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Dann gab's tellergrosse Schnitzel

TZ-Sommerserie Geschwister: Diesmal Beat Guhl, Inhaber und CEO von Sky-Frame, und seine Brüder, die beiden BDP-Politiker Andreas und Bernhard Guhl. Von der Kindheit auf dem Bauernhof und misslungenen Versuchen, die Arbeit zu optimieren.
Ida Sandl
Die Guhl-Brüder: Andreas, Beat und Bernhard – kniend wie auf dem Kinderfoto – vor der begrünten Fassade des Firmenhauptsitzes von Sky-Frame. (Bild: Andrea Stalder)

Die Guhl-Brüder: Andreas, Beat und Bernhard – kniend wie auf dem Kinderfoto – vor der begrünten Fassade des Firmenhauptsitzes von Sky-Frame. (Bild: Andrea Stalder)

Abends hatten sie Stalldienst: Euter putzen bei 30 Kühen. Jede Woche kam ein anderer der drei Guhl-Buben dran. Danach gab's den Znacht, vor der Arbeit den Zvieri. Gut für junge Burschen, die meistens Hunger haben.

Beat, Andreas und Bernhard Guhl wuchsen in Oppikon auf, zusammen mit zwei Schwestern. Die wenigen Sonntagsausflüge führten zum Beispiel auf die Alp, wo die jungen Rinder den Sommer verbrachten. Auf der Heimfahrt gab's Wiener Schnitzel, so gross, dass sie über den Tellerrand hingen. Am Mittagstisch unterhielt man sich über den richtigen Zeitpunkt zum Mähen und welcher Muni für welche Kuh am besten sei. «Unsere Eltern haben oft überlegt, was sie besser machen können», sagt Beat Guhl. Er ist Inhaber und CEO der Firma Sky-Frame, die rahmenlose Fenster in die ganze Welt liefert. Als junger Metallbauer, erstmals in einer grossen Firma beschäftigt, sei er völlig erstaunt gewesen, dass nicht alle Menschen unternehmerisch denken. Ein Teil der Mitarbeiter habe keine Sekunde darauf verschwendet, wie sinnvoll ihre Abläufe seien. «Das habe ich nicht begriffen.» Vielleicht sei das mit ein Grund, warum er seine eigene Firma gegründet habe.

Die Guhls sitzen im Besprechungszimmer von Sky-Frame. Der Raum ist grosszügig, modern. Die Fenster wirken, als hätten sie weder Anfang noch Ende, sie geben den Blick frei auf die Grosse Allmend. Bernhard Guhl, der Jüngste, erinnert sich an einen WK in Frauenfeld. «Wir haben hier ein Gewächshaus zerschossen.» Seine Brüder lachen. «Der Schuss war relativ präzise, aber einen Kilometer zu weit südlich.»

Drei und vier Jahre Altersunterschied trennen die Brüder voneinander. Beat Guhl ist der Älteste, zu dem die anderen aufgeschaut haben. Spätestens als er mit Orientierungslauf anfing und schon nach kurzer Zeit ins Junioren-Nationalteam berufen wurde.

Beat Guhl: «Ich wurde sogar vom Stalldienst befreit, um trainieren zu können, das hat mich überrascht.»

Andreas: «Ich habe es auch versucht mit OL. Aber ich bin ohne Training gleich zu den Wettkämpfen.»

Ein paar Abzeichen habe er aber schon geholt, sagt Andreas Guhl und grinst. Er hat den elterlichen Bauernhof übernommen. Das sei schon früh klar gewesen. Bernhard Guhl hat Elektromonteur gelernt und später Elektrotechnik studiert. Heute lebt er im Aargau. Schon früh hat es ihn in die Politik gezogen. Im Thurgau gehörte er zu den Gründern der Jungen SVP. Im Aargau gründete er die BDP, für die er jetzt im Nationalrat sitzt. Andreas Guhl ist BDP-Kantonsrat im Thurgau.

Andreas: «Als ich vor dreieinhalb Jahren in die Politik wollte, habe ich überlegt, ob ich zur GLP oder zur BDP soll.»

Bernhard: «Ich habe gesagt: Die BDP passt doch besser zu dir.»

Andreas: «Das habe ich mir genau überlegt, und du hattest recht.»

Beat: «Ich wusste nicht, dass Andreas für den Kantonsrat kandidiert, bis ich seine Plakate gesehen hab. Ich sass im Auto und dachte: <Was, jetzt er auch noch?>»

Beat Guhl hat nie über eine politische Karriere nachgedacht. «Als Politiker müsste ich zu sehr überlegen, was ich sage.»

Ohne Bremse gefahren

Die beiden älteren Brüder teilten sich als Kinder ein Zimmer. Andreas Guhl war der Ordentliche. «Seine Seite war immer aufgeräumt, bei mir lag alles herum», sagt Beat Guhl. Er war der Draufgänger, der sich gegenüber den Eltern durchsetzen konnte. Als er mit 18 Jahren mit der Freundin in die Ferien wollte, bestanden die Eltern aber darauf, zuerst ihre Familie kennenzulernen. Kurz nach der Fahrprüfung sei er jedoch mit dem Traktor und einer Fuhre Weizen von Oppikon nach Bürglen gefahren. Damals war er 14.

Beat: «Das war der alte Brückenwagen, der hatte keine Bremse.»

Andreas: «Er hatte eine Bremse. Man musste jeweils noch oben am Berg absteigen, um zu bremsen. Hast du das nicht gemacht?

Beat (lächelt): «Kann sein, ich weiss es nicht mehr.»

Einmal sollten Beat und Andreas Guhl Äpfel auflesen und zur Mosterei bringen. Die Äpfel wurden in Säcke gefüllt, die Säcke auf den Wagen geladen. Das war den beiden zu mühselig. Also entschied Beat Guhl, die Äpfel gleich auf den Wagen zu werfen. In der Mosterei sollte dann die Ladefläche gekippt werden, damit die Äpfel in die Presse purzeln. Zu spät merkten sie, dass die Seitenwände des vollen Wagens sich nicht einfach demontieren liessen. «Das Abladen war mühselig», erinnert sich Andreas Guhl.

Jeder der Brüder ist seinen Weg gegangen. Zeitweise haben Andreas und Bernhard in der Firma von Beat Guhl mitgeholfen und die schweren Glasscheiben herumgewuchtet. Heute wäre das allein zeitlich nicht machbar. Mindestens einmal im Jahr kommt die Familie zusammen: Dann fachsimpeln und politisieren sie. Fast wie früher.

Die Guhl-Kinder: Andreas, Beat, Yvonne, Bernhard und Regula. (Bild: pd)

Die Guhl-Kinder: Andreas, Beat, Yvonne, Bernhard und Regula. (Bild: pd)

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