«Darauf bin ich stolz»

ROMANSHORN. Markus Wydler, Präsident der Einbürgerungskommission, und weitere fünf Mitglieder haben ihren Rücktritt bekanntgegeben. Das Gremium sei nun eingespielt genug, um Neuen Platz zu machen, findet Wydler.

Jeanette Herzog
Drucken
Teilen
Mit Markus Wydler tritt der Präsident und Gründungsvater der Einbürgerungskommission zurück. (Bild: Jeanette Herzog)

Mit Markus Wydler tritt der Präsident und Gründungsvater der Einbürgerungskommission zurück. (Bild: Jeanette Herzog)

«Was ändert sich für Sie, wenn Sie das Schweizer Bürgerrecht haben?», diese Frage hat Markus Wydler jedem Gesuchsteller bei der Befragung gestellt. Die schlechteste Antwort darauf sei: «Dann kann ich einfacher ins Ausland reisen.» Noch bis Ende Mai 2011 müssen sich die Einbürgerungswilligen eine bessere Antwort auf diese Frage einfallen lassen. Danach tritt Wydler aus der Einbürgerungskommission (EBK) zurück. Mit seinem Rücktritt verliert das Gremium nicht nur den Präsidenten, sondern auch den Gründungsvater.

«Ich darf für mich beanspruchen, die Idee der EBK gehabt zu haben», sagt er beim Gespräch in seinem Büro. Auch bei der gesetzlichen Umsetzung der EBK war er beteiligt. Und schliesslich wollte Wydler auch bei der praktischen Umsetzung dabei sein. «Wir waren die erste EBK im Thurgau, die vom Volk gewählt wurde und Entscheidkompetenz besass – und sind es heute noch.» Die Einführung 2005 der EBK in Romanshorn habe primär Ruhe gebracht, bilanziert Wydler die bisherige Arbeit der Kommission.

Präsidium war logische Folge

Als seine wichtigsten Aufgaben erachtete der Rechtsanwalt die Organisation der Abläufe und die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit. Diese Aufbauarbeiten seien nun abgeschlossen, beurteilt Wydler und begründet auch seinen Rücktritt damit. «Jetzt ist es ein Stück weit Routine, das kann auch jemand anderer machen.» Am Anfang der Kommissionsarbeit sei er unter den 15 Mitgliedern der einzige gewesen, der die Abläufe einer Einbürgerung bereits gekannt hatte.

«Als Rechtsanwalt habe ich selbst schon solche Verfahren begleitet», erzählt er. Es sei daher eine natürliche Folge gewesen, dass er das Präsidium der EBK übernahm. Im Gegensatz zu anderen Kommissionsmitgliedern sei es ihm von Anfang an nicht besonders schwer gefallen, über Personen zu entscheiden.

Ein gewisses Misstrauen

Viel prägender als die Arbeit mit den Gesuchstellern war für Wydler die innerhalb der Kommission.

Der schwierigste Moment für ihn während der mittlerweile rund fünfeinhalb Jahren in der EBK war die allererste Sitzung. «Wir waren eine heterogene Gruppe, deren Mitglieder von verschiedenen Parteien portiert wurde.» Viele hätten sich nicht vorstellen können, was alles hinter der Arbeit in der EBK steckt. «Das hat zu Diskussionen geführt», erinnert er sich. Mehrere Sitzungen seien dafür gebraucht worden, eine Organisation zu finden. Doch dieser Aufwand habe sich gelohnt.

Das Drei-Kammer-System habe sich bewährt und bis heute seien nur zwei kleine Anpassungen an den ursprünglichen Strukturen vorgenommen worden. Beide Änderungen zielten darauf ab, dem Präsidium mehr administrative Kompetenzen einzuräumen. «Am Anfang bestand ein gewisses Misstrauen untereinander. Jeder wollte überall mitreden.» Mit der Zeit sei das Vertrauen stark gewachsen und die unterschiedlichen Meinungen hätten sich eingemittet. «Wir arbeiten sachbezogen, nicht ideologisch. Darauf bin ich stolz», sagt Wydler.

Keine Bauchentscheide

Die EBK als solches beurteilt er als «eher streng», fügt aber gleich an, dass dies nicht am Parteibüechli der Mitglieder liegen würde. «Wenn einem die Gesuchsteller gegenübersitzen, gehen die Stammtischparolen verloren.» Darauf, dass hinter dieser Strenge auch eine Fairness steckt, weisen die geringe Anzahl Rekurse. Es sind deren vier seit 2005.

Drei davon wurden selbst wieder zurückgezogen und einer vom Departement für Justiz und Sicherheit des Kantons zurückgewiesen. «Wir bemühen uns, Bauchgefühle auszuschalten und halten uns an klare und saubere Verfahrensabläufe», sagt Wydler.

Sechs Zurücktretende

Für ihn und für fünf seiner Kollegen (siehe Kasten) endet die Arbeit in der EBK Ende Mai 2011. Dass gleich sechs Mitglieder auf einmal zurücktreten überrascht Markus Wydler. «Wir haben in der Kommission bis vor kurzem nicht darüber gesprochen.

» Er hofft nun, dass die Kommission auch ohne das Know-how der scheidenden Mitgliedern weiterhin gut funktioniert. Er selbst wird seine Lieblingsfrage bald zum letztenmal an einen Gesuchsteller gerichtet haben. Und dann wünscht er sich darauf eine gute und ehrliche Antwort.