Bushof darf nicht der Sündenbock sein

Redaktionelle Stellungnahme zur Bushof-Abstimmung. Die Kreuzlinger entscheiden am 9. Februar über einen Kredit von 1,3 Millionen Franken. Wer nicht auf der Stelle treten will, sollte zustimmen. Von Nicole D'Orazio

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Der Bushof auf dem Bärenplatz muss einiges aushalten. Jedenfalls metaphorisch gesehen. Auf das Erweiterungsprojekt, über das die Kreuzlinger am 9. Februar abstimmen, werden derzeit viele Emotionen übertragen. Vor allem negative. Der Bushof wird zum Sündenbock für das Verkehrsproblem in der Stadt gemacht. Mit dieser Abstimmung ist es aber nicht zu lösen. Denn der Bushof ist und bleibt ein Bushof. Nicht mehr und nicht weniger. Egal, wie sich die Stimmbürger entscheiden.

Seit Jahren ist der Bärenplatz die Hauptdrehscheibe in der Stadt. Dort treffen sich die verschiedenen Buslinien. Das Provisorium aus dem Jahre 2006 soll nun fix installiert und dabei optimiert werden. Es ist schon über zwei Jahre bekannt, dass auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2014 hin Änderungen geplant sind. Neu sollen längere Busse zum Einsatz kommen. Diese sind zwölf statt zehn Meter lang. Der Kanton prüft zudem, auf der Linie 908 – dem «roten Arnold» vom Konstanzer Zähringerplatz bis nach Landschlacht – wegen des zunehmenden Passagieraufkommens ebenfalls längere Fahrzeuge einzusetzen. Mittelfristig soll das Angebot der Regionallinien ausgebaut werden und neu bis zum Bärenplatz führen. Zudem sind alle Mitglieder im Tarifverbund Ostwind verpflichtet, an den Knotenpunkten Fahrplan-Echtzeitsysteme zu installieren. Diese hätten eigentlich bereits Ende 2013 angebracht werden sollen. Im Hinblick auf den geplanten Ausbau wurde die Umsetzung auf dieses Jahr verschoben.

Bereits heute sind die Verhältnisse auf dem Perron eng. In den Stosszeiten kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, der Zustand ist unbefriedigend. Deswegen wird der Perron ausgebaut und neu überdacht. Die Fahrbahn der Hauptstrasse wird verengt. An der Parkstrasse wird neu ein zweiter Perron erstellt. Statt acht Anlegekanten soll es zwölf geben. Das gibt genügend Platz für eine neue Linie in der Stadt, die mittelfristig realisiert werden könnte. Dass dafür die acht Kurzzeitparkplätze weichen müssen, ist nur ein kleiner Wermutstropfen. Schliesslich gibt es in der Umgebung genügend Parkiermöglichkeiten. Besser die Parkplätze kommen weg, als dass die Platanen im Dreispitzpark geopfert werden.

Die Gegner sagen, der Zeitpunkt für die Abstimmung sei falsch. Sie wollen, dass die Volksbefragung über die Initiative für einen autofreien Boulevard abgewartet wird. Der erweiterte Bushof schränkt die verschiedenen Möglichkeiten der Verkehrsführung im Zentrum jedoch nicht ein. Sollte das Volk wirklich eine Fussgängerzone auf dem Boulevard wollen, wäre diese später noch immer umsetzbar.

Die SP Kreuzlingen argumentiert mit ihrer eigenen Verkehrsstudie, in der sie die Sperrung des Abschnittes zwischen dem Bären- und dem Löwenkreisel für den Individualverkehr fordert. Ob dieser Vorschlag mehrheitsfähig ist, ist allerdings eine andere Frage. Falls ja, wäre eine Umsetzung auch mit dem neuen Bushof möglich.

Ein weiteres Argument gegen das Projekt ist, dass der zweite Perron nicht schön sei und die Situation für die Fussgänger verschlechtere. Einen Mehrwert bringt der neue Bushof zwar nicht, aber muss er das? Im Endeffekt ist er ein Ort zum Ein- und Aussteigen. Und ob dieser schlicht und funktional gehalten oder aufwendig und speziell gestaltet wird, ist eine Geldfrage.

Überhaupt: Für das Problem, wohin der Verkehr nach den vorgeschlagenen Fahrverboten geleitet werden soll, konnte bisher niemand einen guten Vorschlag machen. Und will man das Zentrum vom Individualverkehr entlasten, braucht es erst recht einen leistungsstarken Öffentlichen Verkehr. Dafür ist ein Ausbau des Bushofs unabdingbar.

Das Bushof-Projekt abzulehnen, bringt nichts. Bleiben würde ein Scherbenhaufen. Die neuen Busse kommen. Dann wird der Platz definitiv enger. Und bis eine neue, ebenfalls kostspielige Lösung gefunden wäre, verstriche viel Zeit. Das Verkehrsproblem wird mit einer Ablehnung nicht gelöst. Abzuwarten bringt also nichts.

Die Abstimmung ist für den Stadtrat eine wichtige Standortbestimmung. Die Ablehnung der Bushof-Erweiterung wäre ein schlechter Start der Xentrum-Kampagne. Wenn sich schon für ein so relativ einfaches Projekt – das klar günstigste – kein Konsens findet, welch ausufernde Diskussionen und Streitigkeiten drohen dann bei der Schwimmhalle und dem Stadthaus mit Parkgarage? Diese kosten über 80 Millionen Franken. Nicht nur das. Der Bushof ist auch das erste Projekt aus dem Agglomerationsprogramm Kreuzlingen-Konstanz, das umgesetzt werden soll. Die Kreuzlinger sollten nun Farbe bekennen. Eine Annahme bedeutet, einen kleinen Schritt vorwärts zu machen und nicht wieder alles über den Haufen zu werfen.

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

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