Das Haus bleibt stehen

SITTERDORF. Der Erwerb von Parzelle Nr. 2134 durch die Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf ist am Veto der Gemeindeversammlung gescheitert. Nun wird die Liegenschaft in Sitterdorf renoviert; das Gebäude soll künftig wieder als Wohnhaus dienen.

Georg Stelzner
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Renovation statt Abriss: Am Standort der Liegenschaft am Bahnweg 1 wollte die Gemeinde Parkplätze erstellen. (Bilder: Georg Stelzner)

Renovation statt Abriss: Am Standort der Liegenschaft am Bahnweg 1 wollte die Gemeinde Parkplätze erstellen. (Bilder: Georg Stelzner)

Das Haus am Bahnweg 1 ist seit September des Vorjahres unbewohnt. Die Eigentümerin, Margrit Schmalz aus Fischingen, macht aus ihren Absichten kein Hehl. Am liebsten würde sie die Liegenschaft verkaufen. «Nur verschenken kann und will ich das Haus nicht», sagt sie und spielt damit auf den von der Gemeindeversammlung vorgeschlagenen Preis von 150 000 Franken an. Ihr Mann und sie hätten in der Vergangenheit viel Geld in das Haus gesteckt, argumentiert die Hinterthurgauerin.

Verkauf oder Vermietung

Der mit der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf ausgehandelte Kaufpreis von 380 000 Franken bildet nach den Worten von Margrit Schmalz die Schmerzgrenze. Die Eigentümerin erklärt, dass es für sie keine Rolle spiele, welchen Verwendungszweck die Gemeinde für das Grundstück gehabt hätte. Das Ehepaar Schmalz ist nun entschlossen, das Haus zu renovieren, um es dann doch noch verkaufen oder zumindest wieder vermieten zu können.

Ungewisse Ausgangslage

Mit dem Kauf der Liegenschaft Bahnweg 1 hätte der Gemeinderat das Parkplatzproblem im Umkreis der Sitterdorfer Bahnstation entschärfen wollen. Davon betroffen sind in erster Linie Bahnbenützer, Teilnehmer an Bestattungen und Besucher von kulturellen Veranstaltungen in der benachbarten evangelischen Kirche.

Gescheitert ist das Vorhaben nicht an dem ins Auge gefassten Verwendungszweck, sondern an den Kosten, welche für die Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf angefallen wären: nämlich total 450 000 Franken (380 000 Franken für die Liegenschaft, 29 000 Franken für den Abbruch des Gebäudes und die Entsorgung des Bauschutts, 31 000 Franken für die Präparierung der Parkfläche und 10 000 Franken für Diverses).

Heidi Grau, Gemeindeammann von Zihlschlacht-Sitterdorf, glaubt nicht, dass die Behörde im Vorfeld der Abstimmung etwas anders hätte machen sollen. Der Gemeinderat habe die Gunst der Stunde nutzen wollen. Es wäre gegenüber der Eigentümerin der Liegenschaft auch unfair gewesen, die Verhandlungen hinauszuzögern. «Demokratischer kann man ein Geschäft nicht behandeln, das Verdikt des Souveräns ist jetzt ohne Wenn und Aber zu respektieren», betont Heidi Grau. Ihr sei von Anfang an bewusst gewesen, dass eine mehrheitlich ablehnende Haltung der Stimmbürger ein realistisches Szenario sein könnte. Sie habe die Chance, dass die Gemeindeversammlung dem Antrag des Gemeinderates stattgeben wird, mit 50:50 eingeschätzt. Heidi Grau räumt ein, dass es letztlich der finanzielle Aspekt gewesen sei, der den Ausschlag gegeben habe.

Keine Lösung in Sicht

«Die Kritiker haben nur die Kosten für die Parkplätze gesehen», gibt Heidi Grau zu bedenken. Diese wären mit rund 37 000 Franken pro Parkplatz zugegebenermassen hoch gewesen. Man müsse jedoch berücksichtigen, dass das Wohnhaus auf besagter Parzelle ebenfalls einen Wert darstelle. Die Sicht der Grund- und Hauseigentümerin sei von den Gegnern der Vorlage ausgeblendet worden. «Der Gemeinderat tat das nicht und vertrat die Meinung, dass der Standort und die Nachfrage nach Parkplätzen den Kaufpreis rechtfertigen würden.»

Das Nein der Gemeindeversammlung hat zur Folge, dass das Problem der fehlenden Parkplätze in Sitterdorf andauert. Es dürfte sich sogar noch verschärfen, ist doch damit zu rechnen, dass die Einwohnerzahl des Dorfes in den nächsten Jahren steigt. «Wir haben derzeit aber keine Option für neue Parkplätze in Sitterdorf», stellt Heidi Grau fest. Für den Gemeinderat sei eine gezielte Suche im Moment auch kein Thema, zumal der Leidensdruck offensichtlich noch nicht allzu gross sei. «Wir werden aber die Augen offen halten», verspricht Heidi Grau.