Das «Gleis 1» ist bald verwaist

ALTNAU. Am 6. Januar schliesst Bea Treichler nach zehn Jahren ihr Lädeli am Bahnhof in Altnau. Als Grund gibt die 71-Jährige sinkende Umsätze an und dass sie langsam berufsmüde sei.

Daniela Ebinger
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Bea Treichler steht in ihrem Lädeli. (Bild: Daniela Ebinger)

Bea Treichler steht in ihrem Lädeli. (Bild: Daniela Ebinger)

Das Bahnhoflädeli von «Bea's Gleis 1» schliesst nach zehn Jahren seine Tore. «Am 6. Januar ist endgültig Schluss», sagt Bea Treichler. Das löst bei ihr gemischte Gefühle aus. Sie war noch nie ohne Arbeit. In den letzten Jahren merkte sie aber immer mehr, dass sie berufsmüde wurde. Zudem sank der Umsatz zunehmend. «Wir zählten nur noch als Notnagel.» Allein bei den Glaces betrug früher im Sommer der Umsatz 10 000 Franken. Doch in den letzten Jahren nahm sie nur noch knapp die Hälfte ein.

Von Stammkunden geschätzt

Als Grund nennt Bea Treichler den Tankstellenshop an der Hauptstrasse sowie den Kiosk direkt am Hafen. «Ich habe mich total aufgeopfert», sagt die Betreiberin des Bahnhoflädelis, die die ganze Zeit nur für ihr Geschäft und ihre Kunden da war.

Sie erzählt allerdings auch von schönen Stunden mit den Stammkunden. Die meisten seien vom Campingplatz gekommen und einzelne aus dem Quartier. «Die Gäste sagten mir immer, ich hätte dem Laden ein Gesicht gegeben. Und sie waren für mich genauso wichtig so wie ich für sie.» Entdeckt hatte sie die Räumlichkeiten damals eher per Zufall. Für sie als Wirtin war klar, die Kioskwirtschaft attraktiver zu gestalten. Ihre Vorgängerin hatte eine Geschenkboutique mit Allerlei geführt.

Nicht immer ging es friedlich zu und her um das Gleis eins. Bea Treichler erzählt, wie zunehmend randaliert wurde. An die jungen Menschen während ihrer Anfangszeit erinnert sie sich noch gut. Die 71-Jährige freut sich, zu sehen, was aus den Jugendlichen von damals geworden ist. Auch heute noch würden einige auf einen Schwatz bei ihr hereinschauen. Manchmal sei sie sich vorgekommen wie deren Ersatzmutter, die ihnen auch mal Grenzen setzen musste. «Schon früher hielten sich die Jungen gerne beim Bahnhof auf, waren laut und zum Teil übermotiviert. Doch sie randalierten nicht alle.»

Mann bedrohte sie mit Messer

Vergangenen Frühling wurde über ein Fenster eingebrochen. Der oder die Diebe stahlen nur Zigaretten, nur eine bestimmte Marke. «Ich weiss genau, wer diese raucht, aber beweisen kann man es halt nicht», sagt sie. Auch erlebte Bea Treichler vor einigen Jahren einen Überfall, bei dem sie ein maskierter Mann mit Kapuze mit einem Messer bedrohte. «Zuerst dachte ich, einer der Jungs mache Seich mit mir. Aber als er den Sack hinstreckte, Geld wollte und das Messer in der Hand hielt, wusste ich, dass dem nicht so ist.» Sie beschreibt, wie sie aus der kniffligen Situation durch die Hintertür fliehen konnte. «Ich habe geschrien, und da ergriff der Täter die Flucht, ohne Beute.» Seit da will sie, dass ihre Kunden die Mützen und Kapuzen herunternehmen und sie das Gesicht sehen kann. Ein drittes Mal konnten die Einbrecher gefasst werden. Ihre Hunde schlugen an. Sie alarmierte die Polizei und diese schnappten die Übeltäter.

Neue Herausforderung in Sicht

Die Türe ihres Lädelis schliesst sie am kommenden Montag mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Sie ist aber eine Frau, die nach vorne schaut. «Ich freue mich, endlich meinen Bekanntenkreis pflegen zu können, und auf ausgiebige Spaziergänge mit meiner Belgischen Schäferhündin Yucca», sagt Bea Treichler. Als neue Herausforderung wird sie mit ihrem einjährigen Vierbeiner eine Ausbildung in Angriff nehmen.