Das grosse Krabbeln

BISCHOFSZELL. Ameisen erobern Bischofszell. Zu zehnt haben sie sich dieser Mission verschrieben. Bislang besetzen sie erst eines der Altstadthäuser. Entlang der hellblauen Fassade oberhalb des Optikergeschäftes Dietrich beim Grubplatz krabbeln sie Richtung Giebeldach.

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Rote Waldameisen aus Silber und Kupfer klettern die Fassade hoch. (Bild: Andrea Kern)

Rote Waldameisen aus Silber und Kupfer klettern die Fassade hoch. (Bild: Andrea Kern)

Ameisen erobern Bischofszell. Zu zehnt haben sie sich dieser Mission verschrieben. Bislang besetzen sie erst eines der Altstadthäuser. Entlang der hellblauen Fassade oberhalb des Optikergeschäftes Dietrich beim Grubplatz krabbeln sie Richtung Giebeldach. Mit welcher Taktik sie ihr Ziel erreichen möchten, scheint unklar. Reglos warten sie auf etwas. Womöglich beraten sie sich noch.

Angebracht haben sie jedenfalls bereits ein Schild mit der Internet-Adresse www.art-in sect.ch. Und ein Blick darauf verrät: Sie könnten Unterstützung erhalten. Von Spinnen, Libellen, Fröschen, Eidechsen, Skorpionen, Heuschrecken, Vögeln und sogar von Fischen – für die Eroberung über die Sitter und die Thur.

Besser auf die Natur achten

Angespornt dazu hat sie der Künstler Jan Kocnar, der im vergangenen Jahr im Freudenhaus ausstellen durfte. Der Lichtensteiger erstellt Plastiken aus Kupfer und Silber. «Bischofszell war mir auf den ersten Blick sympathisch», sagt er. Dass er die Fassade gerade mit der roten Waldameise versehen hat und damit die Natur in die Stadt bringt, ist kein Zufall. «Die rote Waldameise ist geschützt. Sie ist kein Schädling, sondern wichtig für die Umwelt», erklärt der Künstler. Mit seiner Kunst möchte er auffordern, besser auf die Natur zu achten. «Denn wenn es die Ameise nicht mehr gibt, gibt es den Menschen schon lange nicht mehr.» Seine Installation ist also Stadteroberung im positiven Sinn.

Aussicht geniessen

Was derweil in den Köpfen der Krabbeltiere vorgeht, ist unklar. Solange sie in dieser Grösse nicht zum Leben erwachen, dürfen sie aber ihr Gastrecht und die Aussicht über den Grubplatz geniessen. Andrea Kern