Chance Expo: «Bauen einen Leuchtturm im See»

Laut den Konzeptmachern soll Romanshorn Thurgauer Hauptstandort der Expo 2027 werden. Stadtpräsident David H. Bon ist überrascht und freut sich. Es sei eine Chance für die Entwicklung der Hotels und für das Massivlagerhaus.

Tanja von Arx
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Blick vom Romanshorner Hafen auf den Bodensee: Hier soll 2027 die Expo stattfinden, allenfalls mit Einbezug des Massivlagerhauses (links). (Bild: Visualisierung: pd/Hosoya Schaefer Architects)

Blick vom Romanshorner Hafen auf den Bodensee: Hier soll 2027 die Expo stattfinden, allenfalls mit Einbezug des Massivlagerhauses (links). (Bild: Visualisierung: pd/Hosoya Schaefer Architects)

Romanshorn ist als einzige Thurgauer Stadt ein Expo-Standort – entschieden haben aber nicht Sie, sondern die Konzeptmacher. Fielen Sie aus allen Wolken wie vermutet?

David H. Bon: Ja, ich war überrascht! Wir hatten zwar schon gedacht, dass wir wegen der Verkehrslage im Rennen liegen, aber dass wir so erstklassig dabei sind, ahnten wir nicht. In der Zeitung hatten wir Oberthurgauer Gemeinden gar eine Beilage geschaltet, um zu zeigen, dass wir im Falle eines Falles bereit wären für die Landesausstellung. Mich wie auch die Bevölkerung hat das Resultat dann wirklich gefreut.

Als Standort muss sich die Stadt aber auch finanziell beteiligen, und die Rechnung geht immer weniger auf. Bis 2019 soll der Steuerfuss um 5 Prozent erhöht werden.

Bon: Romanshorn hat ein schmales finanzielles Polster, ja. Wegen der steigenden Kosten im Sozial- und Gesundheitsbereich gibt es ein strukturelles Problem, ausserdem investieren wir in die Stadtentwicklung. Drei der fünf vorgesehenen Prozente fallen aber in den Bereich Schlüsselprojekte. Diese werden in Zusammenhang mit dem Vorprojekt der Expo angeschaut. Darum sehe ich das als Chance.

Die Expo 2027 soll sowohl den Blick zurück als auch jenen in die Zukunft ermöglichen. (Bild: pd)
17 Bilder
Das Siegerteam, von links: Lukas Schweingruber, Robin Winogrond, Hiromi Hosoya, Plinio Bachmann und Markus Schaefer. (Bild: Michel Canonica)
Die Küste von Romanshorn bis Altenrhein sowie deren Stege sind Spielorte der geplanten Expo-Seelandschaft. (Bild: pd)
Die Expo 2027 soll einen neuen Blick auf Bekanntes ermöglichen. (Bild: pd)
Die Seelandschaft spielt eine wichtige Rolle im Siegerkonzept. (Bild: pd)
Die Kreuzung - wo Menschen sich begegnen. (Bild: pd)
Eine wichtige Frage: Wer sind wir? (Bild: pd)
Angelus Eisinger, Jurypräsident. (Bild: Michel Canonica)
Der Zürcher Architekt Markus Schaefer an der Pressekonferenz im Hotel Heiden. (Bild: Michel Canonica)
Hiromi Hosoya, Mitglied des Siegerteams. (Bild: Michel Canonica)
Robin Winogrond, Mitglied des Siegerteams. (Bild: Michel Canonica)
Plinio Bachmann, Mitglied des Siegerteams. (Bild: Michel Canonica)
Lukas Schweingruber, Mitglied des Siegerteams. (Bild: Michel Canonica)
Der politische Steuerungsausschuss sowie der Jurypräsident: Benedikt Würth, Regierungspräsident Kanton St.Gallen, Carmen Haag, Regierungsrätin Kanton Thurgau, Marianne Koller-Bohl Regierungsrätin Kanton Appenzell Ausserrhoden und Angelus Eisinger. (Bild: Michel Canonica)
Die Medienkonferenz fand in Heiden statt. Der Nebel verwehrte allerdings den Blick auf den Schauplatz der Expo 2027. (Bild: Michel Canonica)
Medienkonferenz: Vorstellung Siegerprojekt Expo2027 (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
Das Siegerprojekt "Expedition27". (Bild: Michel Canonica)

Die Expo 2027 soll sowohl den Blick zurück als auch jenen in die Zukunft ermöglichen. (Bild: pd)

Inwiefern?

