CVP spielt den Ball zurück

BISCHOFSZELL. Stadtammann Josef Mattle kann bei den Wahlen im Februar weiter auf die Unterstützung seiner Partei hoffen. In der CVP macht ihm die Kandidatur derzeit niemand streitig, geschlossen sind die Reihen freilich auch nicht.

Georg Stelzner
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Thomas Diethelm, neuer Präsident der CVP Bischofszell. (Bild: Georg Stelzner)

Thomas Diethelm, neuer Präsident der CVP Bischofszell. (Bild: Georg Stelzner)

Gleich an seiner ersten Mitgliederversammlung wurde der neue Präsident der CVP Bischofszell und Umgebung, Thomas Diethelm, mit zwei heissen Eisen konfrontiert: einer Zonenplanänderung im Sittertal, welche die Errichtung eines Holzkraftwerks durch die Axpo Holz + Energie AG ermöglichen soll (siehe Kasten), und den Gemeindewahlen vom kommenden Februar.

Letztere haben die CVP insofern in die Bredouille gebracht, als die anderen Ortsparteien zu Stadtammann Josef Mattle auf Distanz gegangen sind und in der Person von Vizestadtammann Christian Steiner (SVP) sogar ein Herausforderer bereitsteht.

Konzessionen verlangt

Diethelm wies die Forderung der politischen Mitbewerber, «reinen Tisch zu machen» und Josef Mattle zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur zu bewegen, entschieden zurück. «Das kann nicht die Strategie der CVP sein», stellte der Parteipräsident fest.

Solange niemand aus den eigenen Reihen gegen Mattle ins Rennen steige, werde man den amtierenden Stadtammann unterstützen. Diethelm liess aber auch keinen Zweifel daran, dass die Partei bei einer offiziellen Nomination Mattles von diesem «gewisse Konzessionen» erwarte. Eine Haltung wie vor vier Jahren, als die CVP Mattle nur halbherzig unterstützt hatte, komme für ihn keinesfalls in Frage. Diesmal müsse die CVP in dieser zentralen Frage unmissverständlich Farbe bekennen.

Gefahr einer Spaltung

Louis Brüschweiler, Mitglied des Parteivorstandes, erklärte, dass in dieser Situation die an-deren Parteien am Zug seien: «Es kann nicht unsere Sache sein, eine Gegenkandidatur zu Josef Mattle zu lancieren.» Brüschweiler gab zu verstehen, dass er das Ansinnen der anderen Parteien, die CVP möge gegen den eigenen Stadtammann Position beziehen, für absurd hält. «Das ist nicht üblich und wird nirgends gemacht.»

Auch der Ortsparteipräsident hält von einem solchen Vorgehen nichts. Er warnte sogar ausdrücklich davor, mit einem Gegenkandidaten aus den eigenen Reihen anzutreten. «Damit würden wir unsere Wählerschaft spalten und womöglich auch unsere Sitze im Stadtrat gefährden.» Diethelm verwies darauf, dass es einzig und allein die Kompetenz der Mitgliederversammlung sei, den offiziellen Stadtammann-Kandidaten der CVP zu küren. Dies werde am 29. November geschehen.

Ein Risiko für die CVP?

Die Diskussion unter den Parteimitgliedern zeigte dann aber, dass Josef Mattle auch im eigenen politischen Lager nicht nur Anhänger hat. «Ich bin überrascht, dass die CVP keinen anderen Kandidaten als Josef Mattle findet», sagte ein sichtlich frustriertes Parteimitglied. Aufgrund der jüngsten Vorfälle gehe die CVP damit bei den Wahlen ein grosses Risiko ein.

Ein anderer Versammlungsteilnehmer liess erkennen, dass auch er einer erneuten Kandidatur des amtierenden Stadtammanns kritisch gegenübersteht. Er gab jedoch zu bedenken, dass Josef Mattle in der Stadt sehr beliebt und nach wie vor auch mehrheitsfähig sei. Ein Parteikollege ging noch weiter und vertrat die Meinung, dass das negative Image Mattles nicht der Realität entspreche: «Er hat auch viele Sachen gut gemacht.» Die Diskussion endete mit dem Appell, fortan jene Punkte ins Zentrum zu stellen, die für Josef Mattle sprechen würden.

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