Chance für den Schandfleck

Romanshorn und die Expo, das könnte eine grosse Geschichte werden. Aber nur, wenn sich die Hafenstadt noch ein bisschen hübsch macht. Weil sonst der eine oder andere Besucher gar nicht erst aussteigen will, wenn er dereinst mit dem Zug anreist.

Markus Schoch
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Romanshorn und die Expo, das könnte eine grosse Geschichte werden. Aber nur, wenn sich die Hafenstadt noch ein bisschen hübsch macht. Weil sonst der eine oder andere Besucher gar nicht erst aussteigen will, wenn er dereinst mit dem Zug anreist. Weil er denkt: Wenn schon die Schokoladenseite den Charme eines verlassenen Dorfes in Ostdeutschland versprüht, erspare ich mir den Rest doch lieber.

Ein schlechtes Licht auf Romanshorn wirft insbesondere das ehemalige Restaurant Volksgarten. Es ist ein Schandfleck an bester Verkehrslage. Das Gebäude zerfällt seit 20 Jahren, und jeder am Bahnhof kann dabei zusehen. Die Türen sind mit Brettern zugenagelt, den Zutritt zum Gelände versperrt ein hoher Gitterzaun. Auf der Wiese weiden Schafe.

Das Problem: Der «Volksgarten» kann nicht abgebrochen werden. Der Kanton lässt in dieser Frage nicht mit sich reden. Als die Romanshorner vor über fünf Jahren fast einstimmig entschieden, das Gebäude mit der Fachwerkfassade aus dem Schutzplan zu streichen, wehrte sich der Heimatschutz, und das zuständige Departement gab ihm Recht. Unter diesen Voraussetzungen eine Überbauung zu realisieren, scheint sehr schwierig zu sein.

Die geplante Landesausstellung eröffnet nun aber ganz neue Perspektiven. Der «Volksgarten» ist nämlich eines der letzten Relikte der so genannten Landikultur im Thurgau und könnte so zum Bindeglied zwischen der Expo 1939 in Zürich und derjenigen 2027 in der Ostschweiz werden. Vor diesem Hintergrund müsste sich doch Geld auftreiben lassen, damit das geschichtsträchtige Haus saniert und mit Leben erfüllt werden kann. Eine bessere Gelegenheit kommt nicht. Wahrscheinlich ist es sogar die einzige. Aber sie ist auch einzigartig gut. Fast zu gut für ein Museum.

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