Bon: Die Expo bringt Schwung rein. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Etwa im Rahmen des Agglomerationsprogramms arbeiten wir an einer Unterführung, um die Innenstadt mit dem Hafenpark zu verbinden. Dieses Areal könnte man beispielsweise an der Expo sehr gut nutzen. Wird die Unterführung bewilligt, würden Bund und Kanton dieses Projekt mitfinanzieren.

Man arbeitet demnach Hand in Hand.

Bon: Genau. Indem wir uns einbringen, erhalten wir gleichzeitig ein Supplement. Ausserdem: Machen wir bis 2027 weiter wie bisher, kommt es gut. Bei Investitionen wie dem Wohn- und Geschäftshaus beim Bodan und dem Bau bei der Firma Fatzer kommt etwas zurück. Dass wir als Expo-Standort gewählt wurden, zeigt auch, dass wir auf einem guten Weg sind.

Sie erwähnten das Hafenareal; das Konzept gibt nur Standorte vor, inhaltlich ist alles offen. Welche Orte könnte man in Romanshorn nutzen?

Bon: Laut Konzept vertreten wir die Seelandschaft. Neben dem Hafen, dem grössten am Bodensee, nutzen wir auch das Bahnhofgelände. Auch weitere Aufschüttungen sind möglich. Dann die Bunkerwiese beim SBB-Lagerhaus. Und als Höhepunkt wünschen wir uns eine Plattform draussen im See, einen Leuchtturm.

Stichwort SBB- oder Massivlagerhaus: Es steht nach wie vor leer. Kann man es einbeziehen?

Bon: Da bin ich mir ganz sicher. Es steht schon länger in der Diskussion für das historische Museum, bis 2027 sollte nun effektiv etwas passieren. Die Besitzer sind Private. Ich bin überzeugt, dass auch sie sich motivieren lassen von der Expo.

Wird bei der Expo auch die Region mitziehen?

Bon: Es ist wichtig zu sagen, dass es nicht nur um Romanshorn geht. Es geht um die ganze Region Oberthurgau, von Arbon bis nach Altnau dem Ufer entlang wie auch das Hinterland. Und darüber hinaus geht es um die ganze Region Bodensee-Ostschweiz. Wir sind stolz, Standort zu sein. Aber bei der Expo geht es ums Miteinander, nur so wird sie eine gute Sache. Wichtig zu sagen ist zudem, dass es noch ein langer Weg ist bis dahin.

Wie meinen Sie das?

Bon: Bisher sind alles Skizzen. Bis zur Expo 2027 braucht es noch viel Planung, Entscheidungen müssen gefällt werden, die Stadt muss sich einbringen können, um die lokale Entwicklung mit der Projektleitung abzusprechen. Es ist, als wäre man noch in Indien am Strand und müsste auf den Mount Everest. Unsere Aufgabe ist es auch, gemeinsam attraktiv zu sein für Besucher aus Deutschland und Österreich.

Viele Expo-Besucher: Macht das die Hotelfrage dringlicher?

Bon: Absolut, und es gibt ihr auch Fahrt. Die Stadt kann nur die Rahmenbedingungen versuchen zu verbessern und die Baubewilligung ausstellen. Für einen Investor ist in erster Linie das Vertrauen in den Standort wichtig. Und mit einer Expo ist das eher da.

David H. Bon Stadtpräsident Romanshorn (Bild: Reto Martin)

David H. Bon Stadtpräsident Romanshorn (Bild: Reto Martin)