Das Einbahnregime ist passé

Zurück auf Feld eins in der Altstadt: Seit dem Herbst rollt in Arbon wieder Gegenverkehr. Der Kanton erklärte das Provisorium nach Ablauf der einjährigen Frist als nicht rechtskonform.

Tanja von Arx
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ARBON. Die Signalisation wird umgestellt, die Tröge verschwinden, einzig die gelben Markierungen bleiben bestehen. Im September machten sich Angestellte der Stadt Arbon daran, die Hauptstrasse für den Gegenverkehr umzurüsten. Das Amt für Bau und Umwelt hatte das Provisorium für das Einbahnregime nach Ablauf der einjährigen Frist als nicht rechtskonform erklärt, nachdem Rekurse dagegen eingegangen waren.

«Das ist kein Weltuntergang»

Stadtpräsident Andreas Balg sagte: «Das ist kein Weltuntergang.» Das Vorgehen der Stadt habe aber Angriffsfläche geboten. Das Einbahn-Provisorium war eingerichtet worden, um der geplanten Begegnungszone – eine Verkehrsberuhigung mit Tempo 20, keine eigentliche Fahrbahn für Autos, Sitzgelegenheiten und Grünflächen – einen Schritt näher zu kommen. Jedoch war das nicht im Sinne aller Städtli-Bewohner. Der West-Ost-Verkehr verlagerte sich auf die Promenadenstrasse. Die Rekurrenten lenkten in einen Kompromiss ein, der ein Rechtsabbiegeverbot in die Bahnhofstrasse vorsah, damit man die Umfahrungsstrasse benutzt. Gegen die Auflage der Signalisation wehrte sich aber der Altstadtverein.

Begegnungszone erfordert Zeit

Die Begegnungszone braucht Investitionen, die durch das Parlament und vors Volk müssen. Ein Jahr reichte für das Prozedere nicht aus, und der einseitige Verkehr konnte nicht nahtlos in die Begegnungszone überführt werden, wie es sich der Stadtrat erhoffte. Grundsätzlich hätte die Möglichkeit bestanden, das Provisorium zu verlängern, und man hätte die Anordnung zum Rückbau umgehen können. «Es ist nicht so gelaufen, wie es hätte sollen», sagte Balg. Stadtrat Peter Gubser, in dessen Ressort die Abteilung Bau angesiedelt ist, sagte: «Wir wollen die Schleuse nicht ganz aufmachen.»

Die Stimmung ist bedrückt

So gibt es weiterhin Parkplätze auf der Hauptstrasse, vom Marktplatz bis zum Obertor aber nur sechs statt sieben. Für die Tempo-30-Zone war eine Auflage erforderlich. Im Städtli machte sich bei Passanten, Anwohnern und Ladeninhabern Unsicherheit breit. Sonia Schaffener, die Geschäftsführerin des Städtli-Kiosks, sagte: «Es ist einfach schade. Ich kann meine Stühle und Tische nicht mehr auf die Fahrbahn stellen, was geschätzt wurde. Jetzt verliere ich Kunden.» Die Passantin Gisela Widmer-Nauer sagte: «Für mich ist es das Allerletzte. Und was das Ganze wieder kostet! Alles bezahlen wir.» Caroline Breu von Chevaliers Mittelalterladen sagte: «Jetzt herrscht ein einziges Chaos. Früher konnten wir an der <Usestuehlete> eine Band vor den Eingang stellen. Wegen des Lärms beim Gegenverkehr ist das nicht mehr möglich.»

Im Februar wird informiert

Trotz der «Schlaufe» ist Stadtpräsident Andreas Balg zuversichtlich, dass die Begegnungszone mittelfristig kommen wird. Noch in diesem Winter soll das Bauprojekt genehmigt werden. Im kommenden Februar finde ein Informationsanlass statt, und nächsten Herbst sei die Urnenabstimmung. Zwischen 2017 und 2021 könnte das 6-Millionen-Vorhaben dann realisiert werden. Vierzig Prozent der Kosten übernähme der Bund im Rahmen des Aggloprogramms.

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