Das erste Parlament war rotblau

1946 traten die Weinfelder Stimmbürger einen Teil ihrer Kompetenzen an den Grossen Gemeinderat – das heutige Parlament – ab. Eine Rückschau auf die erste Legislatur – im Hinblick auf die Parlamentswahl vom 10. Mai.

Esther Simon
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Während der öffentlichen Verhandlungen des Weinfelder Gemeindeparlamentes ist die Zuschauertribüne im Weinfelder Rathaus selten besetzt – ausser, wenn es um die Aufnahme ins Gemeindebürgerrecht geht. (Archivbild: Donato Caspari)

Während der öffentlichen Verhandlungen des Weinfelder Gemeindeparlamentes ist die Zuschauertribüne im Weinfelder Rathaus selten besetzt – ausser, wenn es um die Aufnahme ins Gemeindebürgerrecht geht. (Archivbild: Donato Caspari)

WEINFELDEN. «Partei der Arbeit in den Grossen Gemeinderat gewählt». So oder ähnlich mag eine Schlagzeile im damaligen «Thurgauer Tagblatt» gelautet haben. Man schreibt das Jahr 1946, und die Weinfelder haben soeben einen Teil ihrer Kompetenzen an ein Parlament abgegeben und dessen erste Mitglieder gewählt. 21 Volksvertreter sitzen 1946 im Parlament, eine Aufstockung auf 30 Personen erfolgte erst im Juni 1983.

Die ersten Gewinner

Neben dem Mann der Partei der Arbeit – es sassen ja ausschliesslich Männer im ersten Parlament – waren sechs der Gewählten Sozialdemokraten, zwei waren Christlichsoziale, zwei katholisch Konservative, sechs Freisinnige, drei vertraten das Gewerbe und einer die Landwirtschaft. Eine Namenliste der damaligen Vertreter ist heute noch vollständig erhalten; wenngleich auch nicht mit der dazugehörigen Parteibezeichnung. Zu den ersten Gewählten gehörte Walter Ballmoos.

Den gebürtigen Baselbieter machten die Parlamentarier denn auch gleich zu ihrem ersten Präsidenten. 1959 wurde Ballmoos in den Regierungsrat des Kantons Thurgau gewählt; er blieb bis 1975 für Inneres und Volkswirtschaft zuständig. Von 1967 bis 1971 vertrat er den Thurgau im Nationalrat. Ballmoos sollte nicht der einzige bleiben, dessen politische Karriere im Weinfelder Parlament begann.

Viele Jahre im Parlament

Ernst Rizzolli, der Gründer des Ingenieurbüros in Weinfelden, gehörte zu den ersten im Parlament ebenso wie Fred Sallenbach, der damalige Redaktor des «Thurgauer Tagblatts». Nicht unerwähnt bleiben darf auch Alfred Welter, der spätere Weinfelder Schulpräsident und langjährige Vorsitzende des Europäischen Verbandes der Anschlussgleisbesitzer. Einige der Männer der ersten Stunde blieben viele Jahre im Parlament. Der Sozialdemokrat Karl Ritz beispielsweise trat erst 1961 zurück. Das Parlament nannte sich zunächst Grosser Gemeinderat, erst vor ein paar Jahren bürgerte sich der Name Gemeindeparlament ein. Parallel dazu bezeichneten die Weinfelder die Exekutive als den Kleinen Gemeinderat, was dessen Mitglieder allerdings nicht so gerne gehört haben sollen. So heisst der ehemalige Kleine Gemeinderat denn heute auch nur noch Gemeinderat.

Wächter und Förderer

Während längerer Zeit ergaben sich keine grösseren Veränderungen in den Parteienvertretungen – bis 1983. In den ersten Jahren des Parlamentes ging es ohnehin selten um grosse ideologische Auseinandersetzungen. Das ist auch heute nicht anders. Es scheint fast so, als würde das Parlament dem nachleben, was der Aktuar des Männervereins vor 130 Jahren von den Verantwortlichen verlangte, «Wächter und Förderer des Fortschritts in unseren Gemeindeangelegenheiten zu sein».

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