Ideen für die «Oase»

Es sei auf der anderen Seite für die Angehörigen auch nicht immer einfach, loszulassen und ihre Liebsten in der «Oase» unterzubringen. «Eine Ehefrau hat zu Beginn etwa sechsmal am Tag angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung sei», erzählt Ebeling. Es sei ein Zeichen, dass die Menschen sich selber über die Sorge ihrer Angehörigen oft vergessen. Deshalb denken die Verantwortlichen über die Erweiterung ihres Angebotes für Angehörige nach. Konkret sei aber noch nichts.

Man bekommt die Gäste lieb

Im Übrigen sei es für sie als Betreuungsperson auch nicht immer einfach, loszulassen. «Man bekommt die Gäste lieb», sagt Ebeling. Doch betreuen könne das Team der «Oase» nur demenzkranke Personen, die sich in den Stufen eins bis zwei befinden.

Danach sei die gerechte Betreuung nicht mehr möglich. und man müsse die liebgewonnenen Menschen weiter ziehen lassen.

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