«Das Bier hat die Küche geflutet»

ARBON. Kalte Gerichte zubereiten, Bier ausschenken und Geschirr abräumen. Diese Aufgaben erledigt Michelle Mühleis über die Sommermonate in der Wunderbar Arbon. Der Job gefällt ihr gut, doch in Zukunft sieht sie sich klar vor einer Schulklasse.

Ralf Rüthemann
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Im Hotel Wunderbar in Arbon: Michelle Mühleis zapft ein Bier nach dem anderen. (Bild: Reto Martin)

Im Hotel Wunderbar in Arbon: Michelle Mühleis zapft ein Bier nach dem anderen. (Bild: Reto Martin)

Obwohl Michelle Mühleis nur als Sommeraushilfe im Hotel Wunderbar in Arbon arbeitet, beherrscht sie das Handwerk hinter dem Ausschank einwandfrei. Sie hat im Juli mit der Arbeit in der Wunderbar begonnen. Zuvor war sie vier Monate in Australien, wo sie das ganze Land bereiste und Englisch lernte. «Für den Job in der Wunderbar musste ich mich aus Australien bewerben», erzählt die Hornerin. Das Bewerbungsgespräch sollte ursprünglich über das Internet mit dem Videotelefonie-Tool «Skype» erfolgen. «Wegen der Zeitverschiebung haben wir das aber doch nicht gemacht.»

Die Arbeitszeiten in der Wunderbar machen der 19-Jährigen noch ein wenig zu schaffen: «Es ist ziemlich ungewohnt. Ich arbeite entweder ab dem Mittag bis am Abend oder ab dem Abend bis in die Nacht hinein. Und meistens bleiben wir nach der Arbeit noch ein Stündchen zusammen.» Im jungen Team fühlt sie sich ausgesprochen wohl, wie sie betont.

Das Krokodil hat sie überzeugt

Im Herbst beginnt Michelle Mühleis das Studium an der Pädagogischen Hochschule Rorschach. Mit der Fachmittelschule und einigen zusätzlichen Diplomen hat sie sich dafür eine gute Grundlage geschaffen. «Es ist schon seit der dritten Klasse mein Traum, Primarlehrerin zu werden.» Damals sei es aber noch aus einem anderen Grund gewesen: «Einmal pro Woche zeigte uns die Lehrerin anhand eines Plastik-Krokodils, wie man die Zähne putzt. Dieses Krokodil fand ich total cool, deshalb habe ich mich damals für den Lehrerberuf entschieden», lacht sie.

Jetzt wütet sie noch eine Weile in der Wunderbar und kann so ein wenig Geld anhäufen. «Hier habe ich meinen ersten Lohn verdient. Doch als fester Lohn in der Zukunft wäre er mir wahrscheinlich zu tief.»

Aufgaben und Missgeschicke

Zu den Aufgaben in der Wunderbar zählt, Getränke auszuschenken, abzuräumen, kalte Speisen zuzubereiten und noch mehr. Die Arbeiten werden tageweise aufgeteilt. «An manchen Tagen muss ich zum Beispiel nur abräumen. Das finde ich die härteste Arbeit», sagt sie. «Mir ist es aber viel lieber, wenn etwas läuft, als wenn die Zeit nicht vergeht. In den heissen Julitagen war es am intensivsten. Die Leute standen Schlange bis nach draussen.»

Die vergangenen zwei Monate haben Michelle Mühleis auch das eine oder andere Erlebnis beschert. «Im Stress sind mir auch schon einige Missgeschicke passiert», erzählt sie. «Einmal fiel mir ein gefülltes Tablar auf den Boden. Das ganze Geschirr zersplitterte.» Für das grösste Unglück in der Küche war sie aber nicht verantwortlich: «Irgendwie misslang das Öffnen eines Bierfasses. Etwa die Hälfte des ganzen Inhalts floss auf den Küchenboden. Da hatten wir das Geschenk», lacht sie.

Bild: RALF RÜTHEMANN

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