Cup-Revanche nach 45 Jahren?

Als einer von 13 Regionalliga-Clubs ist der FC Amriswil noch im Schweizer Cup dabei. Diesen Samstag (16 Uhr) empfängt er den FC Schaffhausen im Tellenfeld – für Präsident Markus Stahel kein aussichtsloses Unterfangen.

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Vor dem Schaffhausen-Spiel: «Die Mannschaft wird alles geben», verspricht Markus Stahel. (Bild: Roger Häni)

Vor dem Schaffhausen-Spiel: «Die Mannschaft wird alles geben», verspricht Markus Stahel. (Bild: Roger Häni)

Schaffhausen heisst der Gegner des FC Amriswil im1/32-Final des Schweizer Cups. Was ging in Ihnen vor, als Sie von diesem Los erfuhren?

Markus Stahel: Alle Vereine, welche die 1. Cup-Hauptrunde erreicht haben, waren eingeladen, bei der Auslosung auf dem Berner Gurten teilzunehmen. Als Zweitliga-Club folgten wir dieser Einladung gerne. Ich ging mit unserem Spielertrainer Olaf Sager hin. Wir waren recht nervös. Natürlich hofften wir auf eines der drei möglichen «Traumlose» St. Gallen, GC oder Zürich. Zugegeben: Als wir Schaffhausen zugelost erhielten, waren wir etwas enttäuscht. Aber es ist immerhin ein Challenge-League-Club. Stark sind diese Mannschaften alle, das ist klar.

Was braucht es, um ein solches Cup-Spiel zu organisieren, verglichen mit einem Meisterschaftsspiel?

Stahel: Seit dieser Saison heisst der Bewerb wieder Schweizer Cup und nicht mehr Swisscom Cup. Gesteuert wird jetzt alles durch eine Marketingfirma im Auftrag des Schweizerischen Fussballverbandes. Die Auflagen sind mit einem einfachen Leitfaden dokumentiert. Beim Matchplakat etwa sind Layout und Schrift-Typ vorgegeben. Das Matchprogramm und die Tickets sind im gleichen Layout zu gestalten. Weiter haben wir eine CD mit Werbespots erhalten, die wir am Samstag abspielen müssen. Und ein Verbandsvertreter bringt uns vor dem Spiel weiteres Werbematerial vorbei. Unsererseits bauen wir die Festwirtschaft aus, da wir mit mehr Publikum rechnen. Wir sind auch verantwortlich für die Sicherheitsvorkehrungen. Der FC Schaffhausen wird, was die Sicherheit anbelangt, als unproblematisch eingestuft. Vorsorglich haben wir dennoch die Polizei über die Spieldurchführung informiert.

Wer trägt die Kosten für den organisatorischen Mehraufwand?

Stahel: Die Kosten haben wir grundsätzlich selbst zu tragen, wobei die Qualifikation für den1/32-Final uns einen Geldbetrag des Verbandes beschert hat. Neuerdings ist es so, dass der Heimclub für Schiedsrichter-Entschädigung, Drucksachen usw. aufkommen muss, dafür aber nicht mehr wie früher die Hälfte der Zuschauereinnahmen an den Gastclub abzugeben hat. Was die administrativen Arbeiten betrifft, sind wir gottenfroh, seit einem Jahr über ein Sekretariat zu verfügen.

Was erwartet die Besucher am Samstag?

Stahel: Das Cupspiel soll Volksfest-Charakter haben. Es ist nun aber nicht so, dass wir eine Blasmusik oder Fahnenschwinger auftreten liessen. Wie man es von Länderspielen her kennt, werden unsere F-Junioren mit den Spielern einlaufen dürfen. Und um Unterbrüche während des Spiels möglichst zu vermeiden, werden wir Ballbuben einsetzen.

Wie viele Zuschauer sind das Ziel?

Stahel: Wir hoffen auf 400. In der Meisterschaft liegt unser Schnitt zwischen 100 und 150. Von der Kapazität her wären am Samstag auch 1000 kein Problem, doch müssen wir realistisch sein. Manch einer geht gleichentags vielleicht lieber nach Bazenheid, um den FC St. Gallen zu sehen.

Vor 20 Jahren gastierte Bellinzona im Tellenfeld. Vor der ansehnlichen Kulisse von 1150 Fans setzte es für den FCA eine 0:4-Niederlage ab. Waren Sie damals dabei?

Stahel: Nein, aber ich habe von diesem Spiel gehört. Kubilay Türkyilmaz schoss uns damals mit drei Toren ab. 1963 spielte der FC Amriswil übrigens schon einmal im Cup gegen Schaffhausen – damals ein Nationalliga-A-Club – und erreichte ein 1:1, was ein Wiederholungsspiel drei Tage später in Schaffhausen zur Folge hatte. Weil der FC Schaffhausen über keine taugliche Flutlichtanlage verfügte, setzte er den Spielbeginn am Mittwoch auf 16 Uhr an. Für die arbeitenden Amriswiler Spieler war das zu früh, so dass sie die Reise nicht antraten. Die Partie ging Forfait verloren und der FCA wurde zusätzlich mit einer Busse von 20 Franken belegt…

Rechnet sich der FCA auch am Samstag eine Chance aus?

Stahel: Wir gehen sicher so ins Spiel. Die Mannschaft ist topmotiviert und wird alles geben. Man hat bei der Partie zwischen der Schweiz und Luxemburg gesehen, was im Fussball passieren kann. Auch wir machten kürzlich die Erfahrung, wie schwer es sein kann, gegen einen «Underdog» zu spielen. Im Cup-Qualifikationsspiel für die nächste Saison gewannen wir gegen den Viertligisten Haag erst mit 8:7 nach Penaltyschiessen. Die kamen auf uns los wie die Tiere, so dass sich unsere spielerische Überlegenheit gar nie entfalten konnte.

Was wissen Sie über die aktuelle Mannschaft des FC Schaffhausen?

Stahel: Unser Trainer nahm mit Leuten Kontakt auf, die in dieser Saison gegen den FC Schaffhausen gespielt haben. Selbst beobachtet haben wir den Gegner nicht. Wir müssen sowieso unser eigenes Spiel spielen.

…Was in dieser Saison bisher gut funktioniert hat…

Stahel: Wir haben in vier Meisterschaftsspielen viermal gewonnen. Das fünfte am vergangenen Sonntag in Wängi wurde leider verschoben. Wir haben eine sehr junge, bissige Mannschaft, die sich unter Olaf Sager als Trainer sichtlich weiterentwickelt hat. Das Kollektiv ist ihre Stärke.

Auffällig ist, wie viele Amriswiler jetzt wieder im Kader stehen.

Stahel: Ja, bis auf einen oder zwei Spieler sind in der Stammelf alles Amriswiler. Darunter sind eigene Junioren und Rückkehrer aus dem Team Thurgau oder von anderen Vereinen. Natürlich haben wir auch Glück, zurzeit über eine solche Breite an guten eigenen Spielern zu verfügen. Diese zu halten, ist nicht einfach, und wir sind uns bewusst, dass auch wieder härtere Zeiten kommen. Die grosse Juniorenabteilung ist aber unsere Basis. Mit eigenen Spielern zu arbeiten ist nach meiner Ansicht die Zukunft eines jeden Vereins.

Interview: Roger Häni

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