Busen des Anstosses – und das Warten auf neuen Schub

Seit dreissig Jahren bemüht sich der Quartierverein, die Altstadt lebendig zu halten. Bei mitunter unterschiedlichen Interessen ist das nicht immer einfach. Jetzt brauchte es neue Impulse. Auch von der Stadt.

Max Eichenberger
Merken
Drucken
Teilen
Eugen Bannwart (r.), Verwalter des Nachlasses von Albert Lidi, stiftete zum Jubiläum die Bronzetafel. Urs Kugler, alt Gemeindeammann Christoph Tobler und Christine Schuhwerk freut's. (Bild: Max Eichenberger)

Eugen Bannwart (r.), Verwalter des Nachlasses von Albert Lidi, stiftete zum Jubiläum die Bronzetafel. Urs Kugler, alt Gemeindeammann Christoph Tobler und Christine Schuhwerk freut's. (Bild: Max Eichenberger)

Altstadtbewohner hatten sich selber ein Geschenk gemacht: Der Brunnen mit der Bronzeskulptur von Albert Lindi setzte dem neugestalteten Fischmarktplatz die Krone auf, 1991. Zunächst entpuppte er sich jedoch als Stein des Anstosses. Nicht die «Wanne» aus Sandstein, in Anlehnung an die Fassade des mächtigen Posthofs, sondern die auf dem Rand sitzende Reizfigur, die den Brunnen speist.

Verhüllungsaktion mit befristeter Wirkung

Keine Meerjungfrau, sondern die «Fischfrau», wie eine am Samstag anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Quartiervereins Altstadt enthüllte Bronzetafel künftig alle rätselnden Passanten aufklärt. Der Künstler hatte seinerzeit das Werk so benannt. Barbusig ist die Fischfrau den Blicken ausgesetzt, was nach der Einweihung skandalträchtig genug war, dass Gegner eine Verhüllungsaktion starteten. Mit befristeter Wirkung allerdings.

Die Episode um den Brunnen, als Kulisse anlässlich der Jubiläumsfeier am Samstag mitten im Festzelt stehend, veranschaulicht, dass bei allem, was in der Altstadt angepackt wird, die Interessen zwar nicht immer deckungsgleich sind – aber mit Ideen und Initiative einiges erreicht werden kann, das Städtli attraktiv zu gestalten. Ein Zeichen des Aufbruchs in der Altstadt sei 1991 der Fischmarktplatz gewesen, erinnert der frühere Gemeindeammann Christoph Tobler. Seit der Gründung vor dreissig Jahren ist der Quartierverein Altstadt ein engagierter Player und Partner der Stadt. Der Fischmarktplatz, über einer neuen Einstellgarage gestaltet, wo früher zwei mehr oder weniger baufällige Wirtschaften standen, sei einer der Kristallisationspunkte im Städtli, ein Schmuckstück. Er stand am Anfang weiterer Schritte zur Aufwertung der Altstadt: vom Pfarreizentrum mit einer weiteren Tiefgarage bis zum Storchenplatz.

Impulse wären jetzt wieder nötig

Weitere Zeichen und Bekenntnisse wären indes gerade jetzt nötig, damit das Städtli «nicht an den Rand gedrängt wird», mahnt Christoph Tobler – und verweist auf den Hamel sowie die Entwicklung auf dem Saurer-WerkZwei. Christine Schuhwerk, die seit 2010 den Quartierverein präsidiert, erinnert an die Marksteine, die dieser gesetzt hat: von der Dixie-Matinee über die Stadtfeste, den Aufbau der Märkte, die inzwischen unter der Ägide von Arbon Tourismus veranstaltet werden. Es hätten aber auch Niederlagen – Ortsbus, Verkehr – eingesteckt werden müssen. Immerhin ist der Quartierverein noch eine Kraft: mit derzeit 167 Mitgliedern doppelt so stark wie bei der Gründung 1986. Allerdings: Zwischenzeitlich war die Mitgliederliste noch länger.