Damit Babysitter Eltern verstehen

AMRISWIL. Fremdsprachige Eltern haben die Möglichkeit, jugendliche Babysitter in ihrer Landessprache zu engagieren. Die Integrationsstelle von Amriswil fördert das Projekt mittels Unterstützung durch die Kulturvermittler der Stadt.

Rita Kohn
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Viele Eltern sind froh, wenn sie ihre Kinder zwischendurch einer ausgebildeten Person anvertrauen können. (Bild: Donato Caspari)

Viele Eltern sind froh, wenn sie ihre Kinder zwischendurch einer ausgebildeten Person anvertrauen können. (Bild: Donato Caspari)

AMRISWIL. Einen wichtigen Arzttermin wahrnehmen, zeitintensive Einkäufe erledigen – oder sich mit dem Partner mal einen Theaterbesuch gönnen: Für Mütter mit kleinen Kindern manchmal ein Ding der Unmöglichkeit. Paula Silva, Integrationsbeauftragte der Stadt Amriswil, ist selber Mutter von zwei kleinen Kindern. Sie kennt das Problem. Das, obwohl Grosseltern in der Nähe leben und gerne bereit sind, mal auf die Kinder aufzupassen. «Nicht überall gibt es Verwandte, die einspringen können.»

Besonders schwierig ist die Situation oft für Migranten, deren Familie weit weg lebt. Gerade sie sollen von einem neuen Babysitter-Dienst profitieren können, der von der Integrationsstelle gefördert wird. «Es fällt einfacher, das Kind jemandem anzuvertrauen, der die eigene Sprache spricht», sagt Paula Silva, selber eine Migrantin.

Nicht vertraut mit dem Angebot

Jugendliche Babysitter, die einen Rotkreuz-Kurs besucht haben, bieten schon seit längerer Zeit ihre Dienste an. «Für Schweizer Familien ist es eine vertraute Sache», sagt Paula Silva. Nicht aber für Familien, die aus einem anderen Kulturkreis stammen. Sie kommt oft aus einer Umgebung, in der das traditionelle Rollenbild noch gelebt wird und es dazu gehört, dass die Frauen der Familie den jungen Müttern die Kinder auch mal abnehmen.

Paula Silva macht deshalb Migranten mit kleinen Kindern auf Angebote wie das Babysitting, das Eltern-Kind-Zentrum oder das Aki (Ausserfamiliäre Kinderbetreuung) aufmerksam. Oft muss sie den jungen Frauen aber auch vermitteln, dass sie keineswegs schlechte Mütter sind, wenn sie diese Angebote wahrnehmen. «Frauen, die nur für die Familie da sind und sich niemals eine kleine Auszeit gönnen, drohen daran zu zerbrechen», sagt sie. Auch führe fehlende Zweisamkeit zu manchem Bruch in der Beziehung. Deshalb sei es wichtig, Angebote wie das Babysitting auch hin und wieder zu nutzen.

Alle haben den Kurs bestanden

Dass es Müttern nicht leicht fällt, die Betreuung ihrer Kinder für ein paar Stunden einer Jugendlichen anzuvertrauen, versteht Paula Silva. «Die Jugendlichen haben aber alle eine Ausbildung gemacht und den Kursabschluss beim Roten Kreuz auch bestanden», klärt sie auf. Viele der Mädchen und Jungen hätten selber einen Migrationshintergrund und würden sich deshalb zu einem Einsatz bei fremdsprachigen Eltern sehr gut eignen.

Paula Silva sieht hier auch die Chance für die Jugendlichen. «Manche sind sehr frustriert, weil ihre Dienste nach der Ausbildung nicht gefragt sind», sagt sie. Gerade junge Mädchen vom Balkan könnten oft nicht an Schweizer Familien vermittelt werden. «Mir tut das weh, wenn ich höre, wie ein Babysitter nach erfolglosen Bemühungen um einen Einsatz zum Schluss kommt, dass niemand ihn will.»

Einander näherbringen

Die Babysitter-Vermittlungsstelle in Romanshorn bringt Jugendliche und suchende Eltern einander näher. Unterstützt werden die Bemühungen nun auch von den Kulturvermittlern der Stadt Amriswil, die Eltern mit Migrationshintergrund die Situation erklären und ihnen helfen, sich um einen Babysitter in ihrer Landessprache zu bemühen – sofern das gewünscht ist. Manchmal gehe es nur darum, den Müttern das Prinzip des Babysittings zu erklären», präzisiert Paula Silva.

Danach kommt die Vermittlerin zum Zuge. Sie sucht nach dem geeigneten Babysitter mit den entsprechenden Sprachkenntnissen. Wenn nötig, helfen die Kulturvermittler auch bei einem Erstkontakt. Stimmt die Chemie und das Mädchen oder der Junge stehen für das Babysitting im Einsatz, zieht sich die Integrationsstelle zurück. Ansonsten gibt es weitere Vorschläge, bis Eltern und Babysitter zusammenpassen.

Paula Silva Integrationsbeauftragte der Stadt Amriswil (Bild: Rita Kohn)

Paula Silva Integrationsbeauftragte der Stadt Amriswil (Bild: Rita Kohn)