Das Dorf hiess früher einmal Seeliswil

NEUKIRCH A. D. THUR. Alte Obstsorten und die Geschichte seines Wohnorts Neukirch an der Thur sind Hansruedi Schweizers liebste Steckenpferde. Am 6. September laden er und der Dorfverein zu einem historischen Rundgang durch die Ortschaft ein.

Hannelore Bruderer
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Hansruedi Schweizer weiss viel über Neukirch an der Thur. (Bild: Hannelore Bruderer)

Hansruedi Schweizer weiss viel über Neukirch an der Thur. (Bild: Hannelore Bruderer)

«Ich habe mich immer schon für Geschichte interessiert», sagt Hansruedi Schweizer. Der 67-Jährige ist im Restaurant Sonne aufgewachsen. Im Estrich des altehrwürdigen Hauses sind Hausrat und Gerätschaften aus früherer Zeit aufbewahrt worden. Hansruedi Schweizer spielte dort als Bub besonders gerne. In der Schule weckte dann ein Lehrer seine Freude an der Ortskunde.

Spuren der Vorfahren

Auf dem Rundgang wird Schweizer durch Neukirch sowie die umliegenden Weiler und Höfe führen. Einen Halt gibt es in Aspenrüti. Bei der Durchsicht von Broschüren und Dokumenten über diese Siedlung ist der Hobbyhistoriker auch auf seinen eigenen Familiennamen gestossen. Es sind aber nicht nur die eigenen Wurzeln, die ihn gerne in die Vergangenheit eintauchen lassen. Neukirch habe eine spannende Geschichte, ist Schweizer überzeugt. Dass die Bevölkerung diese Ansicht teilt, habe man 2006 gesehen. Damals gab es im Dorf eine Ausstellung über die Vergangenheit. Zwei Jahre lang habe das OK dafür Fotografien und Dokumente zusammengetragen. «Die Ausstellung war ein grosser Erfolg. Mit dem historischen Dorfrundgang möchten wir daran anknüpfen, damit unsere Geschichte lebendig bleibt.»

Eine spannende Entstehungsgeschichte habe zum Beispiel die Kirchgemeinde, erzählt Schweizer. «Sie ist während der Reformation entstanden.» Neukirch bekam seinen heutigen Namen erst vor rund 450 Jahren, als eine Kirche gebaut wurde. Früher hiess der Ort Seeliswil. Die Endungen «-wil» und «-rüti» würden auf alemannische Hofnamen hindeuten, weiss Schweizer. Nicht ganz so weit wie die Gründung der Kirchgemeinde liegt die Zeit der Industrialisierung zurück. Mit einer Textilweber- und Stärkefabrik war Neukirch in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Einen Teil des Geldes, das die Einwohner verdienten, werden sie wohl im Gasthof ausgegeben haben. Von den vier Gaststätten, die es einst hier gab, existiert nur noch die «Sonne».

Aus einer Mappe zieht Hansruedi Schweizer eine alte Schwarzweissaufnahme hervor. «Das war das erste Postauto, das zwischen Neukirch und Bürglen verkehrte», sagt Schweizer. Er hat noch mehr interessante Zeichnungen und Fotos vergrössert, welche er an seinem Rundgang zeigen wird. «Mein Vater hat gerne und viel fotografiert. Er hat so die Veränderungen im Dorf eingefangen.»

Für Anlass gut vorbereitet

Mit Führungen hat der pensionierte Landwirt Erfahrung. Seine grosse Sammlung alter Obstsorten zieht immer wieder interessierte Gruppen an. Den Rundgang durch Neukirch hat er bereits einmal durchgespielt. «Den gab es als Zugabe zu einer Geburtstagsfeier mit meinen Verwandten», erzählt Schweizer.

Rundgang: Sonntag, 6. September, 14 Uhr; Besammlung beim Restaurant Sonne; Dauer circa 2 Stunden.