Dankbar für ein kühles Getränk

SULGEN. Viele Trauernde haben Fredi Tröhler beim letzten Geleit für Freunde oder Angehörige kennen und schätzen gelernt. Nach 32 Jahren legt der Sulger Friedhofsgärtner die Schaufel im Frühling beiseite und begibt sich in den Ruhestand.

Hannelore Bruderer
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Gärtner Fredi Tröhler auf dem Friedhof von Sulgen, wo er während dreier Jahrzehnte seinen Beruf ausgeübt hat. (Bild: Hannelore Bruderer)

Gärtner Fredi Tröhler auf dem Friedhof von Sulgen, wo er während dreier Jahrzehnte seinen Beruf ausgeübt hat. (Bild: Hannelore Bruderer)

«Es ist nicht einfach aufzuhören», bekennt Fredi Tröhler. Ihm ist die Arbeit als Friedhofsgärtner ans Herz gewachsen. Anfang Jahr ist er 65 geworden – Zeit, in Pension zu gehen. Bis die Arbeitsgemeinschaft Keller aus Zihlschlacht im März seine Arbeit übernimmt, wird er den Friedhof noch weiterpflegen und die Zeit nutzen, um sein Wissen an seine Nachfolger weiterzugeben.

Kleine Aufmerksamkeiten

Stehen im Sommer Arbeiten wie das Pflanzen, Jäten und Bewässern im Vordergrund, so schaut Fredi Tröhler im Winter, dass die Wasserleitungen nicht einfrieren und die Wege vom Schnee befreit sind. Liegt ein Blumenschmuck auf einem frischen Grab, deckt er die empfindlichen Pflanzen in Frostnächten zum Schutz mit Tüchern ab. Ist jemand, der ein Grab selber pflegen will, damit überfordert oder fehlen die finanziellen Mittel, drückt er auch mal ein Auge zu und hilft mit einer einfachen, dauerhaften Bepflanzung aus. Es sind diese kleinen Details, welche die Angehörigen von Verstorbenen schätzen. Für seine Aufmerksamkeiten erhält Tröhler gelegentlich Dankesschreiben, die er dann aufbewahrt und wie einen Schatz hütet.

Harte körperliche Arbeit

Dass er in die Fussstapfen seines Vaters und Grossvaters treten und den Gärtnerberuf ergreifen würde, war Fredi Tröhler immer klar. Vor 32 Jahren bewarb er sich dann erfolgreich um die offene Stelle als Friedhofsgärtner und Totengräber in Sulgen. Parallel dazu führte er die Gärtnerei seiner Familie an der Hauptstrasse in Kradolf weiter. Erst vor wenigen Jahren, als ihm die Doppelbelastung langsam zu viel wurde, gab er das eigene Geschäft auf.

Ausser dass seine Arbeit körperlich nicht mehr ganz so anstrengend sei wie früher, habe sich nicht viel verändert in den letzten drei Jahrzehnten, erzählt Tröhler. Ein Grab auszuheben, war zu Beginn keine leichte Sache. Gut einen Tag lang arbeitete sich Tröhler mit einer Schaufel durch das Erdreich, bis die erforderliche Tiefe erreicht war. An heissen Tagen war diese Tätigkeit besonders anstrengend. «Manchmal brachten mir zwei Frauen aus der Nachbarschaft ein kühles Getränk. Das tat gut», erinnert er sich. Seit rund 20 Jahren wird der Aushub mit einem kleinen Bagger gemacht.

Während die Trauergesellschaft dem Abschiedsgottesdienst beiwohnt, wird das Grab der verstorbenen Person auf dem Friedhof verschlossen und mit Blumenschmuck versehen. «Damit wir diese Arbeit in so kurzer Zeit erledigen können, sind wir jeweils zu dritt», erklärt Tröhler.

Auf dem Friedhof trifft er unterschiedliche Menschen an. Und er nimmt sich Zeit, um mit Trauernden zu sprechen oder einfach nur zuzuhören. «Das ist wichtig», sagt er. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Sulgen begleitete Tröhler auch einen Bestattungsunternehmer. Er half ihm, die Verstorbenen abzuholen. Keine einfache Arbeit, an die er sich erst gewöhnen musste. «Da sieht man einiges», sagt er und denkt dabei im Speziellen an junge Menschen und Kinder, die durch Unfälle aus dem Leben gerissen wurden.

Weiter in Kradolf tätig

Für Fredi Tröhler, der kein Hobby hat, ist der Friedhof nicht bloss Arbeitsort, sondern ein Teil des Lebens. Ganz ohne sich um die letzten Ruhestätten zu kümmern, wird er deshalb seinen Ruhestand nicht antreten. Tröhler bleibt zuständig für die Urnenbestattungen und die Pflege des Friedhofs beim Kirchenzentrum in Kradolf.