«China ist meine Traumstelle»

In diesen Tagen reist der 38jährige Kradolfer Pascal Nufer für mindestens vier Jahre nach Shanghai, um dort fürs Schweizer Fernsehen als Auslandskorrespondent zu arbeiten. Er spricht über die Erwartungen an das unbekannte Land und seinen Einsatz in einer fremden Kultur.

Rita Kohn
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Grosser Umzug: Pascal Nufer hilft mit, die Kisten mit seinem Hausrat in den Lastwagen zu verladen. (Bild: Reto Martin)

Grosser Umzug: Pascal Nufer hilft mit, die Kisten mit seinem Hausrat in den Lastwagen zu verladen. (Bild: Reto Martin)

Herr Nufer, Sie übernehmen einen Auslandskorrespondenten-Posten in China. Weshalb gerade dieses Land?

Pascal Nufer: China ist eines der spannendsten Länder der Welt. Das Land steht gerade an einem Wendepunkt, und es ist nicht klar, wohin es geht. Es kann sowohl im Sinne einer Öffnung weitergehen als auch zu einem Zusammenbruch des ganzen Konstrukts kommen. Was jetzt mit China passiert, wird Geschichte schreiben.

Dann wars vor allem der Wunsch, bei der Geschichtsschreibung dabei zu sein, der Sie nach China bringt?

Nufer: Ich war bereits sieben Jahre in Südostasien. Das ist zwar ein einfacher zugängliches Asien als China. Nun habe ich aber die Chance, tief ins Herzen von Asien vorzustossen. Und das in einem Moment, der wahnsinnig spannend ist. Die Asiaten haben das Selbstverständnis, dass das 21. Jahrhundert das asiatische Jahrhundert sein wird, und leben eine grundlegende Vorwärtsstrategie.

Ist die chinesische Kultur vergleichbar mit jener, die Sie in Südostasien erlebt haben?

Nufer: Man sollte ja nicht pauschalieren, trotzdem: Die Chinesen begegnen uns meist auf Augenhöhe. Sie haben zwar nicht auf mich gewartet, akzeptieren aber, dass ich da bin. In Thailand hingegen sind die Leute eher unterwürfig, und man weiss oft nicht, woran man ist. Die Chinesen sind ein Volk von Händlern. Ich schätze ihre Art und freue mich riesig auf die Herausforderung China.

Wie kommt es, dass Sie die Korrespondentenstelle in China übernehmen?

Nufer: Das war ein längerer Prozess. Die Stelle war ausgeschrieben, kurz nachdem ich nach sieben Jahren in Südostasien in die Schweiz zurückgekehrt war. Eigentlich war es meine Traumstelle, aber meine ganze Familie war glücklich, dass wir zurückgekehrt sind. Deshalb wollte ich mich erst gar nicht bewerben. Doch dann habe ich trotz allem das Gespräch mit dem Chef gesucht. Und ich konnte für einige Wochen die Stellvertretung meiner Vorgängerin übernehmen, weil sie eine Babypause eingeschaltet hatte.

Sprechen Sie Chinesisch?

Nufer: Dadurch, dass ich relativ früh wusste, dass wir nach China ziehen würden, konnte ich jetzt eineinhalb Jahre jede Woche zwei Lektionen Chinesisch lernen. Es ist die Basis für einfachste Alltagssachen. Längerfristig möchte ich in der Lage sein, selber eine Strassenumfrage zu machen. Aber ich werde auch auf die Dienste von Übersetzern zurückgreifen. Sie sind nicht nur sprachlich eine Hilfe, sondern auch eine Art Türöffner in eine andere Kultur.

Wie lange werden Sie in China bleiben?

Nufer: Vorerst habe ich einen Vierjahresvertrag abgeschlossen, der sieht als Option eine Verlängerung um zwei Jahre vor. Das entspricht den Gepflogenheiten bei SRF. Es soll ein Austausch stattfinden, sonst besteht Gefahr einer zu grossen Abnutzung.

War immer klar, dass Ihre Familie mitziehen wird?

Nufer: Ja, absolut. Das Ganze war klar ein Familienentscheid, in den auch meine Tochter involviert ist. Sie ist auch auf den Umzug vorbereitet, hat mich bei meinem Einsatz in Shanghai besucht. Bei einem belastenden Job ist es extrem wichtig, dass die Familie da ist und Halt gibt.

Sie haben sich dafür entschieden, in Shanghai und nicht in Peking zu leben. Weshalb?

Nufer: Die Lebensqualität ist in Shanghai wesentlich besser. In Peking gibt es eine so grosse Luftverschmutzung, dass es für mich keine Option gewesen wäre, mit meiner Familie dort zu leben. Zudem ist Shanghai als Wirtschaftsmetropole ein interessanter Standort

Sind Sie aufgeregt?

Nufer: Langsam schon etwas. Natürlich kommt es mir entgegen, dass ich bereits mal als Auslandkorrespondent im Einsatz war. Aber wie immer gibt es auch hier viel Unplanbares, und das macht etwas nervös. Beruflich weiss ich aber durch meine Stellvertretung, was auf mich zukommt.