Das Aufräumen wird Tage dauern

AACHTHURLAND. Kradolf ist vom Unwetter am Sonntagabend am meisten betroffen. In einer ersten Bilanz spricht der Führungsstab von einer bisher nicht für möglich gehaltenen Katastrophe. Auch Sulgen und Erlen sind in Mitleidenschaft gezogen.

Rita Kohn
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Die Bahnunterführung in Sulgen ist unpassierbar. (Bild: Matthias Kohn)

Die Bahnunterführung in Sulgen ist unpassierbar. (Bild: Matthias Kohn)

Katastrophenalarm in Kradolf-Schönenberg: Das Unwetter vom Sonntagabend hat nicht nur mehrere Liegenschaften unter Wasser gesetzt, sondern auch Strassen unterspült, Hänge rutschen lassen und das Telefonnetz zusammenbrechen lassen. Nicht zum ersten Mal richtet Wasser in Kradolf-Schönenberg Schaden an. Bisher war es aber meist die Thur, die über die Ufer trat. «Was uns hier erreicht hat, ist aussergewöhnlich», sagt Walter Schönholzer, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg.

Gegen 18 Uhr ist klar, dass der starke Gewitterregen die örtlichen Bäche über die Ufer treten lassen würde. Nicht abzuschätzen ist zu dem Zeitpunkt, welches Ausmass die Verwüstungen annehmen werden. Die Bäche – im Siedlungsgebiet teilweise eingedohlt – können die Wassermassen nicht mehr schlucken. Vor allem an der Heldswilerstrasse wird's kritisch. Die Wassermassen spülen den Strassenuntergrund weg, schieben Geröll, Geäst und anderes ineinander, es ergiesst sich eine Schlammlawine auf die Gleise. «Wir haben mittlerweile Geologen aufgeboten, die die Situation beurteilen», sagt Walter Schönholzer an der Pressekonferenz am Montagmittag. Noch ist nicht klar, wann die Strasse wieder befahren werden kann. «Es kann sein, dass wir sie nach wenigen Massnahmen für den Verkehr wieder freigeben können, es kann aber auch sein, dass wir sie sofort sanieren müssen», erklärt der Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg. Das Aufräumen in Kradolf wird Tage dauern.

Unterführungen geflutet

Mit den Wassermassen kämpfen auch die Nachbargemeinde Sulgen und die Gemeinde Erlen. Hier sind es vor allem die Bahnunterführungen, die den Einsatzkräften alles abverlangen. In Sulgen steht das Wasser in der Unterführung mehrere Meter hoch, zwischen Hessenreuti und Riedt rutscht der Hang in die Unterführung und sorgt dafür, dass sie sich bis zum Dach mit Wasser füllt. Damit sind die beiden regionalen Hauptverkehrsachsen unterbrochen, was vor allem am Montagmorgen für kilometerlange Staus aus allen Himmelsrichtungen führt.

200 Mann im Einsatz

Schon bald muss nebst den beiden örtlichen Feuerwehren aus Sulgen-Kradolf-Schönenberg und Erlen weitere Hilfe aufgeboten werden. «Aufgrund der diversen Schadensereignisse wurde im Laufe des Abends der regionale Führungsstab AachThurLand aufgeboten», sagt Einsatzleiter Peter Steffen von der Feuerwehr Erlen.

Zum Schlafen kommt kaum jemand. «Uns Gemeindepräsidenten haben sie für einen Moment zum Schlafen geschickt», sagt Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen. Für die Feuerwehrleute und Zivilschützer – rund 200 Mann –, die damit beschäftigt sind, Unterführungen und Liegenschaften leer zu pumpen, geht der Einsatz rund um die Uhr.

Währenddessen warten in Kradolf viele Einwohner darauf, dass ihre Liegenschaften, die sicherheitshalber vom Stromnetz genommen werden mussten, wieder mit Strom versorgt werden und auch das zusammengebrochene Swisscom-Netz wieder funktioniert.

Anwohner betrachten fassungslos die weggebrochene Strasse in Kradolf. (Bild: Nana do Carmo)

Anwohner betrachten fassungslos die weggebrochene Strasse in Kradolf. (Bild: Nana do Carmo)