Das engagierte Ehepaar

Das Ehepaar Verena und Peter Perini aus Kreuzlingen eröffnete die Gesprächsreihe «Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger erzählen». Die beiden setzten sich für das Frauenstimmrecht, Geometrie für Mädchen und Gemüse für Soldaten ein.

Cathrin Michael
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Erzählten aus ihrem Leben: Das Ehepaar Peter und Verena Perini aus Kreuzlingen mit Moderator Karl Kohli. (Bild: Donato Caspari)

Erzählten aus ihrem Leben: Das Ehepaar Peter und Verena Perini aus Kreuzlingen mit Moderator Karl Kohli. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. «Ich bin verwundert, dass du in einem Nebensatz doch noch erwähnt hast, dass du mich geheiratet hast.» Nach dem ersten Votum von Verena Perini an ihren Mann lachte das Publikum laut auf. Der Andrang war gross zum ersten der fünf Gespräche «Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger erzählen». Über 140 Personen kamen am Donnerstag in das evangelische Kirchgemeindehaus, um dem Ehepaar Verena und Peter Perini zuzuhören.

Moderator Karl Kohli richtete das Wort zuerst an Peter Perini. Der Bündner kam als Bub in den Thurgau. Er besuchte in Diessenhofen die Sekundarschule. In Bern studierte er Recht und kam für eine Praktikumsstelle nach Arbon. «Meine Frau wollte am See wohnen, so blieben wir.»

Mädchen in die Geometrie

Verena Perini setzte sich schon als Mädchen für andere ein. Die Thurgauerin sammelte bei den Bauern Gemüse ein und brachte es den Soldaten, die während des Krieges in Güttingen stationiert waren. In der Schule forderte sie, dass auch Mädchen in die Geometrie durften – ein Recht, das bis anhin nur die Buben hatten, während die Mädchen in die Handarbeit sollten. Sie bekam recht. Mit einem Lachen fügte sie hinzu, dass sie dann trotzdem Handarbeitslehrerin lernte.

Peter Perini war von 1962 bis 1976 Schulpräsident – eine Zeit, in der viele Schulhäuser gebaut wurden und die Integration fremdsprachiger Schüler ein Thema wurde. Danach bis 1992 war er Gerichtspräsident von Kreuzlingen, den Beruf übte er von zu Hause aus. «Am spannendsten waren die Begegnungen mit den Menschen», erzählt er. «Aber wenn ein schwieriger Klient kam, um sein Urteil abzuholen, schickte ich meine Frau an die Türe», erzählt er grinsend. Als Präsidentin der Thurgauer Frauenzentrale war Verena Perini an vorderster Front, als 1971 das Frauenstimmrecht im dritten Anlauf angenommen wurde. «Der Thurgau sagte Nein, zum Glück gab es noch eine Schweiz.»

Kuchen für das Altersheim

Sie setzte sich auch für den Bau eines Altersheimes in Kreuzlingen ein. Die Idee, das Heim in Berg zu kaufen, wiesen sie und ihre Kolleginnen ab, weil sie fanden, das sei zu weit weg. So organisierten sie einen Basar in der Turnhalle des Wehrlischulhauses, wo alle rund 20 Vereine der Stadt mitgemacht hätten. 40 000 Franken erwirtschafteten sie – viel Geld, wohl auch, weil Verena Perini erfolgreich Kuchen für 25 Franken verkaufte. «Ich bot den Käufern an, den Kuchen bei mir zu lassen, danach verkaufte ich ihn an den nächsten weiter.»

Nach dem einstündigen Gespräch unterhielten sich die Gäste bei Kaffee und Kuchen. Die Fragerunde danach nutzten einige, um selber eine kleine Anekdote zu erzählen oder eine Frage zu stellen. Der letzte Gast fragte, was wohl alle brennend interessierte: «Wie haben Sie sich kennengelernt?» Peter Perini erzählte, dass dies am letzten Dienstagabend seines WK in Davos passierte. Ein Kamerad von ihm tanzte mit Verena und sagte nachher zu Peter: «Du, die ist ganz interessant zum Schwatzen.» Da musste dieser nicht lange überlegen und forderte die Dame zum Tanz auf. Das Publikum applaudierte, und das Ehepaar strahlte.