Daheim im Saurer-Hochhaus

ARBON. Vor 55 Jahren wurde das Saurer-Hochhaus eröffnet – das Ehepaar Hüppi war unter den ersten, die einzogen. Rosa Hüppi wohnt nach wie vor gern an der Brühlstrasse 63.

Hedy Züger
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Geniesst den Blick von ihrem Balkon: Erstbewohnerin Rosa Hüppi im Saurer-Hochhaus. (Bild: Hedy Züger)

Geniesst den Blick von ihrem Balkon: Erstbewohnerin Rosa Hüppi im Saurer-Hochhaus. (Bild: Hedy Züger)

Bald feiert das Saurer-Hochhaus ein weiteres Jubiläum: 1960 wurden etappenweise die 95 Wohnungen belegt. Der Bau war damals schweizweit in den Schlagzeilen, denn Architekt Georges-Pierre Dubois war nicht nur ein Neffe des damaligen Direktors der Adolph Saurer AG, Albert Dubois, sondern auch ein Schüler des berühmten Schweizer Architekten Le Corbusier. Der Bau an sich sorgte für Aufsehen, er war auf Betonstelzen errichtet und sollte einen Zwilling erhalten, doch dazu kam es doch nicht.

Ein- bis vielsprachig

Die Wohnungen, so die Planung, sollten vorzugsweise Saurer-Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Anfänglich wurden nur dann andere Mieter angenommen, wenn die Nachfrage beim weitaus grössten Arboner Arbeitgeber etwas nachliess. Die Schweizer waren lange Zeit unter sich. Heute ist das anders, sehr selten nennen Mieter das Unternehmen Saurer als Arbeitsplatz, und multikulturell mutet auch der Mix der Nationen an, die das Hochhaus besiedeln.

Was sich ebenfalls änderte, ist die Alterszugehörigkeit. Wer schon lange im «Quartier Hochhaus» daheim ist, zählt sich zur Gruppe der Grosseltern. Wenn bei ihnen Kleinkinder oder Jugendliche ein- und ausgehen, dann sind es die Enkel, nicht der direkte Nachwuchs. Zwar mieten auch junge Paare eine Wohnung an der Brühlstrasse 63, doch sind viele von ihnen berufstätig und schieben den Kinderwunsch noch auf. «In der guten alten Zeit tummelten sich hier 200 Kinder, darunter meine eigenen drei Töchter», sagt Rosa Hüppi. «Jetzt können die Kinder an einer Hand abgezählt werden.»

Bella Vista

Wenn das Saurer-Hochhaus 2015 das 55jährige Bestehen feiert, ist Rosa Hüppi eine der sechs Mietpartien, die das Jubiläum mitfeiern können. Die Neuwohnung von damals belegt sie noch heute – und möchte am liebsten alle verbleibenden Lebensjahre darin verbringen, so gut gefällt ihr die Wohnlage. Was schätzt sie so besonders? Rosa Hüppi hat eine Maisonette-Wohnung. Sie nennt die Sicht auf See und Bach, die Lage im Grünen und das gute Verhältnis zu den Nachbarn unter den besonderen Vorzügen. Ob es eine Notlage oder ein kleiner Bedarf sei – man lasse sich nie im Stich. Hilfe sei so sicher wie die Sonne, die jeden Tag neu aufgehe. Da inzwischen manche der Erstbewohner ihren Gatten oder ihre Ehefrau verloren haben, ist der Zusammenhalt besonders wertvoll.

Lob für Giulio

Vor 22 Jahren wurden die Küchen erneuert und weitere Renovationen ausgeführt. Die Teppichböden wurden durch Laminatbeläge ersetzt. Seither dringen mehr Geräusche von oben nach unten.

Damals verwaltete die Saurer-Pensionskasse das imposante Gebäude, zuletzt war es Regula Schmid-Jäger, mit der die Mieter ein vertrauensvolles Verhältnis pflegten. Heute ist eine Verwaltung in St. Gallen zuständig. Rasch kommt das Gespräch auch auf den Hauswart. Weniger auf die Vorgänger als auf Giulio Huser, der seit bald 15 Jahren zum Rechten sieht. «Er ist ein super Abwart, wir geben ihn nicht mehr her. Was er verwaltet, das ist picobello», lobt Rosa Hüppi den Allrounder.

Wissen, was den Nachbarn freut

«Fussballmatchli» mit Mannschaften, welche die verschiedenen Etagen vertraten und in T-Shirts steckten, die von den Familien gesponsert wurden, finden schon lange nicht mehr statt. Auch das Gefühl der Zugehörigkeit zur grossen Gemeinschaft von einigen hundert Hochhausbewohnern ist verloren gegangen. Was blieb, sind persönliche Helferdienste und das Wissen um das, was den Nachbarn Freude macht.

Zum Beispiel dicke warme Socken, die in der einen Wohnung gestrickt und in der andern mit dem Gefühl der Dankbarkeit angezogen werden. So ist es auch an Weihnachten 2014.

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